Leitartikel Situation am Uni-Klinikum: Wohlfeile Worte

Rudi Kübler
Rudi Kübler © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Rudi Kübler 26.05.2018
Der Vorstand des Uni-Klinikums redet nur über gute Pflege, er tut aber nichts dafür. Das Personal wird alleingelassen, kritisiert Rudi Kübler.

Permanent unterbesetzte Stationen, Pflegerinnen und Pfleger, die sich aufopfern und irgendwann psychisch und physisch am Ende sind, auf der einen Seite. Auf der anderen: Patienten, die nach Krankenschwestern klingeln und klingeln ... Verstorbene, die auf der Station liegen, weil die Zeit fehlt, sie zu versorgen. Lappalien sind das nicht. Der Personalrat beklagt eklatante Missstände, dokumentiert in so genannten Überlastungsanzeigen.

Um eines vorwegzuschicken: Wenn Pflegekräfte diese Anzeigen schreiben, dann machen sie das nicht, weil es ihnen im Nachtdienst langweilig ist. Oder weil sie ihren eigenen Berufsstand oder das Klinikum in den Schmutz ziehen wollen. Die Pflegekräfte schreiben vielmehr diese Anzeigen, weil sie sich einem Berufsethos verpflichtet fühlen und sich ihnen gleichzeitig der Eindruck aufdrängt, dass man sie im Regen stehen lässt.

Sicher, das Gesundheitssystem krankt. Das fallgruppenbezogene Abrechnungsverfahren setzt in den unterfinanzierten Kliniken falsche Anreize. Nur über die Steigerung der Fallzahlen ist ein Mehr an Einnahmen zu generieren – also wird operiert und operiert und operiert. Die Patienten werden nach kurzer Verweildauer entlassen. Eine Entwicklung, mit der das Pflegepersonal rein zahlenmäßig nicht mithält. Im Gegenteil: Da lässt sich gut ausdünnen mit dem Argument, dass ja, ach Gott, die Rahmenbedingungen so schlecht sind.

Dass die Last der Vergangenheit immens ist – auch das versteht sich. 41,5 Millionen Euro Schulden, die aus dem Bau der neuen Chirurgie resultieren, sind ein dicker Brocken. Dennoch: Vor kurzem erst hat der Vorstand stolz ein Plus von 6,7 Millionen Euro für das Jahr 2017 verkündet. Gleichzeitig verschließen  der Leitende Ärztliche und der Kaufmännische Direktor sowie der Aufsichtsrat die Augen vor der Realität. Zig Stellen werden über Monate und Jahre nicht besetzt, Pflegedienstleitungen werden systematisch vergrault. Allein vier führende Kräfte haben in der Inneren Medizin seit Mitte 2016 das Weite gesucht. Und die Pflegedirektorin schwadroniert von wertvoller und guter Pflege. Wohlfeile Worte. Wo sind die Taten?

Vielleicht klopfen sich die Verantwortlichen ja in ein paar Jahren auf die Schulter: Sanierung gelungen, Klinik tot.

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