Er konnte sich gar nicht beruhigen, so wütend war der Ulmer Baubürgermeister am Freitag nach dem Lesen der SÜDWEST PRESSE: "Die Zeiten freistaatlicher Verkündigungspolitik sind vorbei", sagte Alexander Wetzig. Dass er, die Ulmer Stadtverwaltung und auch der Ulmer Gemeinderat in der Zeitung die Pläne über einen achtspurigen Ausbau der Adenauerbrücke präsentiert bekommen, sei respektlos. "Da wurde gegen alle Regeln der kommunalen Zusammenarbeit verstoßen, und das auch noch über Landesgrenzen hinweg. Die Stadt Ulm wird sich das nicht bieten lassen."

In der Freitagausgabe unserer Zeitung hatten wir über den geplanten Austausch der maroden Adenauerbrücke berichtet. Die federführenden Planungen hat das Staatliche Bauamt Krumbach übernommen. Die 1954 gebaute Brücke, damals nur zweispurig, war 1971 durch den Anbau von zwei Spuren erweitert worden. Jetzt, nach 60 Jahren, hat die Brücke offenbar ausgedient. Das Bauwerk weist an vielen Stellen Schäden auf, zum Teil auch in der Statik. Das haben jüngste Untersuchungen ergeben. Mehr noch: Eine Sanierung sei aus finanziellen Erwägungen nicht mehr sinnvoll.

Und so plant das Staatliche Bauamt eine neue, dann achtspurige Brücke. Die Erweiterung um zwei weitere Spuren sei sinnvoll, hatten der Leiter der Hochbauamts, Wilhelm Weirather, und der Abteilungsleiter Brückenbau, Jürgen Gleixner erklärt. Mit knapp 100.000 Fahrzeugen täglich habe die Adenauerbrücke schon vor zwei Jahren ihre Belastungsgrenze erreicht. Aufgrund der Verkehrsdichte schlägt das Hochbauamt nicht nur die Erweiterung der Brücke vor, sondern auch den sechsspurigen Ausbau der Bundesstraße 10 bis zur Anschlussstelle Neu-Ulm/Mitte. Nur so lasse sich der künftige Verkehr bewältigen.

Eine Alternative nannte Weirather im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE auch: den Bau einer neuen Donaubrücke zwischen Offenhausen und Pfuhl oder zwischen Pfuhl und Burlafingen und den Anschluss über die Böfinger Halde an die Bundesstraße 19. Damit stach er offenbar in ein Wespennest. Diese Straßenverbindung, die einen Ring um die Städte Ulm und Neu-Ulm vervollständigen könnte, ist kommunalpolitisch höchst umstritten. Auch darüber war der Ulmer Baubürgermeister am Freitag entsetzt: "Und dann müssen wir uns auch aus Krumbach noch darauf hinweisen lassen, dass das Thema politisch nicht ausgestritten ist." Wetzig stellte klar: Die Stadt Ulm wolle diese vierte Donaubrücke nicht. Aus dem Neu-Ulmer Rathaus war am Freitag dagegen nichts zu hören.

Auch in Krumbach hat man den Zorn aus dem Ulmer Rathaus am Freitag deutlich zu hören bekommen: "Da kommen halt die Ulmer Eitelkeiten zum Tragen", sagte Weirather. "Aber die Diskussion über das Thema ist überfällig."