Ulm Wildpinkelei: Veranstalter und Stadt wollen Problem eindämmen

Der Schwörmontag steht vor der Tür: An diesem Tag pinkeln besonders viele unkontrolliert in alle Ecken des Münsters und in der Stadt.
Der Schwörmontag steht vor der Tür: An diesem Tag pinkeln besonders viele unkontrolliert in alle Ecken des Münsters und in der Stadt. © Foto: Volkmar Könneke
ULRIKE SCHLEICHER 14.07.2016
Um die Schäden durch Wildpinkler am Münster und in der Stadt einzudämmen, haben sich die Stadt und Veranstalter auf mehrere Maßnahmen geeinigt.

Das Münster als Kloake. Es ist noch nicht lange her, als Münsterbaumeister Michael Hilbert die unappetitlichen Zustände am und um das Ulmer Münster so drastisch beschrieb. Seitdem ist das Problem mit der so genannten Wildpinkelei ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. CDU- und Grünen-Fraktion im Ulmer Gemeinderat stellten beispielsweise Anträge:  mehr Kontrollen, Absperrungen, Kameras, eine stärkere Präsenz der Ordnungskräfte und eine maßvolle Anhebung der Bußgelder wurden vorgeschlagen. Das Problem bestehe im Übrigen nicht nur am Münster, sondern in der gesamten Innenstadt, weil es an öffentlich zugänglichen Toiletten fehle: Ulm brauche mehr davon, so beispielsweise die Grünen.

Nun steht das Schwörwochenende vor der Tür. Für Hilbert neben Weihnachtsmarkt und Kleinbrauermarkt einer der negativen Höhepunkte im Jahr hinsichtlich der Wildpinkelei: „Da gibt’s kein Halten mehr.“  Das habe er bei einem Gespräch mit der Ulmesse, dem Einzelhandelsverband Ulmer City Marketing sowie der Stadt vor einiger Zeit nochmals deutlich gemacht, sagt Hilbert auf Anfrage.

„Natürlich legen wir jetzt ein größeres Augenmerk auf diese Sache“, sagt Reiner Türke, Leiter des Ulmer Ordnungsamtes, auf Anfrage. Zunächst habe ja die Stadtverwaltung reagiert. So ist das Bußgeld für Pinkler, die auf frischer Tat ertappt werden, von 50 auf 100 Euro erhöht worden, die Zahl der Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes wurde auf sechs erhöht.

„Sie werden am Schwörwochenende und auch bei den anderen Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt auf Streife sein und sich mit den Security-Mitarbeitern der Veranstalter abstimmen“, sagt Türke. Jeweils ein Ansprechpartner werde dafür benannt. Einen besonderen  personellen Schutz fürs Münster gebe es nicht. „Unsere Mitarbeiter sind für die ganze Innenstadt verantwortlich.“ Eine Streife werde immer wieder am Münster vorbeigehen.

Türke sieht für das Schwörwochenende den Montag als Brennpunkt, für das Konzert am Sonntag gelten andere gesetzliche Bestimmungen. Veranstalter Carlheinz Gern stellt an diesem Tag innerhalb des Zaunes 70 Dixie-Toiletten für 7000 Konzertbesucher auf. „20 mehr als vorgeschrieben“, sagt er. Am Montag müssen Gastronomen mit Außenbewirtschaftung Toiletten bereit stellen. Mehr solcher chemischen Toiletten am Schwörwochenende auch in der Innenstadt aufzustellen – davon hält Türke nichts. „Bei Nacht sieht man da nichts. Sie sind schnell verunreinigt und werden beschädigt.“  Wildpinkeln sei das ganze Jahr ein Problem. Hilbert habe es zurecht thematisiert. Zur Verbesserung der Situation gehörten mehr öffentliche Toiletten: „Es kommen ja auch immer mehr Touristen.“

Für Baubürgermeister Tim von Winning ist das jedoch kein Königsweg. „Klar, zum einen wird der Bedarf steigen, weil es immer mehr ältere Menschen gibt.“ Deshalb seien öffentliche Toiletten ein Teil der Stadtplanung. Aber: „Sie kosten viel Unterhalt und sind stets ein Ziel von Vandalismus.“ Vor allem aber glaubt von Winning nicht, dass eine bessere Infrastruktur „diese ignoranten und hemmungslosen Menschen“ von ihrem Tun abhält.

Als eine Stoßrichtung könne er sich die Wiederbelebung der Aktion „Die nette Toilette“ vorstellen, bei der Gastronomen ihre stillen Örtchen zur Verfügung stellen. Außerdem weist er auf die Tiefgaragen hin, die rund um die Uhr Möglichkeiten bieten.  Trotzdem sieht der Baubürgermeister eine Notwendigkeit: „Das Thema muss nochmal auf den Tisch.“

Hilbert ist mit den Maßnahmen erst einmal zufrieden: „Hört sich gut an. Mal sehen, was draus wird.“  Für den 54-Jährigen endet das Problem nicht an den Mauern des Münsters. „Auswüchse bei diesen Festen finden überall statt und haben zugenommen.“ Dass er recht hat, sieht man auch daran: Die Sendung Terra X im ZDF beleuchtet das Thema grundsätzlich, nimmt Ulm als Beispiel und kommt zum Dreh.

Konzept für Weihnachtsmarkt

Schutz  
Laut Jürgen Eilts, Chef der Ulmesse, soll beim Weihnachtsmarkt einiges anders werden. Zum Schutz des Münsters würden ansehnliche Absperrungen in die Nischen des Gebäudes gestellt und beleuchtet. Zudem stünden mehr Toiletten zur Verfügung, 25 insgesamt, die mit Reinigungskräften besetzt werden. Der Weg dorthin solle gut beschildert und ausgeleuchtet werden. Die Benutzung koste 70 Cent. „Wir überlegen jedoch, ob wir eine Vergütung an den Ständen gewähren“, sagt Eilts. Ähnlich wie in Raststätten. Natürlich müssten die Marktbeschicker mitmachen. Eilts plädiert dafür, dass die Stadt allen Veranstaltern die gleichen Auflagen erteilt. „Egal ob Narrensprung, Brauerfest oder Public Viewing.“ Verhindern könne man Wildpinkelei sicher nicht völlig, aber eindämmen.