Ulm/Neu-Ulm / FRANK KÖNIG  Uhr
Vor allem Mobilfunkmasten sorgen für Elektrosmog, der als gesundheitlich bedenklich gilt. Ein Wissenschaftler der Hochschule Ostfalia untersucht die Strahlenfelder und hat dabei eine Karte für Ulm erstellt.

Mobilfunkmasten müssen immer mehr Handys anbinden, gleichzeitig gilt ihre Strahlung unter gesundheitlichen Aspekten als Elektrosmog, der bei sensiblen Menschen Schlafstörungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen verursachen kann. Prof. Matthias Hampe von der Fakultät für Elektrotechnik der Hochschule Ostfalia (Wolfenbüttel) betrachtet die Sendestationen unter einem völlig anderen Aspekt: Die elektromagnetischen Felder, die sie erzeugen, könnten aus seiner Sicht zu einem alternativen Navigationsinstrument werden – indem sie entsprechenden Empfangsgeräten Auskunft über den jeweiligen Standort geben. Hampe hat daher nun 104 deutsche Städte elektromagnetisch kartographiert, darunter Ulm und teils Neu-Ulm.

Er investiert mit seiner Firma Viridas auch privates Kapital in das Projekt und hat die Messergebnisse im Internet auf www.Feldkarte.de veröffentlicht. An den Karten lässt sich über farbliche Elemente (siehe Grafik) ablesen, wo die Strahlung – und damit natürlich auch der Elektrosmog – schwach oder stark ausfällt.

In Ulm ist die Strahlung – gemessen anhand der Amplitude in Voltmeter und der Frequenz in Hertz – im Umfeld des Bahnhofs und der Telekom besonders ausgeprägt. Dies hatte frühzeitig die Handwerkskammer Ulm erkannt und ihren Neubau vollständig gegen Mobilfunkstrahlung abgeschirmt. Den höchsten Wert haben Hampe und seine Studenten freilich in der Münchner Straße gemessen, wo aus seiner Sicht auch ein Antennenstrahl gezielt nach unten auf die Straßenfläche gerichtet ist. Dort wird der Grenzwert somit zu 32 Prozent ausgeschöpft, ansonsten seien es in Ulm durchschnittlich 0,44 Prozent.

In der König-Wilhelm-Straße sind die Feldstärkenwerte ebenfalls vergleichsweise hoch. Dies könnte an den Mobilfunk-Antennen auf dem halbrunden Eckgebäude Olgastraße 152 liegen, die die König-Wilhelm-Straße ebenfalls erfassen.

Bei der Analyse Hampes liegt Ulm im Mittelfeld von bisher 64 vollständig ausgewerteten Städten – mit den Spitzenreitern Düsseldorf und München. Hier sind die Feldstärken aus Sicht Hampes auch deshalb am höchsten, weil die Mobilfunkbetreiber eine größere Bevölkerung auf engerem Raum versorgen wollen. In Ulm, das Hampe auch aus seiner Zeit beim Radarspezialisten EADS kennt, gibt es weitere Strahlungszonen beim Blautalcenter und oben am Kuhbergring. Für die Studie war der Messwagen nach Hampes Worten etwa acht Stunden auf städtischen Hauptverkehrsachsen unterwegs, für Wohngebiete sei der Aufwand zu hoch. Er analysiert insgesamt 80 000 Frequenzen, jede mit eigenem Grenzwert, und ermittelt daraus eine Gesamtfeldstärke.

Zu gesundheitlichen Folgen elektromagnetischer Strahlung äußert sich Hampe verhalten. Es sei aber klar, dass die Strahlung ähnlich wie eine Mikrowelle funktioniert und Wärmesymptome auslöst, die man auch mit dem Handy am Ohr erfährt. Dies könne Auswirkungen auf das Gewebe haben, auch Schlafstörungen und Nervschädigungen würden als negative Effekte genannt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz will zumindest gesundheitlichen Auswirkungen auf Viel-HandyTelefonierer und junge Leute nachgehen. So gibt es auch eine Diskussion über das Gefährdungspotenzial von Wlan an Schulen. Die elektromagnetische Strahlung könnte sich nach weitgefassten Annahmen auch auf die DNA auswirken und Krebs auslösen. Eine dahingehende Studie in Naila (Oberfranken) betrachtet das Bundesamt kritisch.

In Sachen Gesundheit gab es in Ulm mit dem neuen städtischen Wlan am Münsterplatz nach privaten Messungen auch Spekulationen, dort könne durch niedrig angebrachte Hotspots am Stadthaus mit hoher Sendeleistung bei Marktbeschickern, die sich dort länger aufhalten, wie im Mikrowellen-Herd das „Gehirn gegrillt“ werden. Es gab eine Anzeige. Die Bundesnetzagentur war dann mit ihrem Reutlinger Außenmesswagen vor Ort und sah keine Gefahr für die Gesundheit. Die Werte seien normal.