Jetzt geht es wieder los: Die Projekte „Wir lesen junior“ und „Wir lesen mini“ sind diese Woche in eine neue Runde gestartet. Insgesamt 96 Grundschulklassen mit rund 2000 Schülerinnen und Schülern sowie 46 Kindertagesstätten mit 700 Vorschulkindern werden sich innerhalb von zwei Projektzeiträumen in den nächsten Monaten genauer mit der Zeitung und der Welt der Medien beschäftigen.
Die Kinder bekommen jeden Tag die SÜDWEST PRESSE und lernen, wie diese aufgebaut ist und entsteht. Außerdem können sich Schüler und Vorschüler selbst als Journalisten ausprobieren und eigene Artikel recherchieren und schreiben – dieses Jahr natürlich alles im Rahmen der Corona-Regeln. Vorab haben sich die Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer schon mal ein paar Anregungen zum Projekt abgeholt: per Videokonferenz mit dem „Wir lesen“-Projektteam. Wir haben mit einigen von ihnen über ihre Pläne gesprochen:
Gisa Szangolies hat vor mehr als 30 Jahren selbst mal als Schülerin in einem anderen Bundesland bei einem Zeitungsprojekt mitgemacht. „Das war 1989 – wir waren beim Fall der Mauer mit der Zeitung live dabei“, erzählt sie. Die damaligen Siebtklässler haben selbst Artikel zum Mauerfall geschrieben, „wie uns das berührt hat“. Das hat Eindruck hinterlassen. Heute ist Szangolies Lehrerin an der Grundschule Blaubeuren. Durch das „Wir lesen“-Projekt will sie ihren Viertklässlern „Freude am Lesen“ vermitteln – und Medienkompetenz, „das ist jetzt wichtiger denn je“. Als mögliches Thema hat sie Programmierung ins Auge gefasst, dazu bietet die IHK Ulm eine Recherche-Aktion an. „Ich bin digital sehr affin“, sagt die Lehrerin.

Berührungspunkte mit der Zeitung schaffen

Nicola Graßnick von der Grundschule Oberelchingen hat vor rund 15 Jahren schon mal beim Zeitungsprojekt mitgemacht. „Das habe ich in sehr guter Erinnerung.“ Dieses Jahr ist sie mit ihrer vierten Klasse wieder dabei. Sie will vor allem Berührungspunkte mit der Zeitung schaffen. „Es ist heutzutage so, dass nicht mehr jeder morgens die Zeitung auf dem Tisch hat.“ Sie freut sich, dass „Wir lesen“ trotz Corona irgendwie umgesetzt werden kann, „das ist ein Highlight zum Schuljahresende.“ Als Recherchethema findet sie Energie und Klimaschutz, was die SWU anbietet, interessant. Im vergangenen Jahr hat die Klasse sowieso das Thema Strom behandelt, „dann könnten wir das nochmal aufgreifen.“
„Von der Klasse ist bestimmt ganz viel Interesse da“, ist Anna Sandkuhl von der Grundschule Am Bleichberg Laichingen überzeugt. „Die werden ganz begeistert sein.“ Auch ihr ist Medienbildung wichtig, „dass die Kinder mit der Zeitung was anfangen können“. Kürzlich war in der Klasse der Autor von „Das wilde Uff“, Michael Petrowitz, zu Gast. Darüber würde sie mit ihren Viertklässlern gerne etwas veröffentlichen, sagt die Lehrerin – eine Art Rezension über die Buchreihe.

