Ulm Wilken setzt stärker auf Internationalisierung

Blick auf den Wilken-Neubau im Hörvelsinger Weg, rechts oben das neue Kongresszentrum "Ulmer Flieger". Die Fertigstellung ist im März. Foto: Matthias Kessler
Blick auf den Wilken-Neubau im Hörvelsinger Weg, rechts oben das neue Kongresszentrum "Ulmer Flieger". Die Fertigstellung ist im März. Foto: Matthias Kessler
Ulm / FRANK KÖNIG 15.02.2013
Bei Wilken setzt sich nach der Neuordnung das Wachstum fort. Der Umsatz hat erstmals die 50-Millionen-Euro-Schwelle überschritten. Folkert Wilken will künftig die Internationalisierung vorantreiben.

Der Softwarehersteller Wilken will nach der Neuordnung durch den seit 2010 amtierenden Firmenchef Folkert Wilken die Internationalisierung forcieren: "Das ist mir ein großes Anliegen." Er sieht insbesondere Potenzial in den Energie-Abrechnungssystemen, die bei Wilken für zwei Fünftel des Umsatzes stehen. Folkert Wilken zeigte sich erfreut, dass das Familienunternehmen 2012 den Umsatz um acht Prozent auf mehr als 51 Millionen Euro ausweiten konnte und damit erstmals überhaupt die 50-Millionen-Schwelle überschritten hat: "Das ist für uns schon etwas."

Die positive Entwicklung wurde von allen Geschäftsbereichen und Tochtergesellschaften getragen. An zweiter Stelle nach den Energiesystemen liegt die Software für Finanz- und Rechnungswesen mit einem Umsatzanteil von etwa einem Drittel, gefolgt von Programmen für die Sozialwirtschaft wie Kirchen und Vereine, die Wilken Entire betreut. Die Aktivitäten für den Tourismus mit Abrechnungskarten beispielsweise für das Allgäu und den Hochschwarzwald wurden bei der Wilken AG in der Schweiz konzentriert.

"Wir stehen für Abrechnungen", sagte Folkert Wilken zum Fokus des Unternehmens, das auch die weltweiten Umsätze über die vielgenutzten Lufthansa Airplus Servicekarten abrechnet. Zum Kreis der insgesamt 1500 Kunden gehören nicht zuletzt Versicherungen und Krankenkassen wie neuerdings die IKK Classic in Dresden, die, wie berichtet, für ihre fast vier Millionen Versicherten auf das Wilken-System setzt.

Ein neues Projekt ist die Tochterfirma Wilken Prozessmanagement, in der es nicht so sehr um Software geht, sondern um die Verarbeitung der Kundendaten von Versorgungsunternehmen nach dem Vertrieb. Wenn also - vielleicht bei einer Sonderaktion - neue Stromkunden gewonnen wurden, erfasst das Wilken Prozessmanagement mit Sachbearbeitern die neuen Kundendaten. Auf diese Weise ist Wilken auch für den russischen Gazprom-Konzern tätig, der auf dem deutschen Markt Fuß fassen möchte.

Die Stärke von Wilken in der Energiewirtschaft wird auch daran deutlich, dass 400 von 800 deutschen Stadtwerken auf die Ulmer setzen.

Ein sichtbares Zeichen für den Aufschwung bei Wilken ist das umfangreiche Neubauvorhaben am Stammsitz im Hörvelsinger Weg. Der erste Bauabschnitt soll bis März fertig werden, darin befindet sich auch das bereits in Betrieb gegangene Casino mit dem Catering-Service "Fleur de Cuisine". Eine Besonderheit des Gebäudes ist das eigenständige, weitläufige Konferenzzentrum auf dem Dach mit freiem Blick über das Örlinger Tal und auf Ulm. Diese Etage, genannt "Ulmer Flieger", soll als Location für Kongresse und Events vermarktet werden.

Direkt anschließend im Norden, also an der Tangente nach Böfingen, zieht Wilken den zweiten Bauabschnitt vor: Investitionsvolumen knapp drei Millionen Euro, Fertigstellung im September. "Das ist für die gesamte Software-Entwicklung", sagt Folkert Wilken, der seit endgültiger Klärung der Anteilsverhältnisse im vergangenen Jahr ohne die Belastungen des früheren Familienkonflikts agieren kann.

Mit der Ausweitung der Aktivitäten und der Neuentwicklung schlanker und prozessorientierter Anwendungen geht auch ein Ausbau der Belegschaft einher. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen 463 Mitarbeiter, darunter 350 in Ulm. Es gibt weitere Standorte in Greven, München und Sierksdorf bei Kiel.