Ulm Wirtschaftsjournalismus: Worüber Humboldt-Schüler schreiben

Die Schüler des Humboldt-Gymnasiums haben sich ganz besonders schick gemacht, denn es geht ja auch um einen schicken Preis. Zumindest aber eine große Urkunde - überreicht von Bildungsministerin Johanna Wanka in Berlin.
Die Schüler des Humboldt-Gymnasiums haben sich ganz besonders schick gemacht, denn es geht ja auch um einen schicken Preis. Zumindest aber eine große Urkunde - überreicht von Bildungsministerin Johanna Wanka in Berlin. © Foto: Sabine Schröder
Ulm / LISA MARIA SPORRER 16.10.2014
Musikalisch, naturwissenschaftlich und jetzt auch noch journalistisch unterwegs: Schüler des Humboldt-Gymnasiums schreiben für die Frankfurter Allgemeine Zeitung - und bekamen einen Preis für ihr Engagement.

Eigentlich ist ein Parfum-Flakon beim Kauf eines Duftes so wichtig wie eine Lebensmittelverpackung bei der Entscheidung für eine der fünf Gouda-Sorten im Supermarktregal. Über Lebensmittelmarketing ist viel bekannt, über das Außenleben der Düfte, die wir täglich mit uns herumtragen, eher weniger. Bis jetzt. Denn Veronika Erika Ayerle hat nicht nur die ästhetischen Aspekte dieser unterschiedlichen Glas-Formen beleuchtet, sondern auch den wirtschaftlichen Hintergrund.

Entstanden ist daraus ein langer Artikel, veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Tageszeitung (FAZ) - und das ist etwas Besonderes für die Ulmer Schülerin. Das Humboldt-Gymnasium hatte an dem Schulprojekt "Jugend und Wirtschaft" von FAZ und dem Bundesverband deutscher Banken teilgenommen. Ein Schuljahr lang hatte dafür die 12. Klasse im Wahlfach Wirtschaft aufmerksam die FAZ gelesen, analysiert, sich Themen überlegt, recherchiert und eigene Wirtschaftsartikel verfasst. "Ziel ist dabei das Erlernen wissenschaftlicher Grundlagen verbunden mit dem Interesse und Verständnis wirtschaftlicher Themen", sagte Oberstufenberater Wolfgang Weber.

Im Jahr 2013/2014 haben insgesamt 53 Schulen mit rund 1200 Schülern an dem Projekt teilgenommen. Es gab mehr als 1500 Themenvorschläge, aus denen rund 500 Artikel erschienen sind. Allein 123 Themenvorschläge davon hatten sich die Humboldt-Schüler überlegt, 33 geschrieben und 28 überarbeitet. Sieben sind bisher in der F.A.Z. erschienen - und drei von den sieben hat Veronika Erika Ayerle geschrieben. "Das ist wirklich etwas Besonderes", betont auch der mit Lob sonst eher zurückhaltende Kurslehrer Uli Rath.

Aber auch die dreizehn anderen Schüler haben für das Projekt hart gearbeitet und viel geleistet. Vor allem die Themenfindung und die manchmal langwierige Überzeugungsarbeit, bis die Firmen den Nachwuchsjournalisten das Okay zur Berichterstattung erteilten und schließlich noch mit den Umsatzzahlen rausrückten, war schwieriges Neuland für den Wirtschaftskurs. Und erst danach begann für die Zwölftklässler die eigentliche Arbeit: die Recherche und das Schreiben. Dabei hatten sie immer die sogenannten "Killerkriterien" für guten Journalismus im Kopf: Zahlen, Daten, Fakten und O-Töne. Dazu kam die Voraussetzung, dass das beschriebene Unternehmen auch wirtschaftlich interessant ist.

Jeden ersten Donnerstag im Monat erscheint in der FAZ eine Auswahl der besten Artikel. Auch Maximilian Herolds Idee, über Sicherheitsstiefel für Feuerwehren in aller Welt zu recherchieren, kam bei den Zeitungsmachern gut an. Der Lehrer Rath, über den das Projekt auch an die Ulmer Schule kam, war überzeugt, dass seine Schüler mindestens drei bis vier Artikel insgesamt veröffentlichen können. "Meine Parole war von Anfang an: Wir fahren nach Berlin."

In Berlin nämlich hat dann die Bildungsministerin Johanna Wanka Ende September den vierzehn Humboldt-Schülern als einer der besten drei teilnehmenden Schulen des Projekts einen Preis überreicht. Einen Teil des Preisgeldes setzte der Wirtschaftskurs in der Hauptstadt gleich wieder in Bildung um. Der Rest wird in die Infrastruktur der Schule investiert, damit auch künftig die Voraussetzungen dafür gegeben sind, dass sich das Humboldt-Gymnasium in weiteren Bereichen profilieren kann.