Ulm Wie viel "bio" im Siegel steckt

Ulm / MAIKE WOYDT 25.02.2013
Deutschland hat seinen nächsten Lebensmittelskandal: In Norddeutschland sind Millionen von Eiern als Bio-Eier gekennzeichnet worden, ohne die dafür gültigen Standards zu erfüllen. Doch welche Richtlinien gibt es und was muss gegeben sein, um Eier als bio verkaufen zu dürfen?
Wie der "Spiegel" berichtet, sind in den vergangenen Jahren eventuell Millionen Hühnereier als Bio- oder Freilandware verkauft worden, obwohl die Hennen auf engstem Raum gehalten wurden. Der Verbraucher wurde getäuscht: Wo "bio" drauf stand, war nicht "bio" drin. Welches Bio-Siegel auf der Verpackung des jeweiligen Produkts prangt, ist davon abhängig, welche Standards der Landwirt einhalten will und kann. Dabei gibt es verschiedene Institutionen, die die Siegel vergeben. Wir haben die wichtigsten zusammengefasst:

EU-Richtlinien und deutsches Bio-Siegel
2010 hat die EU geregelt, welche Standards Lebensmittel erfüllen müssen, um ein Bio-Siegel zu bekommen. Bei der Legehennenhaltung gilt:
  • nicht mehr als 580 Tiere auf einem Hektar Fläche,
  • nicht mehr als sechs Hennen  pro Quadratmeter Stallfläche
  • maximal sieben Hennen teilen sich ein Nest
  • jedem Tier stehen 18 Zentimeter auf einer Sitzstange zu
  • beim Außenauslauf sind für jedes Huhn etwa vier Quadratmeter Fläche vorgesehen
  • die Futtermittel stammen aus biologischem Anbau,
  • auch die dafür verwendeten Düngemittel unterliegen strengen Kontrollen
  • Verzicht auf Gentechnik
Dennoch kritisieren Verbraucherschützer das EU-Siegel, da es nicht so streng ist wie das deutsche Bio-Siegel. Dieses wurde vor bereits zwölf Jahren eingeführt. Es hat dieselben Standards wie die EU, darüber hinaus müssen auch auf chemisch-synthetische Spritzmittel für das Hühnerfutter verzichtet werden.

Deutsche Verbandssiegel
Neben dem europäischen- und dem deutschen Bio-Siegel gibt es noch eine Vielzahl weiterer Verbandssiegel, die eigene Bio-Standards vorschreiben.

Demeter:
Demeter hat strengere Regeln als das Bio-Siegel: 
  • nicht mehr als 3000 Tiere in einem Stallkomplex
  • pro Quadratmeter sind vier Tiere zulässig
  • Dunkelphasen im Stall sollten etwa acht Stunden andauern
  • spezielle Lampen müssen verwendet werden
  • ein Drittel des Stalls muss als Scharrfläche zur Verfügung stehen
  • jedem Tier sollten zehn Zentimeter an einer mechanischen Fütterungsanlage zu Verfügung stehen
  • 50 Prozent des Futters stammt von einem Demeterhof
  • konventionelles Futter ist gar nicht erlaubt
Der entscheidenste Unterschied zur Bio-Landwirtschaft: Der Landwirt muss den kompletten Hof auf Demeter umstellen, sodass sich dieser selber versorgen kann. Bei Bio-Höfen hingegen sind teilweise Umstellungen möglich.

Bioland:
Die Bioland-Betriebe bauen in Kreislaufwirtschaft an. Dabei wird vollkommen auf synthetische Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger verzichtet. Auch die artgerechte Haltung von Nutztieren ist ein wichtiger Bestandteil in den Richtlinien. Die Unterbringung der Hennen ist in Bodenhaltung oder Volierensystemen vorgesehen. An der Stallgröße und den Außenflächen orientiert sich die Bioland-Verordnung an den EU-Richtlinien. Diese werden noch um einige differenzierte Anweisungen bezüglich der Unterbringung erweitert, zum Beispiel durch den sogenannten überdachten Außenbereich, aber auch bezüglich des Einstreus gibt es genauere Bestimmungen.