Ulm Wiblinger Bachtage: Hommage an die Musikerdynastie Bach

CHRISTA KANAND 13.06.2016
"Genies in Serie": Am fünften Abend der Wiblinger Bachtage stand die Musikerfamilie Bach im Fokus

Sie hießen mit erstem Vornamen meist Johann, prägten als  Stadtmusiker, Organisten und Komponisten drei Jahrhunderte lang besonders das mitteldeutsche Musikleben: Mitglieder der  Familie Bach. Beim 5. Abend der 32. Wiblinger Bachtage standen der  Namenspate Johann Sebastian und weitere Bachs der einzigartigen Musikerdynastie  im Fokus.

Unter dem Motto „Familientreffen – Genies in Serie“ öffnete das Kollektiv aus Wiblinger Kantorei, dem Collegium Instrumentale und  Solisten unter Albrecht Schmid – Festival-Gründer, Dirigent und Meister am Cembalo – in der recht voll besetzten Wiblinger Versöhnungskirche die musikalische Schatztruhe des Bach-Clans. Keine barocke Meter-Ware. Vielmehr wurde der Wandel vom Barock  hinein in die neue Epoche der Empfindsamkeit stilsicher charakterisiert.

Imposante Eckpfeiler des Konzerts bildeten Werke von Übervater Johann Sebastian Bach, der immer „Soli Dei Gloria“ – zur Ehre Gottes – komponierte. Nach dem Eingangschor seiner Kantate „Fallt mit Danken“, die  mit rund 55 vitalen Stimmen, lupenreinem Bläser- und Streicher-Glanz im anfangs etwas pastosem barocken Breitwand-Sound erstrahlte, erweckte das Tutti voller Entdeckerfreude zwei vergessene Bach-Komponisten zu neuem Leben.

 Von Johann Michael Bach, dem Schwiegervater des Barock-Titanen, erklangen in textklarer Transparenz  mit Raum-Effekten die Motette „Fürchtet euch nicht“ für achtstimmigen Doppelchor und Basso-Continuo sowie das geistliche Konzert „Es ist ein großer Gewinn“, bei dem drei Choristinnen wohltönend den Mezzo-Solo-Part übernahmen. Johann Christian, der jüngste Sohn aus Bachs zweiter Ehe und durch den Übertritt zum Katholizismus das „schwarze Schaf“ der erzprotestantischen Bach-Familie, staffierte rund 100 Jahre später sein „Credo breve“ C-Dur und sein achtstimmiges „Magnificat“ in frühklassischer Klangpracht aus.

Den Bach’schen Kosmos bereicherten zwischendurch die beiden berühmtesten Söhne aus erster Ehe. In Wilhelm Friedemann Bachs Triosonate D-Dur  brillierten die beiden Musikhochschul-Dozentinnen Lena Sandoz, Violine, und Verena Höß, Querflöte, im virtuosen Dialog. Geradezu hypnotisch traf die  Flötistin mit den inspirierten Streichern fulminant den Sturm-und-Drang-Impetus von Carl Philipp Emanuel Bachs bejubeltem d-Moll-Flötenkonzert.

Viel applaudiert entließ das strahlkräftige Großaufgebot mit Johann Sebastian Bachs beseelter Motette und Choral  „Ich lasse dich nicht. . .“ das Publikum.

Info „A cappella & Zylinder“ heißt das Programm, mit dem die Stuttgart Harmonists  die Wiblinger Bachtage am Montag, 13, Juni, 20 Uhr, auf  Schloss Erbach fortsetzen.