Orchester Wettbewerb: Bläserphilharmonie Blaustein überzeugt

Vollen Einsatz beim Wettbewerb zeigte nicht nur das Trompetenregister der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein.
Vollen Einsatz beim Wettbewerb zeigte nicht nur das Trompetenregister der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein. © Foto: Matthias Kessler
MAGDI ABOUL-KHEIR 03.05.2016
Egal, was die Jury urteilt: Die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein hat beim Deutschen Orchesterwettbewerb eine Top-Leistung geboten.

Jetzt gilt's. Atemlose Stille im Edwin-Scharff-Haus. Dann der Ruf einer Trompete. Eine zweite gesellt sich dazu. Ein dritte. Klarinetten setzen ein. Immer und immer wieder haben sie die ersten Noten von Bob Vos' "Suite for Harmonieorkest" geübt, die 70 Musikerinnen und Musiker des Sinfonischen Blasorchesters der Stadt Blaustein, wochenlang, monatelang. Jetzt erklingen die spannungsvollen Eröffnungsakkorde: perfekt.

Ja, am Montag galt es für die Blausteiner unter ihrem Dirigenten Manuel Epli: Da waren sie an der Reihe beim Deutschen Orchesterwettbewerb, in der Kategorie B1, Blasorchester. Seit mehr als einem Jahr waren sie auf der "Road to Ulm", hatten sich im vergangenen Herbst beim Landesmusikfest in Karlsruhe mit tollen 23,62 Punkten (25 ist die Höchstzahl) für das Bundesfinale der Laienorchester qualifiziert. Am Montag um exakt 11 Uhr durften sie dann zeigen, was sie können.

Und das ist eine Menge. Die Bläserphilharmonie meistert die musikalisch wenig dankbare, aber anspruchsvolle "Suite for Harmonieorkest" superb: das diffizile Klangfarbenspiel im ersten Satz, die tänzerischen Elemente im zweiten, den Choral im dritten, das energische Finale. Die Zuhörer im vollen Edwin-Scharff-Haus sind begeistert vom akzentuierten, aber nicht effekthascherischen Spiel, von der ausgereiften Klangkultur.

Acht von zehn Ensembles, die am Sonntag und Montag in der Kategorie B1 antreten, haben sich für Vos' Suite als Pflichtstück entschieden. So bieten sich den fünf Juroren um Bernhard Stopp, stellvertretender Direktor der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände, beste Vergleichsmöglichkeiten, was Intonation, Präzision und musikalische Gestaltung angeht. Die Fünf lesen in der Partitur mit, machen sich Notizen - die schließlich zu Punkten werden. Die hochkonzentrierte und präzise Performance, die dramaturgisch und dynamisch durchgestaltete Interpretation der Blausteiner gehört zum Besten, was an den beiden Tagen zu hören ist.

Auch bei "Derivations" spitzen die Juroren erst Stifte und dann Ohren. Die prachtvolle Komposition des Luxemburgers Marco Pütz ist das Wahlstück der Blausteiner. Vor zwei Wochen beim Frühjahrskonzert im Kornhaus hatten sie es bereits auf hohem Niveau musiziert. Seitdem hatte es nochmals vier lange Proben gegeben, am Samstag wurde gar fünf Stunden lang gefeilt. "Aber dann war es auch mal gut", erzählt Epli, "man darf es nicht mit der Brechstange versuchen."

Am Montag legen seine Musikerinnen und Musiker eine mitreißende, gut ausbalancierte Performance hin: Die rhythmisch vertrackt dahinjagenden Passagen gelingen genauso wie die funkelnden Tonmalereien. Von Brechstange keine Spur, und auch nur minimale Intonationsungenauigkeiten sind auszumachen. Standing Ovations für eine Gänsehaut-Performance.

Hochzufrieden sind die 70 Instrumentalisten danach, und Manuel Epli ist ebenso sehr angetan: "Edel, fein und liebevoll" habe das Orchester gespielt, "wir haben ganz viel von dem, was wir geprobt haben, umgesetzt."

Der 33-jährige Dirigent verfolgte am Sonntag und Montag den kompletten Wettbewerb mit. Am Sonntagmorgen hatte er zunächst der Jungen Bläserphilharmonie Ulm im CCU zugehört ("sehr schön gespielt, wirklich toll haben die das gemacht"), dann war er ins Scharff-Haus geeilt, um der Konkurrenz in seiner Kategorie zu lauschen.

Und diese Konkurrenz war natürlich beachtlich. Da waren die in der Szene geschätzten Hessen aus Altenmittlau und die traditionell starken Bayern aus Regensburg und Bad Griesbach. Da waren der hochgelobte Orchesterverein Hilgen (Nordrhein-Westfalen), der sogar eine Auftragskomposition als Wahlstück spielte, und das renommierte Symphonische Blasorchester Norderstedt (Schleswig-Holstein). Und natürlich traten die Titelverteidiger an: die Stadtkapelle Wangen im Allgäu. An die 100 Frau und Mann in Tracht stark, passten sie - zu ihrer Verärgerung - fast nicht auf die Bühne im Scharff-Haus, präsentierten sich dann aber voller Wucht.

Was sich Manuel Epli ausrechnet? Der Blausteiner ist optimistisch, dass für die Seinen "ein wirklich gutes Ergebnis rauskommt". Er hofft auf 23 Punkte, und ein Platz auf dem Treppchen wäre natürlich das Sahnehäubchen. Aber bis Dienstag, 11.30 Uhr, muss er auf diesen Schlussakkord warten.

Ergebnisse vom 3. Mai 2016

Wettbewerb Die Lokalmatadore haben sich beim Deutschen Orchesterwettbewerb glänzend geschlagen: sowohl die Junge Bläserphilharmonie Ulm am Sonntag in der Kategorie B2 Jugendblasorchester als auch die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein am Montag in der Kategorie B1 Blasorchester. Aber wie die Juroren die Leistung bewerten? Das erfahren die Musikerinnen und Musiker am Dienstagvormittag: Um 11.30 Uhr ist die Bekanntgabe der Ergebnisse des ersten Wettbewerbteils auf dem Marktplatz.