Wilhelmsburg „Stürmt die Burg!“ – Stadt Ulm zieht Bilanz

Ulm / Christine Liebhardt 12.11.2018
„Stürmt die Burg!“, hatte die Stadt die Ulmer dieses Jahr aufgefordert. Und die kamen. Jetzt hat die Verwaltung Bilanz gezogen.

Die Burg macht etwas mit den Leuten.“ Katharina Wieder strahlt. „Man kommt durch das Tor rein und es ist so eine entschleunigte Atmosphäre. Man fühlt sich wohl.“ Schön findet sie das, dass die Ulmer ihn neu entdeckt haben, diesen Teil der Bundesfestung. Seit Juni kümmert sich Wieder bei der Sanierungstreuhand Ulm nur um eines: darum, die Entwicklung der Wilhelmsburg zu koordinieren und weiter voranzutreiben. Viel ist passiert in den vergangenen drei Jahren, hoch oben über der Stadt – Bundesfördermitteln sei dank (siehe Infokasten).

Zeit also, Bilanz zu ziehen, jetzt, wo Teil eins des Projekts „Wilhelmsburg – Die Stadt in der Festung“ dem Ende entgegengeht. Das taten die Verantwortlichen aus der Verwaltung am Freitagabend mit einer Abschlussveranstaltung auf der Burg. Eigentlich, sagte Baubürgermeister Tim von Winning, habe man ja gerade erst angefangen und die ersten Schritte gemacht. Fertig? Ist die Wilhelmsburg natürlich noch lange nicht. „Aber wir haben ganz viel gewirbelt.“ Vieles ist denn auch schon geschafft, manch’ Kleinigkeit steht noch aus.

Sieben Millionen Euro Investitionen

Die wichtigste, größte Neuerung stand gleich am Beginn des Projekts, in das die Stadt sieben Millionen Euro investiert hat: Die neue Zufahrt über eine Brücke, für die ein Loch in die Außenfassade geschlagen werden musste, war die Voraussetzung dafür, dass Baufirmen überhaupt mit schwerem Gerät in den Innenhof fahren können, um diesen herzurichten.

Dort wurden in einem Teil Betonquader verlegt. Beleuchtung und Bepflanzung fehlen noch, „aber man sieht, was entsteht“, befand von Winning. Auch ein paar der 570 Innenräume sind saniert worden: „Da liegt eine ungleich größere Aufgabe vor uns.“ Doch nicht nur Bauunternehmer rückten mit ihren Baggern an, sondern auch Künstler mit ihren Ideen. Mehr als 12 000 Besucher hat das Programm „Stürmt die Burg!“ diesen Sommer und Herbst angezogen. „Die haben gemerkt: Es macht Spaß, sich hier aufzuhalten“, freut sich der Baubürgermeister. Und inzwischen kommen auch Anfragen von Veranstaltern: „Weil der Ort etwas Außergewöhnliches hat.“

Mobilitätskonzept für die Wilhelmsburg

Etwas so Außergewöhnliches, dass die Menschen offensichtlich bereit sind, hinzukommen, obwohl das mit dem Hinkommen so eine Sache ist. Denn Parkplätze gibt es kaum, und auch an den öffentlichen Nahverkehr ist die Wilhelmsburg nicht angeschlossen. Weshalb der Shuttlebus, der Besucher immer donnerstags von der Neuen Mitte aus zu den Kunstaktionen im Pop-Up-Space gefahren hat, auch ein Experiment war. „Da hatte ich Angst, dass die Leute es nicht annehmen“, gibt Projektentwicklerin Wieder zu. Die war unbegründet, wie sich dann herausstellte. „Das ist total positiv und zeigt uns, dass die Burg angenommen wird, obwohl sie etwas schwierig zu erreichen ist.“ Trotzdem müsse man jetzt über ein Mobilitätskonzept nachdenken. Und Wieder will die bisherigen Maßnahmen auswerten: Wie lebt es sich hier? Wie kann man den Theatertrakt noch nutzen? Wie geht es weiter?

Damit dort oben eines Tages Busse nicht nur hinfahren, sondern auch wenden können, wird derzeit noch an einem Vorplatz vor dem neuen Tor gearbeitet. In manchen Ateliers und Büroräumen fehlen noch Fußleisten und Heizungen. Es sind wenige Restarbeiten, der große erste Schritt ist geschafft. Da strahlt dann auch Tim von Winning: „Das ging nur, weil alle so irrsinnig viel gearbeitet haben.“

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Stadt will weitere Fördergelder vom Bund beantragen

7 Millionen Euro standen für das Projekt „Wilhelmsburg – Die Stadt in der Festung“ von 2016 bis 2018 zur Verfügung. 4,3 Millionen gab es dafür aus dem Förderprogramm des Bundes „Nationale Projekte des Städtebaus“. Die Stadt Ulm stellte die restlichen Mittel zur Verfügung.

570 Räume gibt es in der Wilhelmsburg, dazu 30 000 Quadratmeter Fläche. Eine gewaltige Aufgabe – weshalb die Stadt sich für die Zeit von 2019 bis 2023 nochmals um Fördermittel beim Bund bewerben will. Der Gemeinderat soll der erneuten Antragstellung in seiner Sitzung am Mittwoch zustimmen.

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