Ins Medium Zeitung einarbeiten

Cornelia Unglert unterrichtet an der Grundschule am Lichtacker in Tiefenbach. Sie hat mit einer Klasse vor ein paar Jahren schon mal bei „Wir lesen“ mitgemacht. „Damals haben wir den Dorfladen besucht“, erzählt sie. „Das war sehr spannend.“ Das Resultat war eine Schülerzeitung, von der Teile auch in der SÜDWEST PRESSE veröffentlicht wurden. Die Lehrerin will die Motivation zum Lesen weitergeben, dass die Kinder sich in das Medium Zeitung einarbeiten. „Auch das Haptische, wie sich das anfühlt, die Zeitung live in der Hand zu haben.“ Unglert findet einige Recherche-Themen interessant: von Programmierung über die redaktionelle Arbeit bis hin zum Klimaschutz. Letzteres würde auch gut passen, da die Klasse sich sowieso viel mit der Natur beschäftigt, es gibt sogar ein Insektenhotel an der Schule. Auf jeden Fall „möchten wir gerne was veröffentlichen“.
„Wir sind zum dritten Mal dabei, weil es einfach immer wieder spannend ist“, sagt Diana Grapke vom Kindergarten Am Waldesrand in Lonsee. Eine Kollegin habe sogar ein Reporterlied geschrieben. „Darin ist alles beschrieben, was ein Reporter tun muss, recherchieren etwa und so weiter. Das begleitet uns durch den Tag.“ Auch ein Rechercheprojekt hat die Erzieherin schon vor Augen: In Lonsee gibt es ja den Lonesee – „und wir gehen mit den Kindern der Frage nach, woher der Lonesee eigentlich sein Wasser bekommt“. Das könne zu einer Expedition zum Lonetopf führen, über die dann berichtet werden soll.

Interesse an gedruckten Medien

Erstmals dabei bei „Wir lesen“ ist Carina Spann von der Kindertagesstätte „Jona-Insel“ in Neu-Ulm. Sie sagt: „Ich habe das noch nie gemacht und bin total gespannt, was es bringt.“ Interesse an Gedrucktem sei durchaus da, viele Kinder bringen Hefte über Elsa aus dem Film „Die Eiskönigin“ oder Fachmagazine zu Traktoren mit.
Es sei wichtig, den Kindern auch die gedruckten Medien nahezubringen und sie dafür zu begeistern, meint Nina Rieger vom Gemeindekindergarten Bollingen. In der Coronazeit erlebe sie, dass manche Kinder viel Zeit vor dem Computer, der Playstation oder dem Fernseher verbringen. Der Kindergarten Bollingen war schon öfter dabei und „Wir lesen“ sei immer gut angekommen.
Nadja Hummel-Jefkai sagt, der Katholische Kindergarten „Regenbogen“ in Laichingen habe „gute Erfahrungen“ mit dem „Wir lesen“-Projekt gemacht. „Das ist immer sehr, sehr gut angekommen bei den Vorschülern.“ Alles habe immer reibungslos geklappt, lobt sie die Organisation. Die Kinder hätten auch jede Herausforderung gerne angekommen, seien im Projekt in Bewegung gekommen – etwa, als es darum ging, Buchstaben auszuschneiden oder am Ende Kanonenkugeln aus den Zeitungen zu formen. „Es ist einfach ein sehr abwechslungsreiches Projekt.“

Kinder drehen Filme

Die Kita sei zum wiederholten Mal beim Projekt dabei, sie selbst aber zum ersten Mal, sagt Lisa Völzke von der Kita Johann-Stockar-Weg in Ulm. Die Einrichtung sei sehr medienaffin, so gibt es eine kindergerechte Kamera, mit der fleißig Filme gedreht werden: Der Weg in die Kita etwa, oder der Alltag zu Hause. Das Team habe bereits das Thema für einen Bericht vor Augen: Das eigene Inklusionsprojekt, das alle Familien in das Kita-Leben einbezieht. „Und wir haben auch fest vor, Videos zu schicken.“

Unterstützung von Projektpartnern


Ohne die Unterstützung von Projektpartnern wären die Bildungsprojekte der SÜDWEST PRESSE nicht umsetzbar. Projektpartner für „Wir lesen mini“ an Kitas sind: die AOK Ulm-Biberach, die IHK Ulm und die Volks- und Raiffeisenbanken Ulm/Alb-Donau. „Wir lesen junior“ an Grundschulen wird unterstützt von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU), ebenfalls der IHK Ulm und den Volks- und Raiffeisenbanken Ulm/Alb-Donau.

Die Projektpartner bieten den Teilnehmern auch Recherche-Aktionen zu unterschiedlichen Themen an, über welche die Kinder Artikel schreiben. Die Ergebnisse sind auf der „Wir lesen“-Seite zu finden.