"Ist das überhaupt möglich?" Das war die erste Frage, die sich Ulrich Soldner stellte, als er mit seiner Abteilung für Liegenschaften für die Stadt Ulm Anfang 2006 mal bei den Eigentümern vorfühlen sollte, was denn so denkbar wäre. Und dann bekam er gleich erste Verkaufssignale. So stellte der Gemeinderat schon 2007 einen Rahmenplan für den Sedelhof auf, um ein etwas abgerissenes Viertel städtebaulich aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Und die Stadt kaufte von August 2007 bis September 2010 prompt alles auf.

Jetzt im Januar 2012 ist das letzte Objekt nach den damaligen Verträgen auch formal an die Stadt übergegangen, und Soldner blickt zurück: "Das ist überraschend schnell gegangen." Dabei hatte die Sache zwischenzeitlich noch eine ungeheure Eigendynamik angenommen.

Los ging es zunächst nämlich nur mit dem Kernbereich, den Kelter- und Sedelhofgasse umschließen. Dann wurde ein Gebäude an der südlichen Sedelhofgasse ins Plangebiet mit einbezogen, dann das sich anschließende Eckgebäude an der Bahnhofstraße. Unterdessen waren die Planungen für den Citybahnhof ins Rollen gekommen, und da die Sedelhof-Sache so gut angelaufen war, dachte man im Rathaus weiter. Letztlich kamen noch drei Objekte am Bahnhofplatz dazu, die derzeit den Riegel nach Westen bilden. Und heute sind die Sedelhöfe Teil des Masterplans für den Citybahnhof. Soldner: "Das war spannend."

Die Objekte können zur Realisierung der Einkaufsgalerie jetzt im Ganzen weiterveräußert werden. Dazu war auf einer zweiten Ebene aber noch mit den Mietern einig zu werden: "Kauf bricht Miete nicht!" Die Mietverhältnisse (9 Wohnungen, 23 gewerbliche Nutzungen, 57 Stellplätze) sind nahezu komplett aufgelöst, niemand sei gekündigt worden, und für Ersatz wurde in Zusammenarbeit mit dem Stadtentwicklungsverband auch gesorgt.

So konnte letztlich das heilige Ulmer Prinzip des Vorratsgrunderwerbs (für Arrondierung, gegen Spekulation), das die Stadt seit jeher in den Außenbezirken, für Neubaugebiete und teilweise in Sanierungsgebieten anwendet, erstmals auch in der Innenstadt umgesetzt werden. Soldner knapp: "Sehr interessant."