Jungingen Wildpinkler und ein verschwundener Weg

Jungingen / LISA MARIA SPORRER 12.04.2014
Nicht viel zu meckern gabs im Ulmer Norden: Dort hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Nur das Wildpinkeln stinkt den Anwohnern.

Schon im ersten Beitrag ging es um Grundbedürfnisse: Nicht nur die Busfahrer der Linie 7, die in Jungingen endet, verrichteten aus dem Bus heraus ihre Notdurft - auch Hunde und Durchreisende benutzten den Stadtteil als Toilette. "Diese Pinkelei verstänkert nicht nur unsere Gehwege, sondern auch unsere Grundstücke", beschwerte sich ein Anwohner während des Ausspracheabends mit OB Ivo Gönner.

Matthias Einmahl, Vertreter der Stadtwerke, wies in diesem Zusammenhang nicht nur auf die vergebliche Suche nach einem Platz für ein offizielles Örtchen im Ort hin, sondern auch auf die vorhandene Möglichkeit, an der entgegengesetzten Endhaltestelle am städtischen Willy-Brandt-Platz die Toiletten zu benutzen. Wobei, warf umgehend Ivo Gönner ein, man könne einen Fahrer doch nicht zu dem Gedanken nötigen: "Fahr schneller zum Willy-Brandt-Platz, damit ich pieseln kann." Der OB regte an, erneut nach einem Platz für eine Toilette in Jungingen zu suchen.

Im vierjährigen Turnus finden die Aussprachen in Form von Bürgerversammlungen statt, und seit 2010 habe sich viel getan, befand der Stadtrat und ehemalige Ortschaftsrat Gerhard Bühler (FWG). "Der Gemeinderat weiß, was er an Jungingen hat, und er zeigt sich bei wichtigen Themen auch immer gesprächsbereit", sagte er. Das Baugebiet "Auf dem Hart", der Neubau der Kindertagesstätte, die neue Ortsmitte und der Kreisverkehr in Jungingen-Lehr: Das alles seien Erfolge der vergangenen Jahre. Und auch Ivo Gönner lobte den Stadtteil als einen sehr attraktiven Ort, mit gut verteilten Altersgruppen. Bei den sozialen Einrichtungen wie Kita, Schule, dem Sportverein und der freiwilligen Feuerwehr gebe es keine Probleme. Auch die Arbeitslage sei durch die nahe gelegene Wissenschaftsstadt und die angrenzenden Gewerbegebiete garantiert. Jungingen sei schließlich kein Hotel, für das man im Rathaus seine Wünsche abgebe. Vielmehr habe man im Ort den qualitativen Schritt vom Einwohner zum Bewohner und einer aktiven Bürgerschaft vollzogen.

So gab es im Wesentlichen nicht viel zu meckern: Man solle auch versuchen die alten Viertel und nicht nur die Neubaugebiete attraktiv und kinderfreundlich zu gestalten, forderte eine Mutter von zwei Kindern. Und auch die Straße nach Haslach, da waren sich alle einig, sei ein Endlos-Thema. "Das ist eigentlich keine Straße", sagte ein Bewohner, "sondern eine Buckelpiste. Sie ist eine Schande für die Stadt." Woraufhin Ivo Gönner antwortete: "Ich verkünde hiermit offiziell: Die Straße wird gerichtet." Außerdem, bemerkte der Mann noch, sei "über Nacht und Nebel ein geteerter Feldweg einfach verschwunden". Auch darüber gab es umgehend Aufklärung: Der entsprechende Weg ist dem zweiten Bauabschnitt "Auf dem Hart" zum Opfer gefallen.

Solche Aussprachen, sagte Gönner abschließend, seien "ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft". Und bezogen auf die anstehenden Kommunalwahlen am 25. Mai warnte er: "Nicht zur Wahl zu gehen, ist ein fahrlässiger Umgang mit unseren demokratischen Gepflogenheiten. Wer nicht zur Wahl geht, braucht hinterher auch nicht zu goschen."