480 Flüchtlinge sind aktuell in Ulm untergebracht. 700 bis 800 werden es bis zum Jahresende sein. Konsequenz: "Wir brauchen Platz", sagt Bürgermeisterin Iris Mann. Platz ist verfügbar zum Beispiel auf einem städtischen Grundstück in der Moltkestraße 20 am Westbad, wo auf Beschluss des Gemeinderats jetzt ein Haus mit Flüchtlingswohnungen gebaut werden soll. Schlechter Platz, sagten dazu die Besucher einer Infoveranstaltung am Donnerstag.

Die Kritiker stellten dabei klar: "Es geht nicht um die Menschen", die da kommen würden. Sie sehen das Problem vielmehr im Standort des Neubaus, der nämlich auf dem Parkplatz des Westbads hochgezogen werden soll. Nicht von ungefähr sagt auch Stadtplaner Helmut Kalupa unverstellt: "Es ist kein einfacher Bauplatz." Wegen des Parkplatzes. Und wegen der schönen alten Platanen, die dafür fallen müssen. Guter Platz? Schlechter Platz? Das ist letztlich aber eine Frage des Blickwinkels und der Prioritäten.

Projekt: Die städtische Wohnungsgesellschaft UWS will ein fünfgeschossiges Haus bauen, 50 Meter lang. Im Erdgeschoss soll das städtische Team für den Sozialraum West unterkommen. Darüber entstehen Wohnungen vor allem für Flüchtlingsfamilien, weniger für Einzelpersonen - und zwar für die "Anschlussunterbringung", die nach 18 Monaten in einer Erstunterkunft gefordert ist. Für die Planer kommt die Lage mit Einbindung ins Quartier, neben Awo-Kindergarten und Weststadthaus der Integration entgegen, die Betreuung übernehmen die städtischen Mitarbeiter im Haus.

Städtebau: Ein Neubau an dieser Stelle ist bereits im Zuge der Sanierung der Weststadt diskutiert worden, als Baustein der Stadtteilmitte und um ein "Platzgefühl" (Kalupa) herzustellen. Anwohner beklagen, jetzt werde schon wieder verdichtet, wo es mit Westpark und Platzgestaltung vorm Weststadthaus doch gerade erst luftig geworden ist.

Parkplätze: Für die verloren gehenden Parkplätze direkt vor dem Westbad sollen 50 neue entlang der Moltkestraße entstehen. Kalupa: "Wir haben damit insgesamt keinen Stellplatzverlust." Außerdem gibt es unter dem neuen Gebäude eine Tiefgarage. Autofahrer beklagen, dass im Gebiet "300 Parkplätze fehlen", Eltern, die ihre Kinder bringen, beschreiben die Situation vor dem Westbad und der Kita jetzt schon als untragbar. Iris Mann dazu: "Es ist die Frage, ob ein neues Bauvorhaben alte Probleme lösen kann."

Zeitplan: Jetzt läuft erst mal das Bebauungsplanverfahren an. Baubeginn könnte Mitte 2016 sein, Fertigstellung ein Jahr später. Ein mögliches Parkraumkonzept für die Weststadt steht auf einem anderen Blatt.