Aktion „Tag des offenen Hofes“ sehr gut besucht

Kühe sind nicht lila und auch nicht bunt. Das und mehr haben Kinder beim Tag des offenen Hofes in Lehr erfahren.
Kühe sind nicht lila und auch nicht bunt. Das und mehr haben Kinder beim Tag des offenen Hofes in Lehr erfahren. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Von Edwin Ruschitzka 16.07.2018
„Tag des offenen Hofes“ der Kreislandjugend im Ulmer Stadtteil Lehr ist am Sonntag sehr gut besucht.

Tafeln am Wegesrand kündigen es an. Hier gibt es etwas Besonderes: „Wir machen Brötchen am Halm“ steht da zu lesen. Oder: „Wir machen Gras zu Genuss.“  Der Weg führt zu den beiden Aussiedlerhöfen des Milcherzeugers Hannes Ruhland und des Putenfleisch-Produzenten Ulrich Ruhland. Die beiden sind nicht miteinander verwandt oder verschwägert. „Ruhlands“ gibt’s in Lehr viele“, erzählt Ulrich Ruhland lachend.

Die Kreislandjugend veranstaltet alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Kreisbauernverband Ulm-Ehingen und dem Alb-Donau-Kreis den Tag des offenen Hofes. Wie immer strömen viele Familien zu den Bauernhöfen, diesmal nach Lehr. Dort können sie sich aus erster Hand, nämlich von den Betriebsleitern selbst erklären lassen, unter welchen Bedingungen sie zumindest einen Teil der täglichen Ernährung produzieren. Und sie werden zudem auch noch prima verköstigt und unterhalten.

3000 Liter Milch pro Tag

Hannes Ruhland ist 2009 an den Ortsrand von Lehr ausgesiedelt, hat dort eine Stallanlage für 100 Kühe. Er züchtet das Vieh, er produziert deren Futter. Und er liefert Milch, etwa 3000 Liter pro Tag. Der Melkstand für zweimal zehn Kühe läuft vollautomatisch. Zweigeteilt ist die große Viehhalle. Auf der einen Seite stehen die Milchkühe, auf der anderen deren Nachwuchs. Klar, dass die ganz jungen Kälber besonders im Interesse der ganz kleinen Besucher stehen. Alle erfahren, dass eine Kuh erst dann Milch gibt, wenn sie ihr erstes Kalb zur Welt gebracht hat, dass sie dann um die 30 Liter am Tag gibt, dass sie mehr als Doppelte an Wasser säuft und etwa 60 Kilogramm Frischmasse frisst. Und noch etwas bekommen die Kleinen zu sehen: Kühe sind nicht etwa lila, wie es die Schokoladenwerbung teilweise vermittelt. Auch wenn im Hof ein paar Kids dabei sind, eine Kunststoffkuh mit ganz bunten Farben zu bemalen.

Gleich nebenan produziert Ulrich Ruhland Putenfleisch, seit einem Jahr im Vollerwerb. Die Küken kauft er zu, er zieht sie groß, er mästet die Tiere in Lehr bis sie schlachtreif sind. Das sind jährlich etwa 24 000 Stück, ausnahmslos männlicher Art, die in Ampfing bei München geschlachtet werden. Danach kommt das Putenfleisch samt und sonders in die Schweiz. Denn mit den Eidgenossen hat Ruhland einen Zehn-Jahres-Vertrag abgeschlossen und sich verpflichtet, deren strenge Produktionsvorschriften einzuhalten.

Ruhland zählt sich zu den kleineren Betrieben in Deutschland. Sein Sohn sei gerade bei einem Produzenten mit einer Million Puten im Jahr. Was ihm nicht gefällt, ist der Preis, den er erzielt: Am meisten bleibe nicht bei den Produzenten hängen, sondern beim Handel. Das empfindet er als ungerecht. Das Kilo Pute koste zwischen 9 und 10 Euro im Geschäft, er selbst erhält nicht einmal 1,68 Euro pro Kilo. Und das mit dem eidgenössischen Aufschlag von 33 Cent. Viel zu wenig, sagt er.

Die Kreislandjugend in Ulm und Alb-Donau-Kreis

Verein Die Kreislandjugend ist der bäuerliche Nachwuchs aus Gemeinden und Städten des Alb-Donau-Kreises und der Stadt Ulm. Sie sind zwischen 15 und 35 Jahre alt. Gegründet wurde der Verein 1949. Im „Treff junger Landwirte“ werden gesellschaftliche und kulturelle Themen besprochen.

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