Kritiker dieser Art von Forschung, Entwicklung und industrieller Produktion sprechen von einer Rüstungsschmiede. Fakt ist, dass Ulm seit 1955 ein Schwerpunkt in der Radartechnik ist, die nicht nur zivilen, sondern auch militärischen Zwecken dient. Im Unternehmen Airbus Defence and Space ist an diese 60 Jahre währende Tradition erinnert worden, auch der Ulmer OB Ivo Gönner gratulierte.

Am Anfang stand die Entscheidung der damaligen Telefunken, ihre Hochfrequenz-Aktivitäten nach dem Zweiten Weltkrieg in Ulm wieder aufzubauen, teilt das daraus hervorgegangene Unternehmen mit dem heutigen Namen Airbus Defence and Space mit. Dies geschah, nachdem die Alliierten 1955 Beschränkungen ein Ende gesetzt hatten und am Standort in der Sedan- und Wörthstraße mit Radar-Eigenentwicklungen begonnen werden konnte.

Seit dieser Zeit hat sich Ulm unter wechselnden Firmennamen - von AEG-Telefunken über Dasa und EADS bis zu Cassidian und nun eben Airbus Defence and Space - eine führende Position in der internationalen Radartechnik erarbeitet. "Ohne Radar wäre der Flugverkehr in der heutigen Form und Dichte nicht möglich", sagt Rolf Wirtz, Standortleiter von Airbus Defence and Space in Ulm. "Die Produkte unserer Ingenieure sind auch international gefragt, so dass wir mit unserem wirtschaftlichen Erfolg eine wichtige Kerntechnologie in Deutschland sichern."

In jüngster Zeit war das Unternehmen unter anderem beteiligt am neuen Radar des Eurofighter, an der Ausrüstung der neuen Küstenkampfschiffe der US-Marine mit einem Schiffsradar der ganz neuen Generation, an der Entwicklung eines emissionsfreien, so genannten Passivradars. Ein Hauptprodukt am Standort Ulm, das Flugsicherungsradar ASR, wird in Deutschland, der Schweiz und Kanada eingesetzt und hat einen Auftrag aus der Asien-Pazifik-Region erhalten.

Die Ulmer Entwickler waren von Beginn an an allen wichtigen Radarprojekten in Deutschland und später an multinationalen Kooperationen beteiligt: ob Bordradar von Starfighter, Tornado oder Eurofighter, ob Schiffs- und Luftverteidigungsradare der Bundeswehr, ob Radare für Satelliten und Flugsicherungsanlagen, heißt es in einer Firmenverlautbarung.

In Ulm sei der Technologiesprung von der analogen zur digitalen Radartechnik und vom Röhren- zum Halbleitersender vorangetrieben worden. Für die neueste Radartechnologie der elektronischen Strahlsteuerung werde am Standort Ulm mit der so genannten "Microwave Factory" die größte automatisierte Fertigungslinie in Europa für Hochfrequenzmodule betrieben.

2500 Mitarbeiter

Die Arbeitsplätze In Ulm beschäftigt Airbus Defence and Space aktuell rund 2500 Mitarbeiter. Es handelt sich vorwiegend um hoch qualifizierte Arbeitskräfte, die komplexe Sicherheitselektronik - Radare, elektronische Schutzsysteme und Digitalfunksysteme - entwickeln und fertigen. Beim Großteil der Mitarbeiter handelt es sich um Ingenieure der Fachrichtungen Nachrichtentechnik und Elektrotechnik.

Das Unternehmen Airbus Defence and Space ist eine Division des Airbus-Konzerns, die aus der Zusammenlegung der Geschäftsaktivitäten von Cassidian, Astrium und Airbus Military entstanden ist. Die neue Division erzielt nach eigenen Angaben mit insgesamt 38.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 13 Milliarden Euro.