Ulm Wissenschaftsstadt soll Campus nach US-Zuschnitt werden

HANS-ULI THIERER 28.02.2013
Nach Eröffnung der Chirurgie, eines 230-Millionen-Euro-Baus, ist die Wissenschaftsstadt nicht fertig. Neue Investitionen folgen, Straßenbahn und Studentenwohnungen sorgen für einen Campus im US-Zuschnitt.

Neue Chirurgie, neue Psychosomatik, neues Betriebsgebäude der AEG Mis, neue Technikgebäude, als Vorbote eines strukturellen Wandels auch ein Hotel im Science Park - das waren die Projekte, die 2012 in der Wissenschaftsstadt auf dem Oberen Eselsberg abgeschlossen worden sind.

2013 folgen Helmholtz-Institut für elektrochemische Energiespeicherung, Erweiterungen der Hochschule und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung, neue Lehr- und Laborgebäude für Biomedizin und für translationale Wissenschaft (Schnittstelle zwischen vorklinischer Forschung und klinischer Entwicklung); dazu beginnt die Erschließung des Science Parks III, durch den die Wissenschaftsstadt über den Berliner Ring hinauswächst.

Soweit die originären Bausteine der Weiterentwicklung auf dem Oberen Eselsberg. Sie stößt im Gemeinderat, speziell im Fachausschuss für Stadtentwicklung, auf ungeteilte Zustimmung, mehr noch: auf Jubel (siehe Infokasten). Mindestens ebenso helle Freude löst aus, dass 2013 eine grundlegend neue Weichenstellung vorgenommen wird, die nach Überzeugung von Baubürgermeister Alexander Wetzig und Chefstadtplaner Volker Jescheck zu einer Neuausrichtung des Campus führen wird. Wetzig sprach im Ausschuss von einer "unglaublichen Veränderung, an die vor drei Jahren noch nicht zu denken war und deren Grundlage der von Ihnen, vom Gemeinderat, auf den Weg gebrachte Masterplan ist".

Dieses von Stadtplaner Kees Christiaanse entwickelte Konzept von 2009 sieht - anders als alle Pläne in den vier Jahrzehnten zuvor - eine Entwicklung vor, die über Forschen, Lehren und Krankenversorgung hinausgeht. Jescheck: "Wir kommen zu einem Campus anglo-amerikanischen Zuschnitts." Das bedeutet, dass in der Wissenschaftsstadt nicht nur gearbeitet, sondern auch gelebt wird. Den Auftakt bilden - nachdem auch durch Parkraumbewirtschaftung Flächen gewonnen sind - zwei Studentenwohnheime mit 300 Plätzen, die 2013/14 für 15 Millionen Euro am Manfred-Börner-Weg entstehen. Diese Straße wird zu Erschließungszwecken und zur Unterbindung von Schleichverkehr gebaut und an den Kreisel Einstein-Allee angeschlossen. An dieser Straße ist Platz für weitere Wohnheime.

Einen Schub, um zu mehr Urbanität, städtischer Belebtheit und Kommunikation zu kommen, verspricht sich die Stadtpolitik auch durch Einrichtungen wie einem Biergarten am Botanischen Garten, vor allem aber durch die Erschließung der Wissenschaftsstadt mit der Straßenbahn. Dieses Vorhaben geht in die Phase der baureifen Planung.

Rüdiger Reck (FWG) erinnerte an weitere Infrastruktur: "Wir müssen für bessere Einkaufsmöglichkeiten sorgen." Diese von Christiaanse ebenfalls angeregte Absicht stecke noch in den Kinderschuhen, sagte Jescheck. Hingegen werde die außerdem durch Reck angemahnte neue Signalwegweisung entwickelt.

Siegfried Keppler und Herbert Dörfler (CDU) sagten, die Wissenschaftsstadt bleibe das Zukunftsprojekt für Stadt und Region. Keppler mahnte allerdings, sorgsam mit Flächen umzugehen und sie nicht unnötig den eigentlichen Zwecken für Wissenschaft und Forschung zu entziehen. Dorothee Kühne (SPD): "Bisher hatten wir einen Labor-Campus. Die Einstellung war lange, dass die Professoren in Oberelchingen wohnen sollen." Der Masterplan mache Schluss mit diesem Prinzip und führe auf die richtige Spur.