Blaubeuren Wette auf Centrotherms Zukunft

Blaubeuren / WILLI BÖHMER 03.10.2012
Der Sanierungsplan für das Unternehmen, den der Vorstand der Blaubeurer Centrotherm AG bis zum 12. Oktober beim Amtsgericht abgeben muss, steht im Entwurf. Er ist ein Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit.

Der Übergang des in wirtschaftliche Nöte geratenen Blaubeurer Unternehmens Centrotherm aus dem Schutzschirmverfahren in ein normales Insolvenzverfahren ist abgeschlossen. Die Vorstandsmitglieder, die das Unternehmen weiter führen dürfen, weil das Insolvenzgericht Eigenverwaltung angeordnet hat, haben einen ersten Entwurf des Sanierungsplans erstellt. Dieser muss bis zum 12. Oktober dem Amtsgericht Ulm vorgelegt werden. Vermutlich im Dezember müssen sich die Gläubiger entscheiden, ob sie diesem Sanierungsplan zustimmen. Das bedeutete für sie, auf einen Teil ihrer finanziellen Ansprüche zu verzichten, um dem Unternehmen auf die Beine zu helfen.

Stimmen die Gläubiger zu, könnte das Gericht die Insolvenz danach beenden und das Unternehmen wäre wieder frei handlungsfähig. Erklärt sich die Gläubigerversammlung damit nicht einverstanden, würde die Insolvenz voraussichtlich zum Verkauf oder zur Zerschlagung und dem teilweise Verkauf des Unternehmens führen.

Das bedeutet, bis Ende des Jahres müssen die 724 Mitarbeiter der Muttergesellschaft Centrotherm Photovoltaics AG sowie der Tochtergesellschaften Sitec GmbH und der Thermal Solutions GmbH & Co KG um ihre Arbeitsplätze zittern. Alle drei Gesellschaften stehen im Insolvenzverfahren. Insgesamt sind im Kernbereich von Centrotherm heute noch 1046 Mitarbeiter beschäftigt, Auslandstöchter und kleine Gesellschaften, die zum Verkauf anstehen oder bereits verkauft sind, nicht eingerechnet.

Im Unternehmen hofft man auf die Zustimmung der Gläubiger zum Sanierungsplan. Geht die Rechnung des Vorstands auf, erhalten die Gläubiger bei einer Sanierung einen deutlich höheren Anteil ihrer Forderungen als bei einer Zerschlagung. Allerdings müssten sie voraussichtlich ein paar Jahre auf ihr Geld warten. Dem Vernehmen nach sieht der Insolvenzplan vor, die Ansprüche für wenige Jahre befristet als Eigenkapital im Unternehmen zu belassen. Später würden die Anteile verkauft und der Erlös ausbezahlt. Das wäre in gewisser Weise eine Wette auf die Zukunft von Centrotherm, auf die sich die Gläubiger einlassen müssten. Aber auch bei einem Insolvenzverkauf würde es dauern, bis die voraussichtlich deutlich niedrigere Quote auf die jeweiligen Ansprüche ausbezahlt würde.

Auf dem Weg zu einer Sanierung gibt es weitere Unsicherheiten. Dazu gehören zwei Großaufträge für Solarfabriken im Ausland. Eine soll in Algerien errichtet werden, eine zweite in Katar. Beide Verträge müssten nachverhandelt werden, weil sich die Bedingungen geändert haben. Werden sich Centrotherm und die Vertragspartner vor Ort einig und kann Centrotherm die Anlagen bauen, kommt wieder Geld in die Firmenkasse.

Platzen die Verträge, werden voraussichtlich Vertragsstrafen fällig, die mehrere hundert Millionen Euro betragen könnten. Bei einer Abwicklung von Centrotherm über die Insolvenz könnten diese Verträge nicht mehr erfüllt werden, die Garantiesummen der Banken (Avale) würden fällig, für die Gläubiger bliebe weniger übrig. Derzeit verhandelt Centrotherm in beiden Ländern fieberhaft, um die Verträge zu modifizieren.

Zum Sanierungsplan gehört auch, die vielen Tochtergesellschaften entweder unter des Dach der Muttergesellschaft Centrotherm Photovoltaics AG zu führen – oder zu verkaufen. Eine davon, die Michael Glatt Maschinenbau GmbH, die 100 Mitarbeiter beschäftigt, wurde an die in Regensburg angesiedelte Büechl Handels- und Beteiligungs KG verkauft. Für die in Konstanz angesiedelte Tochter GP Solar und die GP Inspect mit Sitz bei München werden derzeit Kaufinteressenten gesucht. In diesen Gesellschaften sind mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt. Die Centrotherm Elektrische Anlagen GmbH & Co. KG, die ihren Sitz auf dem Blaubeurer Firmengelände hat und 106 Mitarbeiter beschäftigt, gehört nicht zur Centrotherm-Gruppe. Es handelt sich um ein Lohnfertigungsunternehmen, dessen Stilllegung mangels ausreichender Aufträge beschlossen wurde (wir berichteten).

Die Auftragslage von Centrotherm ist nach wie vor bescheiden. Der Absatzmarkt in Asien ist zusammengebrochen und noch nicht wieder in Schwung gekommen. Zudem gebe es einige Defizite, so müsse der Service für die Anlagen im Ausland ausgebaut werden. Stiege die Nachfrage, wäre die Sanierung und die Zukunft des Blaubeurer Unternehmens leichter zu sichern, sagen die Sanierer. Derzeit sei eine Besserung der Lage auf dem Solarmarkt jedoch nicht erkennbar.