Mit dem 1,3 Hektar großen Innenhof, 30.000 Quadratmetern Nutzfläche und 570 Zimmern ist die Wilhelmsburg wahrscheinlich Ulms größtes Gebäude. Weil sie aber weitgehend ungenutzt ist, wird sie auch spöttisch „Leerstandsimmobilie“ genannt. Ein Umstand, der sich jetzt ändern soll, denn am Freitagnachmittag haben die zwei zuständigen Ausschüsse für Kultur und für Stadtentwicklung des Ulmer Gemeinderats insgesamt 240.000 Euro für weitere Planungen freigegeben. Dabei geht es um die Erschließung, die Sanierung und um ein Nutzungskonzept.

Gerade was die Erschließung der Zitadelle des Ulmer Festungsgürtels anlangt, war in der Vergangenheit heftig gerungen worden. Von den verschiedenen Varianten (siehe Grafik) hat sich die Variante 3 a durchgesetzt. Sie führt über die bestehende Zufahrt zur Wilhelmsburg-Kaserne der Bundeswehr entlang des Außenwalls bis zur Ostseite der Wilhelmsburg, wo ein altes Tor wieder geöffnet und über eine Brücke angedient werden soll.

Auch das Gebäude selbst muss hergerichtet werden. Begonnen wird damit im Ostteil. Elektrik, Heizung, Sanitär – die Versorgung der Räume entspricht nicht mehr den Anforderungen einer modernen Nutzung, sie müssen daher entsprechend ertüchtigt werden. Was dann schlussendlich in dem Gebäude stattfinden soll, wird in einem Workshop mit „namhaften Teilnehmern aus den Bereichen Kultur- und Kreativwirtschaft, Tourismus und Inszenierung“ erarbeitet, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt. Der Beschluss, die Planungskosten freizugeben fiel einstimmig. Die Straße könnte 2014 und die Brücke zum Seitentor 2015 gebaut werden.

Visionen sind nach einem geflügelten Wort von OB Ivo Gönner („Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“) nicht gerade beliebt im Ulmer Gemeinderat. Bei der Aussicht einer belebten Wilhelmsburg gerieten die Gemeinderäte aber ins Schwärmen. Von einem in Europa „einzigartigen Juwel“ sprach Herbert Dörfler (CDU), einem Kulturgut, das zu wenig genutzt werde.

Birgit Schäfer-Oelmayer schwärmte von einem „phantastischen Abend“ bei der Premiere des Theatersommers am Sonntag vor einer Woche und sagte die „150-prozentige Zustimmung“ der Grünen zu. Dorothee Kühne (SPD) lobte den Förderkreis Bundesfestung in höchsten Tönen, und Helga Malischewski wollte für sich gar in Anspruch nehmen, die erste gewesen zu sein, die das Potenzial der Wilhelmsburg erkannt habe.

Sie widersprach ihrer Kollegin Kühne von der SPD, die dies zuvor für ihre Fraktion reklamiert hatte. Malischewski hat nach eigenen Angaben vor 20 Jahren ihren 50. Geburtstag in der Burg gefeiert und habe damit noch vor Rivoir den Grundstein gelegt. Eine Aussage, die Herbert Dörfler auf den Plan rief, der an das Stadtqualitätsprogramm aus der Ära Ludwig erinnerte, was noch früher gewesen sei.

Kulturbürgermeisterin Iris Mann nahm den internen Wettkampf gelassen und freute sich, dass die Anteilnahme an dem Projekt so groß ist. Es gebe noch viele Möglichkeiten in den kommenden Jahren, sich um die Wilhelmsburg verdient zu machen, rief sie alle dazu auf.