Kaum ein anderes Thema lässt die Emotionen in Kommentarspalten derart hochkochen wie die Diskussion um Wildtiere im Zirkus. Nicht nur hartgesottene Tierschützer lehnen die Zurschaustellung von Elefanten, Löwen oder Seehunden unter der Zeltkuppel seit Jahren ab – auch immer mehr Kommunen schließen sich dieser Meinung an.

So hat 2016 auch die Stadt Ulm ein Wildtierverbot verhängt, das Zirkusunternehmen die Zurschaustellung von eben solchen Tieren untersagt.

Circus Krone will Wildtierverbot nicht akzeptieren

Der weltbekannte Circus Krone will das aber nicht akzeptieren. Das Zirkusunternehmen hat beim Verwaltungsgericht Sigmaringen am 13. September 2019 in einem Eilverfahren einen Beschluss erwirkt, wonach die Stadt Ulm verpflichtet sein soll, dem Zirkus die Friedrichsau im April 2020 für sein Gastspiel mit Wildtieren zur Verfügung zu stellen. Das Gericht ist der Meinung, dass ein Wildtierverbot den Zirkusbetrieben die Grundlage für ihre Berufsausübung entzieht.

Stadt Ulm zieht für Wildtierverbot vor Verwaltungsgericht

Die Stadt Ulm widerum sieht sich durch den Beschluss massiv in ihrer kommunalen Gestaltungsfreiheit eingeschränkt, teilt sie mit. Ein Auftritt von Circus Krone in Ulm sei grundsätzlich möglich. Aber eben ohne Wildtiere. Die Verwaltung hat deshalb jetzt entschieden, Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg einzulegen.

Die Rechtsstelle der Ulmer Verwaltung sieht die Rechtslage keineswegs als so eindeutig: „Bundesweit sind zu den kommunalen Wildtierverboten unterschiedliche Gerichtsentscheidungen ergangen. Die Verwaltungsgerichte München und Berlin halten kommunale Wildtierverbote für zulässig; andere sehen die Berufsfreiheit verletzt. Weder der Verwaltungsgerichtshof für Baden-Württemberg noch das Bundesverwaltungsgericht haben bis dato in diesem rechtlich komplexen Thema eine für Städte und Gemeinden verbindliche Entscheidung gefällt“, heißt es dazu in der Mitteilung abschließend.

Circus Krone ist überzeugt: Wir werden Recht bekommen

Circus Krone sieht einer erneuten Gerichtsentscheidung gelassen entgegen: „Wir haben bisher in allen unseren Verfahren von den Gerichten Recht bekommen“, sagt Harald Ortlepp, Tourneeplaner von Circus Krone, zu seiner Einschätzung des laufenden Verfahrens.

Das Münchner Zirkusunternehmen stehe für „große Tiernummern“. Es gebe auch andere Zirkuskonzepte, die komplett auf Tiere verzichteten, aber das sei bei Krone anders: „Wo Nutella draufsteht, muss auch Nutella drin sein“, meinte Ortlepp bezüglich der Erwartungen des Publikums. Überdies habe Krone viel Erfahrung in der Haltung von Tieren. Zum Bestand gehören auch fünf Elefanten sowie 26 Löwen und Tiger. „Wir haben einmal die Woche das Veterinäramt auf dem Hof und sind damit wohl der am besten kontrollierte Tierbetrieb in Deutschland.“ Ein artgerechter Umgang mit den Tieren sie für Krone selbstverständlich.

Die juristischen Auseinandersetzungen um Zirkusgastspiele „machen uns auch keinen Spaß“, betonte Ortlepp. Und mit der jetzigen Verfügung des Ulmer OB mitten im Klageverfahren sei auch eine neue Stufe erreicht: „Aber das sollen die Gerichte klären.“

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Keine eindeutige Entscheidung


Bundesweit sind zu den kommunalen Wildtierverboten unterschiedliche Gerichtsentscheidungen ergangen. Das Verwaltungsgericht München (M 17 K 13.2449) und das VG Berlin (VG 1 L 233.19) halten kommunale Wildtierverbote für zulässig, andere Verwaltungsgerichte sehen die Berufsfreiheit verletzt. Weder der Verwaltungsgerichtshof für Baden-Württemberg noch das Bundesverwaltungsgericht haben bis dato in diesem rechtlich komplexen Thema eine für Städte und Gemeinden verbindliche Entscheidung gefällt.