Ulm Wie froh wir sind, dass es sie gab

Der Knef respektvoll angenähert: Tini Prüfert.
Der Knef respektvoll angenähert: Tini Prüfert. © Foto: Katarina von Studnitz
Ulm / MAGDI ABOUL-KHEIR 13.04.2015
"Von nun an ging's bergab": So beginnt er, der Knef-Abend in der Podium-Bar. Aber bergab geht's gar nicht - Tini Prüfert und ihre Mitstreiter unterhalten zwei Stunden lang bestens mit Liedern und Gedanken.

"Gib mir Antwort . . . gib mir Antwort . . .", singt die Knef, die echte, ganz am Schluss vom Band, wunderschön ins Nichts verhallend.

"Wer war froh, dass es dich gab?", heißt das Lied, drei Jahre vor ihrem Tod geschrieben, als Deutschland längst verstanden hatte, wie gut es ist, dass es Hildegard Knef gab.

Eine Antwort, die versucht der Liederabend "Zu müde, um schlafen zu gehn" in der Podium-Bar auch zu geben: auf die Frage, wer diese Knef war und weshalb sie die Menschen so faszinierte, bewegte, auch aufregte, erregte. Nicht, dass sich Tini Prüfert und ihre Mitstreiter anmaßen, die Frage umfassend zu beantworten - aber ihnen gelingt eine respektvolle, vielschichtige, auch berührende Hommage.

Tini Prüfert spielt an diesem Abend (szenisch eingerichtet von Nilufar K. Münzing) die Knef nicht. Sie erkundet sie, nähert sich ihr an. Klar, die Frisur, die schwarzen Wimpern, die strenge Garderobe, das alles muss schon sein. Vor allem aber lässt sie die gebürtige Ulmerin in gut 20 Liedern aufleben, darunter Klassiker wie "In dieser Stadt" und "Ich glaub, ne Dame werd ich nie".

Die Knef war keine famose Sängerin, sie war eine famose Interpretatorin: mit Chanson-Raffinesse, knarzender, sogar brechender (Sprech-) Stimme. Tini Prüfert kopiert auch das nicht, sondern macht sich die Lieder zu eigen. Und lässt deren profunde Zeilen wirken: deren Nonchalance und deren Biss, die geseufzte Melancholie, die unsentimentale Weltweisheit, den mal delikaten, mal desillusionierten Humor. Textauszüge (u.a. von Böll, Morsheim, Sontag) illustrieren den Zeithintergrund und gliedern den Abend. Die Knef kommt selbst in Einspielern zu Wort, redet über Skandale, Heimat, Emanzipation, Schmerz.

Barjazz-Süffigkeit, Lounge-Lässigkeit, Latin-Schwung, MarschAkzente: Matthias Freund hat die Lieder luzide arrangiert, gibt am Schlagzeug - meist mit dem Besen - das Tempo vor. Dazu erklingt Alfredo Miglionicos beredtes Klavier und geht Michael Weiglers Bass über das Großstadtpflaster. Höhepunke sind etwa "Bei dir war es immer so schön", "Eins und eins", "Nichts haut mich um", am schönsten ist vielleicht "Lass mich bei dir sein", nur am Piano begleitet.

"So oder so ist das Leben", kommt dann gegen Ende, und natürlich "Für mich soll's rote Rosen regnen". Das tut es in der Podium-Bar zwar nicht, aber Rosen haben sich Tini Prüfert und ihre Begleiter eigentlich schon verdient. Und den starken Applaus sowieso.

Info Nächste Aufführungen: 19. und 23. April, Karten: 0731/ 161 44 44.

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