Silvia müsste sich immer gleich einen Tag Urlaub nehmen, Ramona hat wegen der Schule kaum Zeit für zusätzliche Aktivitäten. Ganz aufs Ehrenamt verzichten wollen die beiden jungen Frauen dennoch nicht – weshalb sie sich bei einmaligen sozialen Aktionen der Young Caritas engagieren. Das Projekt der beiden Ulmer Caritas-Stellen läuft seit dem vergangenen Oktober und richtet sich an 13- bis 27-jährige Jugendliche.

„Das ursprüngliche Ehrenamt passt nicht mehr in den Alltag junger Menschen“, erklärt Projektleiterin Rike Träger. „Wir werden immer individueller, spontaner, flexibler; und durch die Ganztagsschule wird die Zeit knapp.“ Jede Woche Menschen im Altenheim besuchen – das sei bei den meisten nicht mehr drin. Die Idee kommt aus Wien, inzwischen gibt es Young Caritas in mehr als 70 Städten. „Die ehrenamtliche Arbeit ist sehr vielfältig“, sagt Träger. „Man tut etwas Sinnvolles und lernt viele verschiedenen Themen und Leute kennen, die man sonst nicht kennenlernen würde.“

Das Konzept ist einfach: Interessierte können sich bei Rike Träger anmelden und kommen in einen „Action Pool“. Darin sammelt Träger die Kontaktdaten der jungen Menschen und informiert sie, wenn eine soziale Aktion ansteht: per Mail, Facebook, WhatsApp oder Snapchat. „So kann man jedes Mal neu entscheiden, ob man Zeit hat und mithelfen will.“

So wie Ramona, Silvia und Mohsin, die am Dienstag beim Grillfest der Wohnungslosenhilfe am Michelsberg mitgeholfen haben. Früh morgens haben sie Kartoffeln geschält, verschiedene Salate zubereitet, Besteck hergerichtet und dann mittags bei der Ausgabe geholfen: „Zwei Stück Fleisch, eine Wurst, dazu die Salate für 1,50 Euro – für viele Wohnungslose ist das ein Highlight“, sagt Träger. Vor der Arbeit haben die Ehrenamtler auf Zeit eine Führung durch die Einrichtung bekommen. „Dadurch bekommen sie einen Einblick in andere Lebensbereiche, die man sonst nicht so hat.“

Um die Young Caritas bekannt zu machen, bietet Träger kostenlose Workshops in Jugendgruppen und Schulklassen an. Sie dauern rund 90 Minuten, und es können eigene Schwerpunkte gesetzt werden, zum Beispiel zu Kinderarmut oder Flüchtlingen. Auch letztere engagieren sich: zwei der rund 25 Jugendlichen im Action Pool sind geflüchtete. „Es tut ihnen gut, Kontakt zu Deutschen zu haben“, erzählt Träger. „Das hat einen integrativen Charakter, der gar nicht geplant war.“

Die 18-jährige Silvia Kolb hat schon ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht und war durch die Ehrenamtsmesse auf Young Caritas aufmerksam geworden. Sie will Heilerziehungspflegerin werden und war seit Anfang des Jahres schon bei vielen Aktionen dabei: „Ich helfe gern, wenn’s was zu tun gibt.“ Ramona Ruf ist ein Jahr älter und erzählt, sie habe sich schon immer sozial engagieren wollen. „Man kann anderen Leuten eine Freude damit machen und lernt jedes Mal neue Menschen kennen“, sagt sie. „Und es ist toll, dass es total flexibel und unverbindlich ist.“

Zwischen zwei und vier Jugendliche seien meist bei den Aktionen dabei: Sie streichen gemeinsam mit Bewohnern die Gartenmöbel im Clarissenhof, helfen bei den Warentauschtagen des Clubs für Körperbehinderte oder bei einer Luftballonaktion der Kinderstiftung. Träger wirbt um Verständnis: „Wir können natürlich nicht immer garantieren, dass dann auf jeden Fall zehn Leute dastehen.“ Dennoch: Soziale Einrichtungen, die Hilfe benötigen, können direkt auf sie zukommen, ebenso wie Schulen, die Workshops veranstalten wollen.

Info Ansprechpartnerin ist Rike Träger, Tel. (0731) 20 63 31, Mail: youngcaritas@caritas-ulm.de,