Michael Mayer stand vor einem Problem. Er hatte sich vorgenommen, öfter auf dem Ulmer Wochenmarkt einzukaufen. Doch aufgrund seines Arbeitspensums schaffte es  der selbständige Mediendesigner samstags nur selten auf den Münsterplatz, mittwochs gar nicht. Es müsste eine Internet-Plattform geben, dachte sich Mayer, auf der man die Produkte bequem nach Hause bestellen kann.

Mein-Wochenmarkt.online: Fleisch und Gemüse nach Hause bestellen

Das war 2017. Nach drei Jahren Arbeit ist aus diesem Wunsch Wirklichkeit geworden. Mein-Wochenmarkt.online  – so heißt der neue Webshop, den Mayer (36) zusammen mit seinen Freunden Marcel Michelfelder (29) und Dominik  Kramer (35) entwickelt hat. Am kommenden Samstag geht er offiziell an den Start, wobei die Waren bereits jetzt bestellt werden können. „Die Homepage ist das digitale Abbild des  Ulmer Wochenmarkts – Lieferservice inklusive“, erklärt Mayer.

Blaustein und Gerlenhofen gehören zum Liefergebiet

Das Prinzip funktioniert wie folgt: Der Käufer gibt seine Adresse sowie das gewünschte Datum an, an dem er seine Bestellung erhalten möchte. Anschließend klickt er sich durch das Sortiment, wählt Artikel wie Fleisch, Käse oder Gemüse aus. Bezahlt wird online, der Mindestbestellwert liegt bei 25 Euro. Zudem kann der Käufer ein Zeitfenster angeben, in dem der Bote bei ihm vorbeikommen soll. Die Lieferungen erfolgen immer samstags und mittwochs. Da der Markt am Eselsberg ebenfalls ins Angebot aufgenommen wurde, ist auch der Donnerstag eine Option. Das Liefergebiet umfasst einen Radius von rund zehn Kilometern rund um  die Ulmer Stadtmitte. Unter anderem werden Jungingen,  Burlafingen, Gerlenhofen und Blaustein angefahren.

Unterstützung vom Ulmer Alt-OB Ivo Gönner

Unzählige Arbeitsstunden waren nötig, um die Abläufe auszuklügeln und den Shop zu planen, erzählt der Informatiker Michelfelder. Als das Trio um den Vertriebsexperten Kramer den Marktbeschickern das Konzept vorstellte, gab es Lob. „Auch die Händler müssen sich natürlich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen. Ihr positives Zwischenfazit hat uns beflügelt“, sagt Mayer rückblickend. Darüber hinaus half Ivo Gönner den Ulmer Unternehmern weiter: Zu Beginn des vergangenen Jahres trafen sie sich mit dem Alt-OB auf einen Kaffee, schilderten ihm ihre Idee. Prompt ließ er seine Kontakte spielen und vermittelte sie  an Ansprechpartner bei der Sparkasse  Ulm sowie bei der Stadt Ulm.

Die im Online-Shop bestellten Waren des Wochenmarkts werden in Ulm und Umgebung ausgeliefert.
© Foto: Volkmar Könneke

Beide Institutionen unterstützen jetzt den Online-Wochenmarkt: Die Bank bewirbt ihn auf ihrer Internet-Präsenz, Mitarbeiter des städtischen Projekts „Digitale Agenda“ stehen den drei Geschäftspartnern bei Schwierigkeiten beratend zur Seite.

Ulmer Wochenmarkt: Team kommissioniert Ware vor Ort

Die Optimierung der Lieferkette war die letzte große Herausforderung, die Mayer, Michelfelder und Kramer  vor dem offiziellen Start bewältigen mussten.  Das Vorgehen läuft nun so ab: Die teilnehmenden Beschicker erhalten die Bestellungsliste am Vortag und bringen sie auf den Markt mit. Vor Ort kommissioniert das Online-Team die Produkte und fährt sie dann aus. Dafür sind die Lieferanten mit einem Elektro-Kleintransporter sowie mit einem Elektro-Lastenrad unterwegs. „Uns ist es wichtig, dass der Prozess so klimafreundlich wie möglich abläuft“, betont Mayer.

Mein-Wochenmarkt.online: Konzept soll skaliert werden

Zusammen mit seinen beiden Kollegen hat er eigenen Angaben zufolge rund 30.000 Euro in das Projekt investiert. Das Unternehmen verdient sein Geld durch einen mit den Beschickern vertraglich vereinbarten Anteil an jeder Bestellung. „Ulm ist für uns der Anfang“, sagt Mayer. „Wenn sich hier alles eingespielt hat, wollen wir das Konzept auf Wochenmärkte in anderen deutschen Städten übertragen.“