Ulm Wie schaffen wir das?

Ulm / ULRIKE SCHLEICHER 17.09.2016
Es läuft einiges schief rund um das Thema Flüchtlinge. Aber nicht alles. Diese Bilanz zogen Teilnehmer einer Diskussionsveranstaltung der SPD.

Wie es an der Basis läuft –  für Bundestagsabgeordnete ist das wichtig zu wissen. Umso mehr, wenn es sich um das Thema Flüchtlinge handelt. Bekanntlich wird der Großteil der Arbeit eben genau an der Basis geleistet, nämlich von vielen Ehrenamtlichen. Diese sowie SPD-Mitglieder und viele andere haben an der Diskussionsveranstaltung „Herausforderungen der Flüchtlingspolitik“ im Ulmer Ratskeller teilgenommen.

Eingeladen hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Matheis, die zunächst mal Fehler seitens der Regierungskoalition eingestand. Zum Beispiel beim Thema Registrierung – „manche sind gar nicht, manche doppelt registriert“. Solche Pannen und auch dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) die Erwartungen nicht erfülle, hätten unter anderem Ressentiments in der gesellschaftlichen Debatte über Flüchtlinge geschürt.

Die positive Botschaft: In vielen Kommunen läuft die Flüchtlingsarbeit sehr gut. Helferkreise, Vereine und Verbände haben nicht nur die erste Versorgung der Menschen vor einem Jahr übernommen, sondern begleiten sie jetzt auch bei der Integration. Ein langwieriger Prozess.  Wie Schulen und Kommunen damit umgehen, berichteten etwa Lehrer und Flüchtlingshelfer. Darunter auch Wolfgang Erler, neuer Vorsitzender des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau.

Der seit langem bestehende Verein kümmert sich jetzt etwa um Wohnungen für die Geflüchteten. „Es ist nicht einfach, aber trotzdem erreichen wir immer wieder etwas“, sagte Erler. Was Integration angehe, so sei der Kontakt zueinander ein wichtiger Bestandteil. „Unsere Werte werden ja nicht dadurch vermittelt, dass das Grundgesetz gelesen wird, sondern im Miteinander.“ Von der Politik wünsche er sich, „weniger kopfloses Reagieren, das sich in Form von Abschreckung äußert.“ Am schlimmsten sei das Warten für die Menschen, sagte Rechtsanwalt Lothar Klatt, der mit vielen anderen Juristen das Asylcafé montags im Haus der Begegnung organisiert. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie beschäftigt sind.“ Etwa durch Sprachkurse, die in Ulm auch Menschen bekommen, die noch nicht im Verfahren sind. Und natürlich durch Schulunterricht und Arbeit. Bei der Rechtsberatung gehe es oft um Familienzusammenführung, die elend lange dauere. Auch die beengte Wohnsituation in den Unterkünften sei für die meist traumatisierten Menschen schwierig.

Trotz noch bestehender Probleme, auch bürokratischer Natur, habe sich jedoch in Deutschland viel bewegt, so das Fazit der Teilnehmer. „Es gibt viele positive Botschaften, die Mut machen“, sagte Hilde Matheis.

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