Ulm WG oder: Man muss es mögen

Ja, da kommt Freude auf – aber nur bei kleinen Tieren.
Ja, da kommt Freude auf – aber nur bei kleinen Tieren. © Foto: Fotolia
Ulm / RUDOLF KÜBLER 12.09.2016
Ein WG-Zimmer ist günstiger als eine Wohnung. Wer hätte es gedacht. Das Zusammenleben kann aber auch unangenehme Seiten der Mitbewohner zum Vorschein bringen.

Irgendwie kennt man das ja aus eigener Erfahrung: Der Mitbewohner, ein Mathematiker im sieben Semester, ist ein netter Kerl. Sehr sozialverträglich. Braucht man jemand, mit dem man trinken kann – er ist sofort dabei. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber: Das Putzen hat er nicht erfunden, er findet weder den Eimer noch den Lappen. Was selbst die Toilette nach einiger Zeit übel nimmt – und daraufhin den Dienst einstellt. Die Mitbewohnerin, eine Biologin im vierten Semester, hat ein Faible für kleine Tiere. Ihre Züchtungserfolge im Umfeld der Spüle sind beachtlich. Sie lässt die Reste ihres Geheimrezepts „Ravioli auf belgische Art“ (van der Büx) einfach stehen. Wochenlang. Bis es krabbelt. Ja, liebe Studienanfänger, so schön kann Wohnen in einer Wohngemeinschaft sein.

Dabei ist ein WG-Zimmer so viel günstiger als eine Single-Wohnung: in Ulm beispielsweise um 25 Prozent. Das schreibt immowelt.de, eines der führenden Immobilienportale, in einer Pressemitteilung. Und alle sind überrascht von dieser Nachricht. Auch Dirk Rettweiler kann ein Gähnen nur unschwer unterdrücken, als er von dieser Binsenweisheit hört. Er ist Experte: Bereichsleiter studentisches Wohnen beim Studentenwerk Ulm.  Rettweiler kennt nicht nur die Zahlen, „ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt ist natürlich billiger, klar“. Er weiß auch um die Fallstricke von Wohngemeinschaften. Der Punkt ist: „Man muss es mögen.“ Stimmt, man muss es mögen, wenn sich Geschirr und Töpfe stapeln oder der Kommilitone sich nie zum Pinkeln hinsetzt. „Es gibt eben unterschiedliche hygienische Standards“, sagt der Fachmann, dem nichts Menschliches fremd ist. Und der von einem Studenten erzählt, der nach einem WG-Semester nur eines wollte: so schnell wie möglich wieder raus.

Ob günstig oder nicht – „für Studienanfänger ist das ein nachrangiges Problem. Die wollen ein Zimmer haben“, sagt Rettweiler, der vor Semesterbeginn zwar auf eine lange Warteliste blickt, aber keine dramatische Situation erkennen kann.  „Wir werden auch in diesem Herbst kein Zeltlager haben.“

Vielleicht sucht ja der kommunikative Mathematiker noch einen Mitbewohner, der das Klo putzt . . .

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