Vegan Wie meine Familie auf das Vegan-Experiment reagiert

Selbst die Tochter des Autors interessiert sich für die vegane Küche.
Selbst die Tochter des Autors interessiert sich für die vegane Küche. © Foto: Uwe Keuerleber
Ulm / UWE KEUERLEBER 25.02.2013
"Musst du nun verhungern?", war die beängstigende Frage meiner jüngsten Tochter, als sie erfuhr, dass ich mich die nächsten 40 Tage vegan ernähre. Nach kurzer Aufklärung was ich alles essen darf, war sie beruhigt und neugierig zugleich.
Nein, wir besitzen keine zwei Kühlschränke. Mein Tofu liegt gemeinsam mit dem Käse, der Wurst und der Milch im Kühlfach. Solange alles verpackt oder in Dosen ist, habe ich kein Problem damit und die Familie auch nicht. Seit einiger Zeit musste ich allerdings feststellen, dass mein Sojajoghurt oder der vegane Brotaufstrich deutlich abgenommen hat, ebenso ist der Nachschub an Wurst- oder Fleischwaren drastisch zurückgegangen. Der Grund dafür ist sicherlich meine momentane Ernährung und die mir entgegengebrachte Solidarität von Frau und Töchtern. Statt Spaghetti Bolognese gibt es auf einmal Pasta mit Röstgemüse, für mich natürlich vegan, mit Parmesan für die Familie.

Interesse an Ernährung
Erstaunlich, wie sich plötzlich jeder für meine Ernährung interessiert, nicht nur in der Familie. Auch im Bekanntenkreis hat man bereits Notiz von meiner Umstellung auf vegan genommen. Von bemitleidenswert bis beneidenswert reicht die Palette. Natürlich bleiben Kommentare nicht aus. "Spätestens nach einer Woche wirst du Lust auf Fleisch bekommen," meint ein Freund. Ein anderer würde lieber auf Alkohol verzichten, als sich nur von Grünzeug zu ernähren. Ganz anders in der Familie. Seit Tagen füllen sich Schränke und Regale mit Produkten von dessen Existenz keiner von uns vorher wusste. Veganismus ist ansteckend, aber gesund, stelle ich fest. Nie wäre meine Tochter auf die Idee gekommen, Trockenfrüchte statt Gummibärchen zu essen, oder dass sie Mandelmilch köstlicher findet als haltbare Milch aus dem Supermarkt. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Experiment so neugierig macht.

Neues wird ausprobiert
Nicht nur dass sich unser Sortiment an Lebensmitteln erweitert hat, neuerdings stehen neben den Fisch-, Fleisch und vegetarischen Kochbüchern auch Bücher über die vegane Küche im Bücherregal. Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Rezepte beginnt. Speisen werden ausprobiert, von denen keiner in der Familie gedacht hat, dass sie ganz ohne tierische Produkte wie Milch oder Eier herzustellen sind. Käsekuchen aus Seidentofu, Sojamilch und Puddingpulver schmeckt genauso gut wie herkömmlicher Kuchen. Ganz vegan will sich meine Familie nicht ernähren, wenn es um Käse, Quark und Joghurt geht, doch werden diese Lebensmittel viel bewusster eingekauft. 

Fazit nach 15 Tagen
Auch wenn ich momentan vegan lebe, habe ich nicht vor, meine Familie zu missionieren. Schon alleine die Tatsache, sich mit dem Essen zu beschäftigen, ist eine ganz neue Erfahrung. Was nicht heißen soll, dass wir uns vorher keine Gedanken über Lebensmittel gemacht hätten. Wir haben schon auf Ausgewogenheit und Herkunft geachtet. Natürlich gab es auch Tage, an denen es schnell gehen musste und nicht viel Zeit zum Kochen blieb. Da gab es dann schon mal Tiefkühlpizza. Doch seit 15 Tagen gab es weder Tiefkühlkost noch Fastfood. Ein Reisbrei mit Kokosmilch ist fast genauso schnell zubereitet wie eine Fertigpizza im Backofen. Auch meine jüngste Tochter ist nun davon überzeugt, dass man keinesfalls verhungern muss, wenn man sich vegan ernährt.