Wie wird man eigentlich Buchhändler? Welches Kinderbuch verkauft sich am besten? Fragen wie diese interessierten Zoe, Nora, Pauline, Kathrina, Carlotta, Julia und Emilia. Die Viertklässlerinnen der Grundschule Grimmelfingen befragten die Miteigentümerin der Aegis Buchhandlung in Söflingen, Franziska Pentz, sowie ihre Filialleiterin Felicia Kolschefsky.

Julia: Warum heißt eure Buchhandlung Aegis?

Franziska Pentz: Den Namen gibt es schon sehr lange, er kommt aus der griechischen Mythologie und bedeutet so viel wie „Schutz“ oder „Schild“. Es gibt schon eine ganz alte Buchhandlung Aegis in der Innenstadt in Ulm, und seit März sind wir hier zusätzlich in Söflingen. Neben Erwachsenenbüchern findet man bei uns vor allem besonders viele Kinder- und Jugendbücher.

Julia: Wie wird man denn überhaupt Buchhändler?

Felicia Kolschefsky: Der Beruf des Buchhändlers ist ein Ausbildungsberuf und dauert entweder zwei oder drei Jahre. Leider gibt es in Ulm keine Buchhandelsschule, deswegen haben wir unsere Ausbildung in Frankfurt beziehungsweise in Stuttgart gemacht. Für uns gibt es nichts Schöneres, als Buchhändler zu sein. Der Beruf ist unglaublich vielseitig, wir müssen zum Beispiel in vielen Bereichen vieles wissen – wer gerade in der Nationalmannschaft spielt oder welcher Politiker für welchen Bereich zuständig ist, welches Buch sich am besten verkauft und zu wem welches Buch vielleicht am besten passt. Es ist ein Beruf, der viel mit Leidenschaft zu tun hat – und wenn man Bücher liebt und gerne mit Menschen zu tun hat, dann ist es der schönste Beruf, den man haben kann. Und doch ist der Beruf des Buchhändlers bedroht: Es entscheiden sich nur noch wenige für diesen Beruf! Vielleicht liegt es daran, dass man als Buchhändler jeden Tag so viele Bücherkisten schleppen muss – das haben wir wirklich unterschätzt! Also, ins Fitnessstudio müssen wir nicht mehr!

Kathrina: Wie hieß das erste Buch, das Sie verkauft haben?

Felicia Kolschefsky: Das erste Buch, das wir hier verkauft haben, war ein Bilderbuch – und unsere erste Kundin war ein Jahr alt!

Zoe: Haben Sie als Kind auch schon gerne gelesen und wenn ja, was war als Kind Ihr Lieblingsbuch?

Felicia Kolschefsky: Auf jeden Fall! Wir haben beide schon immer gerne gelesen. Besonders in Erinnerung habe ich noch das Buch „Der kleine Wassermann“ von Otfried Preußler.
Franziska Pentz: Ja, und bei mir war es „Momo“ vom Schriftsteller Michael Ende.

Zoe: Kennen Sie viele Autoren persönlich und haben Sie vielleicht auch einen Lieblingsautor oder eine Lieblingsautorin?

Franziska Pentz: Während unserer Ausbildung hatten wir Kontakt zu vielen Autoren, die zu Lesungen kamen, auch hier in Ulm ist es toll, dass manche Autoren zu uns in die Buchhandlung kommen. Sie freuen sich nämlich, wenn sie ihr Buch bei uns im Laden stehen sehen. Mein Lieblingsautor im Moment ist eine Frau, die Dänin Tove Ditlevsen.
Felicia Kolschefsky: Bei mir ist es Benedict Wells.

Emilia: Warum sollten Kinder überhaupt Bücher lesen – lesen ist doch langweilig, oder etwa nicht?

Franziska Pentz: Also Nein! Lesen ist ÜBERHAUPT nicht langweilig, denn beim Lesen darf man seine eigenen Bilder im Kopf entstehen und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Außerdem vermitteln Bücher Wissen – man kann sich Dinge anlesen.
Felicia Kolschefsky: Na, und außerdem kann ich mir ein Buch über Neuseeland kaufen und beim Lesen im Kopf dorthin reisen, auch wenn ich gerade nicht das Geld oder die Möglichkeiten habe, wirklich nach Neuseeland zu fliegen. Die Reise im Kopf ist immer erlaubt! Mit wenig Aufwand kann ich mir so die ganze Welt ins Wohnzimmer holen.

Nora: Können Sie uns ein paar gute Kinderbücher empfehlen?

Franziska Pentz: Ihr seid ja ungefähr 9 bis 10 Jahre alt. Klassiker wie „Das kleine Gespenst“ und „Der kleine Wassermann“ sind toll, im Moment empfehlen wir gerne „Die Luftpiraten“ von Markus Orths. Absolut lesenswert sind auch unsere großen Atlanten aus dem Gestalten Verlag wie etwa der „Atlas der Tiere“ oder der „Atlas der Ozeane“. Hier wird es einem nie langweilig und man kann vieles entdecken!

Carlotta: Und welches Kinderbuch verkauft sich im Moment am besten?

Felicia Kolschefsky: Im Moment am besten verkauft sich bei uns „Die Familie von Stibitz“ – eine Gangsterfamilie, die Abenteuer erleben, und alle drei Bände sind wirklich superwitzig!

Pauline: Haben Sie Fragen an uns Kinderreporter?

Franziska Pentz: Ihr habt euch ja nun toll mit der Zeitung beschäftigt. Wusstet ihr, dass wir Buchhändler eine eigene Zeitung haben? Das „Börsenblatt“ ist eine Wochenzeitung, in der wir lesen können, was es für Neuigkeiten auf dem Buchmarkt gibt.

Zweiten Standort erst kürzlich eröffnet

„Stimmt, dazu braucht man Mumm.“ Das sagte Rasmus Schöll vor der Eröffnung seines zweiten Buchladens im März, zusammen mit Franziska Pentz: Aegis in Söflingen, neben Aegis in Ulm. Andererseits sei ihm nicht bange, Söflingen brauche eine Buchhandlung. „Der Bedarf ist da.“ Das habe er immer wieder von Kunden und Bekannten gehört.