Blauäugig ist niemand. Und außerdem kam die Krise in Griechenland ja nicht über Nacht. Deshalb sind die Betriebe in der Region, die Handelsbeziehungen zu dem Land unterhalten, gut vorbereitet. Das sagt Karl Schick, Leiter der Abteilung Internationales bei der Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK).

So hätten sich einige Firmen angesichts der unsicheren Zukunft des Landes schlichtweg aus den Geschäften zurückgezogen. „Andere lassen die Liquidität ihrer griechischen Geschäftspartner prüfen, bevor sie einen Vertrag unterzeichnen. Und wieder andere lassen zurzeit keine Waren mehr vom Hof.“ So zum Beispiel im Bereich Maschinenbau. Oft würden keine neuen Geräte mehr geliefert, sondern nur noch Ersatzteile für die bestehenden.

Oder die Unternehmen sicherten sich ab, sagt Schick: durch Vorkasse, Versicherungen und Betriebsstrukturen, die ohnehin eventuelle Verluste auffangen. Das ist bei Magirus Deutz der Fall. Das Unternehmen, das weltweit Feuerwehrlöschfahrzeuge liefert, wickelt derzeit einen Auftrag mit Griechenland ab. „Es handelt sich um 30 kleine Feuerwehrlöschfahrzeuge, die sich auf dem Weg ins Land befinden“, informiert Pressesprecher Tobias Knebel auf Anfrage. Handelspartner ist nicht der griechische Staat, sondern eine Händlervertretung von Magirus vor Ort. „Sie übernimmt die Bezahlung.“ Das sei natürlich ein Vorteil.

Anderen wie der Schapfenmühle in Jungingen helfen persönliche Bindungen, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Sie liefert Mehle, Flocken und Backmischungen nach Griechenland. „Wir haben dort einen langjährigen Hauptkunden – ebenfalls einen Müller“, sagt Matthias Jäckle, Leiter der Abteilung für Exporte. Die Situation sei heikel, weil sich die Warenkreditversicherung der Schapfenmühle, die bei Zahlungsausfall des Kunden einspringt, aktuell zurückgezogen habe. „Das muss natürlich bedacht werden.“ Trotzdem läuft das Geschäft noch in ruhigen Bahnen. „Wir haben engen Kontakt und reden miteinander, um Lösungen zu finden“, beschreibt es Jäckle.

Auch beim Motorenölhersteller Liqui Moly läuft das Geschäft in Griechenland in ruhigen Bahnen, sagt Pressesprecher Tobias Gerstlauer. Das Unternehmen liefert die gesamte Produktpalette und freut sich sogar über einen Umsatzzuwachs in den ersten fünf Monaten des Jahres um 50 Prozent. Man denke momentan weder daran, Vorkasse vom langjährigen Vertriebspartner in Athen zu verlangen noch an andere Maßnahmen. „Wir stehen zu ihm.“ Allerdings liefert Liqui Moly auch keine Waren derzeit: „Die Lager sind voll, das Land ist völlig gelähmt. Alles, was wir tun können, ist abwarten, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln.“

Kein Problem hat auch die Traditionsfirma Seeberger, die gesalzene Kürbiskerne aus Griechenland bezieht. Vom langjährigen Geschäftspartner – ein mittelständisches Unternehmen – habe man bislang nichts Beunruhigendes gehört, sagt Joachim Mann, Leiter der Marketingabteilung. Dass es noch viele solcher solide arbeitenden Firmen in Griechenland gibt, weiß auch Jäckle von der Schapfenmühle. „Da sitzen ausgezeichnet ausgebildete und professionelle Leute. Es ist schade, wenn das Negative nun über einen Kamm geschert wird.“
 

Reisen nach Greichenland, Stonierungen für Tunesien

Tourismus Offensichtlich lassen sich die Ulmer von den dramatischen Entwicklungen und der unübersichtlichen Zukunft Griechenlands nicht irritieren. Nach Auskunft mehrerer Ulmer Reisebüros gibt es keine Stornierungen. Allenfalls fragten die Kunden vereinzelt nach, wie sie am besten bezahlen sollen. Nur wer aktuell noch buche, entscheide sich zum Teil gegen das Land als Urlaubsort, sagte etwa Julia Rimland vom Tui-Reisebüro. Anders liegt der Fall bei Tunesien. Hier verzeichnen die Veranstalter hohe Umbuchungszahlen.