Verkehr Wie der Theodor-Heuss-Platz einmal aussehen soll

Entwurfsplanung Theodor-Heuss-Platz.
Entwurfsplanung Theodor-Heuss-Platz. © Foto: grafik: swp
Ulm / Christine Liebhardt 08.08.2017
Ob der Theodor-Heuss-Platz saniert wird, ist ob der Sparbemühungen des Finanzbürgermeisters ungewiss. Die Pläne jedenfalls liegen vor.

Die neue Ulmer Sparpolitik lässt sich auf zwei Zeilen zusammenfassen. Überschrieben sind sie mit „Sanierung Theodor-Heuss-Platz“, und dann steht da:

Bisher: 6.400.000.

Jetzt: 0.

Die beiden Zahlen stehen in der zehnjährigen Investitionsplanung der Stadt Ulm, die der Gemeinderat vor der Sommerpause nach stundenlanger Debatte grummelnd zur Kenntnis genommen hat. Zwar sollen dieser und andere strittige Punkte im Herbst nochmal beraten werden. Zunächst lautete die Ansage von Finanzbürgermeister Martin Bendel aber: auf unbestimmte Zeit verschoben.

Nichtsdestotrotz haben sich die Räte in der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vor den Ferien mit dem Platz (früher: Westplatz) beschäftigt – die Tagesordnung stand bereits vor Bendels Bremse. Und es gibt einen Grund dafür, dass der Punkt darauf stand: „Der Theodor-Heuss-Platz ist der zentrale Verkehrsknoten in der Ulmer Weststadt“, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Er weist große verkehrstechnische/städtebauliche Mängel auf und besitzt keinerlei Aufenthaltsqualität.“

Wie der Platz, der seit Jahren saniert werden soll, und die umgebenden Straßenabschnitte dereinst aussehen könnten, stellte Karla Niebling-Junginger vor: „Aus einem Unort könnte ein funktionierender öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität werden, der dem Anspruch aller Verkehrsteilnehmer gerecht wird“, sagte die Prokuristin der Ulmer Sanierungstreuhand über die Pläne der beauftragten Arbeitsgemeinschaft (bbz Landschaftsarchitekten aus Berlin und opb Obermeyer Planen + Beraten aus München).

Deren Entwurf sieht mithilfe zweier klar strukturierter Kreuzungen eine deutliche Vereinfachung der aktuellen, unübersichtlichen Situation vor: Als Hauptachse wird die Söflinger Straße gestärkt, sie verläuft nicht mehr kreuz und quer wie bislang. Einstein-, Moltke- und Wagnerstraße werden jeweils im rechten Winkel an sie angeschlossen – wodurch nördlich und südlich der Söflinger Straße großzügige Plätze entstehen. Im Norden ist ein Brunnen geplant, im Süden Platz für einen Kiosk vorgesehen. Dazu gibt es Radschutzstreifen auf der Fahrbahn. „Zeitlos, einfach und hochwertig“ ist die Gestaltung laut Niebling-Junginger. Für die Straßen ist Asphalt vorgesehen, für den Platz selbst Pflastersteine aus heimischem Granit aus dem Bayerischen Wald, dazu Sitzelemente aus Beton mit Holzauflage. Als Bäume sind Gleditschien vorgesehen.

Knapp 15 Millionen Euro sind insgesamt für das Projekt veranschlagt, wobei allein 6,6 Millionen Euro für die Gleisanlagen veranschlagt sind. Das Problem, von Baubürgermeister Tim von Winning auf den Punkt gebracht: „Bei der Umgestaltung entsteht ein hoher Aufwand, und die Förderung für das Sanierungsgebiet fällt geringer aus als gedacht.“ Die Städtebaufördermittel für den Platz selbst belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro, für den Abschnitt Moltkestraße gäbe es zusätzlich knapp 200 000 Euro (siehe Infokasten).

„Etwas mager“ sei das, fand Helga Malischewski (FWG). Trotzdem: „Wir können das nicht auf den St.-Nimmerleinstag verschieben, das ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt“, urteilte Brigitte Dahlbender (SPD). Annette Weinreich (Grüne) spannte einen weiteren Bogen: „Was passiert mit dem Sanierungsgebiet Weststadt, wenn wir nicht weitermachen?“, wollte sie wissen. Bertram Holz (CDU) befand: „Wir dürfen dieses wichtige Sanierungsgebiet nicht vernachlässigen.“ Denise Niggemeier (Grüne) schlug vor: „Wir sollten uns auf die Verkehrsführung konzentrieren und lieber Chichi wie den Brunnen weglassen.“ Für den Baubürgermeister ist allerdings klar: „Bei diesem Entwurf kann man nicht viel nach unten korrigieren.“

Auch, wenn der Finanzbürgermeister die Stadtkasse noch öffnet – mit einer weiteren Baustelle müssen die Ulmer erstmal nicht rechnen: Selbst, wenn dieses Jahr noch weiter geplant wird, könnten die Bauarbeiten frühesten Mitte 2019 beginnen.

Sanierungsgebiet „Weststadt II“

Förderung Das Sanierungsgebiet „Weststadt II“ läuft im April 2020 aus. Eine Verlängerung um zwei Jahre sei in Absprache mit dem Regierungspräsidium Tübingen (RP) denkbar, heißt es in der Sitzungsvorlage zur Sanierung des Theodor-Heuss-Platzes. Sollte seine Umgestaltung innerhalb des bisherigen Förderzeitraums beginnen, würde ein entsprechender Verlängerungsantrag gestellt.

Frist Beginnt der Umbau erst nach 2020, können demnach keine Städtebau-Fördermittel mehr in Anspruch genommen werden, da die Baumaßnahmen innerhalb des verlängerten Förderzeitraums nicht abgeschlossen würden. Dann sei allerdings auch die Förderung aller bisher entstandenen Kosten mit dem RP zu diskutieren.

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