Für Benutzer von Smartphones ist es selbstverständlich: Sie haben mit ihrem Mobiltelefon auch Zugang zum Internet. Flüchtlinge verlieren dagegen in Camps im Ausland oder nach Ankunft in Deutschland ihren Mobilfunk-Provider und müssen andere Möglichkeiten suchen, um sich im Internet beispielsweise in sozialen Netzwerken auszutauschen. Die UN plant daher einen freien Internetzugang in Flüchtlingscamps so genannter Hochrisikoländer und hat den Ulmer Satkom-Spezialisten Level 421 ins Boot geholt. Die Datenpakete aus den Camps werden per Satellit am Teleport von Level 421 in Ulm-Nord auflaufen und von dort an den Internetknoten Frankfurt transportiert.

Firmenchef Markus Haut beschreibt die Herausforderung: Es gehe darum, in mehrere Quadratkilometer großen Camps „komplette Stadtnetze“ aufzubauen. Eines der Camps, um das es geht, sei so groß wie die Stadt Neu-Ulm. Die Wlan-Hotspots in den Flüchtlingscamps sollen von einem Dienstleistungsunternehmen installiert werden, dessen Mitarbeiter Level 421 in Dubai schult. Aus Sicht Hauts verbessert dies die Lebensqualität geflüchteter Menschen und erleichtert ihnen den Aufenthalt in den Weltregionen, in denen sie zuhause sind.

Level 421 hat über den Jahreswechsel auch auf einen Hilferuf aus Söflingen reagiert und mit Hilfe der Feuerwehr Hotspots und Antennen an der als Flüchtlingsunterkunft genutzten Meinloh-Halle installiert. Die kostenlose Nutzung ist allerdings wie bei dem von Level 421 auch auf dem Münsterplatz angebotenen Ulm-Connect auf 30 Minuten täglich beschränkt. Haut will bei den Tarifen für die Meinloh-Halle, die über eine halbe Stunde hinausgehen, jedoch keine kommerziellen Maßstäbe anlegen: Der Helferkreis der Halle soll entscheiden, was das Internet für Flüchtlinge kostet. Das könnten auch nur einige Cent sein.

Nette Begebenheit am Rande: Ein Flüchtling in der Halle hatte in Syrien bereits Technik für Internet-Cafés installiert, kannte die von Level 421 verwendeten Module und fragte Haut um einen Job. Der gab ihm auf alle Fälle seine Visitenkarte.

Mit der städtischen Konkurrenz am Münsterplatz durch das im November vom Rathaus freigeschaltete Ulm-Wlan (wir berichteten) hat Haut sich inzwischen abgefunden. Er musste jedoch die Sendeleistung von Ulm-Connect erhöhen, nachdem die städtischen Hotspots anscheinend die zulässige Leistung maximal ausschöpfen. Einige Leser hatten in Zuschriften an unsere Redaktion schon gesundheitliche Bedenken geäußert, zumal Wlan an Schulen ohnehin umstritten sei.

Haut ist nach wie vor enttäuscht, dass er als lokaler Experte bei Ulm-Wlan nicht hinzugezogen wurde, aber das sei „Sache der gewählten Volksvertreter“. Am Münsterplatz gehe es nun darum, das „Chaos“ verschiedener Anbieter zu ordnen, auch die Freifunker sind vertreten. Das Rathaus sucht auf Ende Januar einen neuen Betreiber, weil Imtech insolvent ist (siehe Infokasten).

Level 421steht jedenfalls in Vertragsverhandlungen mit der Stadt Senden über ein flächendeckendes Wlan, auch mit Vernetzung öffentlicher Gebäude. Firmen und private Haushalte können sich aufschalten. Vöhringen hat ebenfalls angefragt.

Für Profi-Nutzer gibt es neu sogar „Funk Glasfaser“, wie es Haut nennt: Die Technologie läuft über Funk, bietet aber hohen Gigabit-Speed. Die Anschlussgebühren liegen außerhalb Sendens jedoch bei 4500 Euro. Auch für Abonnenten von Ulm-Connect, die wegen zu langsamer Kabel-Verbindung auf Funk wechseln, hat Haut Anschlussgebühren ab 145 Euro eingeführt, um den Invest hereinzubekommen.

Städtisches Ulm-Wlan: Neue Ausschreibung gescheitert

Neuvergabe Die Stadt Ulm vergibt den Betrieb von Ulm-Wlan zum 1. Februar neu. Der Abschluss eines Betreiber-Vertrags mit dem zwischenzeitlich insolventen Imtech-Konzern war den Angaben zufolge ohnehin nur auf drei Monate beschränkt. Die bisherige Fortsetzung des Vertrags mit Imtech wurde von einem Fachanwalt für Insolvenzrecht geprüft und war demnach einwandfrei, wie die städtische Pressesprecherin Marlies Gildehaus mitteilte. Der nachfolgende Betreiber sollte nun erneut über eine Ausschreibung ermittelt werden.

Aufhebung Die Angebote, die dafür eingegangen sind, wurden aber „nach Prüfung aus formalen Gründen ausgeschlossen“, heißt es im Rathaus. Weiter: „Es lagen inhaltlich keine den Anforderungen entsprechenden Angebote vor.“ Man habe die Ausschreibung so aus rechtlichen Gründen aufheben müssen. Eine Wiederholung der Ausschreibung lasse kein wirtschaftliches Ergebnis erwarten. Daher führe man „Gespräche mit geeigneten Anbietern.“

Vorgeschichte Zur Vorgeschichte: Die Satkom-Firma Level 421 hatte 2014 die freihändige Vergabe des Ulm-Wlan an die städtische SWU-Telenet durch Einschaltung des Regierungspräsidiums verhindert. An der ersten Ausschreibung über ein Ingenieurbüro hatten sich weder die Telenet noch Level 421 beteiligt. Die Firma in der Küfergasse konnte den Ausschreibungstext nach den Worten von Chef Markus Haut zunächst nicht auffinden.

Analyse Bei Ulm-Wlan am Münsterplatz, Marktplatz, Hans- und Sophie-Scholl-Platz und Bahnhofsvorplatz haben sich seit Start im November 1182 Nutzer registriert. Das Surfen ist für zwei Stunden gratis, danach kann man sich wieder neu registrieren. Das Rathaus will die Werbung im Frühjahr verbessern, bis Herbst soll eine erste Nutzeranalyse vorliegen.

Kritik Die Investition für Ulm-Wlan beträgt 205.000 Euro. Dazu kommen Betreiberkosten. In einer ersten Reaktion hatten auch Grüne und Piraten Ulm-Wlan wegen der hohen Kosten kritisiert. Bei der Registrierung per SMS gebe man außerdem seine Identität preis.