Ein Mitarbeiter eines regionalen Pharmaunternehmens hat am Freitag vor dem Arbeitsgericht Ulm erfolgreich die gegen ihn ausgesprochene fristlose Kündigung angefochten. Der 57-Jährige hatte einer Kollegin im Juli 2019 „ein Bild seines erigierten Penis per Whatsapp übersandt“, so das Arbeitsgericht.

Die Frau beschwerte sich beim Arbeitgeber. Da sie in derselben Abteilung wie der 57-Jährige arbeitete, hielt das Unternehmen eine Weiterbeschäftigung des Mannes für unzumutbar. Das Bild liegt dem Gericht vor, der Kläger bestreitet die Nachricht nicht. Dennoch wolle er seinen Arbeitsplatz zurück, sagte der Anwalt des 57-Jährigen während der Verhandlung. Sein Mandant sei zu alt, um eine neue Stelle zu finden.

Obszöne Whatsapp-Bilder rechtfertigen eigentlich Kündigung

„Das, was Sie gemacht haben, geht nicht. Das ist ein Unding“, stellte Arbeitsrichter Dr. Hans-Jürgen Rupp klar. In der Regel reichen derartige Handlungen für eine Kündigung aus. Dennoch sei die Beendigung des Arbeitsverhältnisses in diesem Einzelfall juristisch nicht zu rechtfertigen, so der Arbeitsrichter.

Der Grund: Der private Kontakt zwischen dem 57-Jährigen und der Frau. Dieser wiege schwerer als die berufliche Zusammenarbeit, sagte Rupp. Der 57-Jährige war – bis zur fraglichen Whatsapp-Nachricht – jahrzehntelang eng mit dem Ehemann der Kollegin befreundet.

Die unsittlichen Bilder hatte der 57-Jährige an einem Sonntag auf das private Handy der Frau gesendet. Das Unternehmen hätte vor diesem Hintergrund eine andere Lösung anstreben müssen, sagte der Richter, etwa eine Versetzung des langjährigen Angestellten. Das Arbeitsverhältnis bleibt laut dem Urteil des Gerichts weiter bestehen.

Weitere Frauen erheben Vorwürfe

Während der Verhandlung verwies der Anwalt des Pharmaunternehmens auf weitere Mitarbeiterinnen, die sich nach Bekanntwerden des Penis-Bildes über unsittliche Berührungen des 57-Jährigen beschwert hätten. Da keine der Frauen genauere Angaben zur Datierung der Vorfälle machte, reichen die Vorwürfe ebenfalls nicht für eine Kündigung aus, so der Arbeitsrichter.