Sichere Datenlöschung ist eine komplexe Angelegenheit. Man kann die Festplatte eines Computers - oder einen USB-Stick - zwar mit einem Magneten degaussen oder gleich zwei Löcher durchbohren, aber dann ist die Platte kaputt. Das Ulmer Systemhaus Systemzwo geht das Thema mit der finnischen Spezialsoftware Blancco an, die von der Nato und verschiedenen Verteidigungsministerien zertifiziert ist.

Die Löschung in mehreren Sicherheitsstufen kann bis zu 30 Stunden dauern und kostet je nach Datenvolumen 9 bis 25 Euro. Am Schluss gibt es einen "Erasure Report", der auch auf nicht entfernte Dateien wegen Festplattenfehlern hinweist. Könnte ein Geheimdienst gelöschte Daten wiederherstellen? Es würde Jahre dauern, das zurückzurechnen, sagt Firmenchef Björn Semjan.

Der Vorteil der Blancco-Methode, für die Systemzwo bei der neuen Tochtergesellschaft Kraftwerk 3 IT in Söflingen vier Arbeitsplätze installiert hat, ist natürlich der Erhalt der Hardware. Die Computer kommen zumeist in Form von Leasing-Rückläufern zu Kraftwerk 3 in den Riedweg und werden für den Weiterverkauf aufbereitet. Zu den Abnehmern zählt beispielsweise das Landratsamt Neu-Ulm, das gebrauchte Beamer für Schulen abgenommen hat. Oder es sind kleinere Unternehmen ohne Kapital, die einen nicht mehr ganz neuen Computer-Arbeitsplatz schon für fünf Euro monatlich leasen können. Die Ware geht auch lastwagenweise ins Ausland, zuletzt auf 36 Paletten.

Semjan und Rolf Schulte von Systemzwo planen künftig auch einen Verkauf an Endkunden, nachdem sie den Reklamationsprozess handhaben können. Dabei steht nicht nur die Auktionsplattform Ebay im Fokus. Angedacht ist ein Vorort-Verkauf an einem Samstag pro Monat. Da geht es um verlockende Angebote für Marken-Desktops und Monitore ab 10 Euro, Drucker schon ab 5 Euro, Server ab 80 Euro. Eine Vision Semjans ist auch das Recycling von wertvollen Metallen, die in den Altgeräten enthalten sind.

Es geht um erhebliche Mengen. So hat Systemzwo unlängst im Auftrag einer Leasinggesellschaft die Computer aller Betriebskrankenkassen ausgetauscht. Die Altgeräte gehen häufig ins Ausland, es gibt nach Semjans Worten regelrechte Hardware-Broker, vieles läuft über einschlägige Portale im Internet.

Die Geschäftsidee entstand dadurch, dass Kunden des Systemhauses entweder gebrauchte Hardware nachfragten oder sie aufrüsten wollten. Semjan: "Viele Bestandsserver laufen noch." Im Gründungsjahr 2011 hat Kraftwerk 3 bereits einen Umsatz von 450 000 Euro erzielt. Dieses Jahr soll mit 700 000 Euro die Gewinnschwelle überschritten werden. Ein Vorteil ist, dass das Personal in der Firmengruppe wechseln kann und durchaus mal Mitarbeiter von Systemzwo vorübergehend bei Kraftwerk mitmachen. Dort gibt es normalerweise acht Arbeitsplätze für Technik, Vertrieb und Logistik.

Auf das Team warten neue Aufgaben. Um sensible Industriekunden für die Datenlöschung zu gewinnen, bräuchte Kraftwerk 3 noch abschließbare Käfige mit Kameraüberwachung. Die Datenträger kommen in verplombten Boxen und müssen bis zur finalen Löschung permanent überwacht werden.