Das Thema Verkehrsberuhigung nimmt Fahrt auf: Es hagelt Kritik aus der Bürgerschaft, seit das Regierungspräsidium Tübingen nach 69 Einwendungen die Ulmer Verkehrsplaner zurückgepfiffen hat und den Tempo-30-Bereich auf der Ortsdurchfahrt deutlich verkleinert wurde. Auch die Lokalpolitik macht mobil: Diese Entscheidung sei "ein Schlag ins Gesicht aller betroffenen Wiblinger, denen seit vielen Jahren versprochen wird, etwas gegen die Verkehrsbelastung zu tun", empören sich die Grünen Denise Niggemeier und Michael Joukov.

Wobei sich Kritik nicht nur an dem Beschluss festmacht, sondern auch an die Stadtverwaltung richtet, das wurde auf der jüngsten Sitzung der Regionalen Planungsgruppe (RPG) deutlich: "Warum wurden die Bürger nicht sofort über den Beschluss in Kenntnis gesetzt?" wurde moniert. Darauf sagte Thomas Feig von der städtischen Abteilung Verkehrsplanung, dass der Tübinger Beschluss noch nicht rechtskräftig sei - erst dann sei "die Stadt zur Ausführung verpflichtet".

Wobei vielen RPG-Vertretern schleierhaft ist, wie das Regierungspräsidium überhaupt zu der Beurteilung der Verkehrslage gekommen ist, die nicht der Realität entspreche - weder hinsichtlich der Sicherheit, und schon gar nicht in Bezug auf den Lärm. Zumal die Hauptstraße als beliebte Ortsdurchfahrt von "Rasern aus Unterkirchberg" genutzt werde. "Ich möchte mal wissen, wo das Lärmgutachten erstellt und gemessen wurde", zog ein Anwohner der Hauptstraße die dem Ulmer Lärm-Aktionsplan zugrunde liegenden Daten in Zweifel, demzufolge die Grenzwerte in der Hauptstraße nicht erreicht werden. "Das war nach meinen Informationen eine reine Schreibtischberechnung, es wurde nicht gemessen. Ich glaube dieses Ergebnis nicht."

"Es wäre unmöglich, Messungen in der ganzen Stadt anzustellen", erklärte Thomas Feig. In solchen Fällen sei es üblich, sich einer klassischen Berechnung zu bedienen. Abgesehen davon "verlangt das Regierungspräsidium eine logarithmische Rechnung" - eine Messung werde nicht akzeptiert. Diese loyale Dienstauffassung der Stadtverwaltung hieß nicht jeder im RPG-Gremium gut: "Ihr dürft das nicht immer alles hinnehmen, auch wenn es aus Tübingen oder Stuttgart kommt."

Hinnehmen will die Regionale Planungsgruppe den Beschluss des Regierungspräsidiums jedenfalls nicht. Weil die Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, allerdings begrenzt sind, soll eine Petition den Vollzug zunächst aufschieben und der Zeitgewinn für weitere Gegenmaßnahmen genutzt werden. Etwa zur Informationsgewinnung, wie Dr. Hans-Walter Roth (CDU) sagte, der das Tübinger Gutachten "gern auf dem Tisch" hätte: "Wir stellen den Antrag, eine lokale Messung zu machen. Dadurch erhalten wir eigene Daten und haben schon einen Teilgewinn erzielt." Das weitere Vorgehen soll bei der Bürgerversammlung am kommenden Freitag erörtert werden (siehe Info-Kasten).

Gespräch zu Tempo 30

Diskussion Wie geht es jetzt in Wiblingen weiter - nach der Entscheidung des Regierungspräsidiums, Tempo 30 zurückzunehmen? Das ist Thema eines Bürgergesprächs, das die SPD am Freitag, 29. Mai, ab 17 Uhr im Bürgerzentrum Tannenplatz veranstaltet.