Stadtentwicklung Ulm versucht Wohnungsbau anzukurbeln

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Ulm / Chirin Kolb 07.08.2018

Ulm wächst, und der Wohnraum ist knapp. Die Stadt versucht deshalb seit langem, Flächen zu kaufen, Wohngebiete auszuweisen und den Wohnungsbau anzukurbeln. Die Messlatte hat der Gemeinderat vor zwei Jahren hoch gelegt. Er hat beschlossen, bis 2021 insgesamt 3500 Wohnungen zu bauen, also rund 700 pro Jahr. Auch wenn sich dieses ehrgeizige Ziel nicht eins zu eins verwirklichen lässt, arbeitet die Abteilung Liegenschaften fieberhaft daran, Flächen für künftige Wohngebiete aufzukaufen.

Oberstes Prinzip dabei ist die Ulmer Bodenvorratspolitik. Sie besagt, dass kein Baugebiet entwickelt wird, wenn nicht alle Flächen in städtischem Eigentum sind. So sollen Grundstücksspekulation und explodierende Preise im ohnehin aufgeheizten Immobilienmarkt vermieden werden. Der Nachteil: Es dauert oft länger, bis ein neues Baugebiet ausgewiesen werden kann. Dennoch sagt Abteilungsleiter Ulrich Soldner: „Wir sind vorbereitet auf die Wohnungsbauoffensive.“

In den nächsten rund zehn Jahren könnten so bis zu 4000 Wohnungen an insgesamt 16 Stellen entstehen. Die größten Gebiete sind bereits in der Planung, in der Entwicklung oder sogar im Bau:

  • am Safranberg auf dem Gelände der früheren Klinik
  • auf dem Eselsberg im Gebiet „Am Weinberg“ auf dem Areal der früheren Hindenburgkaserne
  • am Kuhberg im Gebiet Egginger Weg.

Dazu kommen kleinere Flächen wie im Dichterviertel und in den Ortsteilen. Geplant sind beispielsweise Geschosswohnungsbau auf dem Gelände einer früheren Gärtnerei in der Köllestraße am Kuhberg und die Erweiterung des Gebiets Eschwiesen in Wiblingen.

Sie alle sollen bis zum Jahr 2025 entwickelt werden. Nicht auf dieser Liste stehen die weiteren Bauabschnitte auf der Lindenhöhe, die Bleidorn-Kaserne und die Kohlplatte im Söflinger Westen. Diese Gebiete werden erst nach 2025 Baugebiete.

Bleidorn-Kaserne

Die Stadt liebäugelte schon lange damit, das Gelände der früheren Kaserne am Kuhberg zu kaufen. Vorerst wird nichts daraus. Da das Logistik-Kommando der Nato in Ulm angesiedelt wird, braucht die Bundeswehr womöglich die Bleidorn-Kaserne. Jedenfalls wird derzeit nicht verkauft, die Gespräche liegen auf absehbare Zeit auf Eis.

Kohlplatte

Das Gebiet jenseits des Kurt-Schumacher-Rings im Söflinger Westen wird mittelfristig das größte Baugebiet in Ulm. „Die Kohlplatte hat die vierfache Fläche des Lettenwalds in Böfingen“, sagt Soldner. Sie soll zwar erst entwickelt werden, wenn andere Baugebiete abgeschlossen sind. Soldners Team ist aber schon lange dran, Flächen auf der Kohlplatte zu kaufen. 80 Prozent seien bereits in städtischem Eigentum.

Grundstückspolitik ist ein langfristiges Geschäft. Dass Stadtspitze und Gemeinderat dahinter stehen, freut Soldner. „Es ist wunderschön: Man lässt uns die Zeit, die wir brauchen.“ Dies vielleicht aber auch deswegen, weil es Ausweichmöglichkeiten gibt – nicht nur in anderen Baugebieten in Ulm, sondern auch in Neu-Ulm. Auf bayerischer Seite entstehen etliche große Wohngebiete, davon mit dem Ulmer Hofgut und den Ulmer Riedteilen allein zwei in Ludwigsfeld. „Das ist gut für uns alle und entlastet den Markt.“

Großes Interesse an Ulmer Bodenpolitik

Grundstücke Die seit Jahrzehnten praktizierte Ulmer Bodenpolitik stößt zunehmend auf überregionales Interesse. Im Januar berichtete die Wochenzeitung „Die Zeit“ ausführlich über Wohnungsbau, auch mit Verweis auf Ulm. Das Deutsche Institut für Urbanistik untersucht in einer Studie den Flächenankauf von Kommunen am Beispiel von Hamburg, München, Münster, Zürich, Wien und Ulm.

Anfragen Ulrich Soldner, Leiter der Abteilung Liegenschaften, hat die Bodenpolitik in diesem Jahr in Dortmund beim Bodenforum Nordrhein-Westfalen vorgestellt, in einer Klausurtagung der Stadt Laup­heim und beim Institut für Städtebau in Berlin. Für Ende September hat ihn die Linken-Bundestagsfraktion zum „4. mietenpolitischen Ratschlag“ nach Stuttgart eingeladen.

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