"Die Basilika St. Martin in Wiblingen ist wohl die letzte Kirche dieser Größe in der Diözese, die auf der Empore noch keine Orgel hat", sagt die Lokalhistorikerin Ulrike Häufele aus dem Ulmer Süden. Das soll sich ändern. Ein Orgelförderverein ist gegründet, eine große Spendentruhe mit ebenso großer Geschichte ist kürzlich frisch restauriert in der Kirche aufgestellt worden. Am Sonntag war mit einem Gottesdienst offizieller Auftakt der Kampagne für die Hauptorgel, die eigentlich immer vorgesehen war und deren Platz auf der Empore eingerichtet ist. Verhindert worden ist der Bau einst wohl durch die Wirren der Säkularisation und die Auflösung des Klosters vor mehr als 200 Jahren - damals wurde die Anlage für eine kurze Zeit als württembergischer Herzogswohnsitz genutzt und "Schloss" genannt, bevor sie dann zur Kaserne umfunktioniert wurde.

So sagt denn auch Volker Linz, Orgelsachverständiger der Diözese Rottenburg-Stuttgart: "Der Kirche fehlt eine Hauptorgel." Und kommt in einem Gutachten über die bestehende, aber marode Chororgel, deren Spieltisch ins Chorgestühl integriert ist, zum Schluss: "Ein wunder Punkt ist die Orgelsituation insgesamt: Der Kirche fehlt eine Hauptorgel, die den Raum in Gänze beschallen könnte." Die Chororgel könne dies auf Grund ihrer Platzierung nur unzureichend übernehmen. Man sollte also "mittel- oder langfristig" nach einer Lösung suchen.

Dabei geht der Experte von einer Orgel mittleren Kalibers mit etwa 40 Registern aus, um den Kirchenraum ordentlich beschallen zu können. Dieser kommt der Größe nach in Ulm immerhin gleich nach dem Münster, ganz anders gestaltet, aber ähnlich imposant.

Das Instrument würde dann auch dem schönen, klassizistisch gehaltenen Innenraum mit den Fresken des "Bau- und Verzierungsdirektors" Januarius Zick noch mehr Anziehungskraft verleihen, findet Ulrike Häufele. Eine erste Schätzung geht von Kosten von 850.000 Euro aus. "Das ist eine enorme Summe, die aus Spendenmitteln finanziert werden muss." Ganz wichtig ist der Kirchengemeinde nämlich, dass mit dem Orgelprojekt nicht andere Vorhaben wie der Neubau des Kindergartens oder das soziale und karitative Engagement, zum Beispiel für die Unterbringung von Flüchtlingen, auf der Strecke bleiben.