Stadt Ulm Wie Bauen günstiger wird

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Symbolbild © Foto: Carlucci
Ulm / Chirin Kolb 13.08.2018
Die geplante Änderung der Landesbauordnung freut die Stadt Ulm. Sie sieht viele Vorteile, zum Beispiel geringere Kosten.

Bauen soll billiger werden, schneller und leichter. Mit diesem Ziel hat sich die Landesregierung auf die Reform der Landesbauordnung geeinigt. Die Änderung sieht mehr als 20 Erleichterungen vor, unter anderem soll die Pflicht für Fahrradstellplätze gelockert werden. Auch wenn es noch Monate dauert, bis die Reform in Kraft tritt: In der Bauverwaltung der Stadt Ulm ist die Erleichterung groß. Auch Bauträger freuen sich, hätten sich aber mehr Reformwillen gewünscht.

„Es ändert sich viel, und das hilft uns sehr“, sagt Helmut Kalupa, Leiter der Abteilung Städtebau und Baurecht. „Die Reform macht das Bauen leichter und günstiger.“ Zuletzt war das Gegenteil der Fall. Ob Energieeinsparung, Fassaden- und Dachbegrünung oder Barrierefreiheit: „Jede neue Vorschrift erschwerte und verteuerte das Bauen weiter.“ Vor allem drei Änderungen seien für die Stadt Ulm wichtig:

Abstandsflächen

Vor knapp einem Jahr hat der Bund die Baugebietskategorie „urbane Gebiete“ eingeführt. In ihnen wird das Miteinander von Wohnen und Gewerbe erleichtert – was die Verwaltung ebenfalls freut. In urbanen Gebieten dürfen die Häuser näher zusammenrücken. Wie nah, das regelt der Faktor für die Abstandsflächen. Er liegt bisher bei 0,4 und soll auf 0,2 halbiert werden. In der Praxis heißt das: Auf einem entsprechend großen Grundstück bringt man mehr Häuser unter. Das helfe, mehr Wohnungen zu bauen. Ein Mindestabstand von 2,50 Metern bleibt bestehen.

Fahrradstellplätze

Ob der Bauherr welche braucht und wie viele, soll künftig stärker ins Ermessen der Baubehörde gestellt sein. Bisher gab es laut Kalupa vor allem Probleme im Bestand: Soll ein Haus um- oder ausgebaut werden, fehlt es oft an Platz für Radabstellplätze. Umbauvorhaben seien deshalb schon gescheitert. „Bisher war das ganz streng geregelt, es  war keine Befreiung möglich.“

Landwirtschaft

War ein Stall einmal genehmigt, musste ein neues Wohnhaus einen weiten Abstand einhalten – auch wenn der Stall längst nicht mehr genutzt wurde. „Manchmal war der Abstand so groß, dass kein Grundstück mehr übrig blieb zum Bauen“, berichtet Kalupa. Für die Stadt sehr unbefriedigend: „Wir hätten in den Ortschaften ein großes Bauflächenpotenzial.“ Nun soll das Bauen leichter werden, wenn ein Stall sechs Jahre lang leer stand.

Die Reform ist ein Schritt in die richtige Richtung, die Landesregierung ist aber zu kurz gesprungen. So beurteilen die Geschäftsführer der Ulmer Wohnbauunternehmen UWS, Realgrund und Munk, Frank Pinsler, Christian Holz und Volker Munk, die geplanten Änderungen. „Man sieht: Es  handelt sich um einen politischen Kompromiss“, sagt Pinsler.

Den Bauträgern geht die Reform nicht weit genug. Aus ihrer Sicht wäre noch mehr möglich und nötig, um das Bauen zu vereinfachen. „Die ganze Republik ruft nach günstigem Wohnraum“, sagt Munk. „Aber wir werden erdrückt von behördlichen Auflagen an allen Ecken und Enden.“ Er ist sich mit seinem Kollegen Holz von Realgrund und Pinsler von der städtischen UWS einig: Gerade bei Barrierefreiheit, Rad- und Autostellplätzen ginge mehr.

Anderes Mobilitätskonzept

Und das vor allem im Blick auf die künftige Mobilität, Stichwort ÖPNV und Radverkehr. Holz formuliert es so: „Wir betonieren jetzt die Stellplätze für die nächsten 50 Jahre, wenn das Ziel eigentlich ist, in 20 Jahren ein anderes Mobilitätskonzept zu haben.“ Die Bauträger wünschen sich deutlich mehr Flexibilität in der Stellplatzfrage: für Autos wie für Räder. Manches sei realitätsfremd. Die vorgeschriebenen Radabstellräume in Mehrfamilienhäusern etwa würden oft für alles mögliche genutzt, nur nicht für Räder. Wer ein teures Exemplar besitze, wolle es einschließen oder nehme es mit in die Wohnung.

Keine Auswirkung auf geplante Baugebiete

Wohnen Bis die Reform der Landesbauordnung in Kraft tritt, vergehen noch Monate. Deshalb bleibt bei Baugebieten, die bereits in der Planung sind, alles beim Alten, beispielsweise auf dem Gummi-Welz-Areal und im Gebiet „Am Weinberg“.

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