Ulm Wer baut für Wohnmobile?

Der Ulmer Wohnmobil-Stellplatz in der Friedrichsau: keine parzellierten Plätze, kein Stromanschluss, nur unzureichende Wasserver- und Abwasserentsorgung.
Der Ulmer Wohnmobil-Stellplatz in der Friedrichsau: keine parzellierten Plätze, kein Stromanschluss, nur unzureichende Wasserver- und Abwasserentsorgung. © Foto: Archiv (Volkmar Könneke)
Ulm / HANS -ULI THIERER 25.11.2015
Bekommt das Oberzentrum endlich einen lange gewünschten Stellplatz für Wohnmobile? Der ideale Standort ist nahe des Freizeitbads Wonnemar zwar gefunden. Durch ist das Projekt aber noch lange nicht.

Wohnmobilisten gelten als Städtebesucher, die manchen Euro liegen lassen. Das Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm kann diese Klientel aber nur lausig bedienen (siehe Info-Kasten). Das soll sich ändern. Ulm will mit Neu-Ulm auf der Gold-Ochsen-Wiese nahe dem Freizeitbad Wonnemar eine Fläche für 50 Wohnmobil-Plätze ausweisen. Es existieren Überlegungen, eine solches Angebot zusammen mit dem Bad touristisch zu vermarkten.

Ein Wettbewerb, den sich beide Städte zusammen 25.000 Euro kosten lassen wollen, soll klären, ob sich ein privater Investor für das gesamte Projekt findet. Oder ob die Städte selber bauen für geschätzte Kosten von 600.000 Euro (Erschließung und Ausstattung) und den ausschließlich für Wohnmobile (nicht für Wohnwagen-Gespanne) ausgelegten Platz dann verpachten.

Während in Neu-Ulm der Finanzausschuss heute über den Wettbewerb entscheidet, hat der Ulmer Hauptausschuss bereits einen Beschluss gefasst. Einstimmig! Alle Fraktionen sind für diesen Standort, der außerhalb der Umweltzone liegt und für Wohnmobilisten mit älteren Fahrzeugen gut erreichbar wäre; allerdings nicht von Ulm her über die Adenauer-Brücke, weil die B 10 zur Umweltzone gehört. Das breite Reisemobilisten-Bündnis im Ulmer Rat bedeutet freilich nicht, dass der Platz bereits gebaut wäre. Zwar dringen Stadträte wie Reinhard Kuntz (FWG), selbst bekennender Wohnmobilist, auf rasche Realisierung; oder Winfried Walter (CDU) darauf, einen richtigen Campingplatz nicht aus den Augen zu verlieren. Letzteres kommt allerdings auf der Gold-Ochsen-Wiese kaum in Frage. Denn sie liegt im Überschwemmungsgebiet, das man im Fall der Fälle auch mal schnell räumen können müsste, was Wohnmobile nicht vor Probleme stellt, Camper mit Zelten ab er sehr wohl.

Es gibt weitere Schwierigkeiten. Zum Beispiel, dass das Grundstück mit einem bis 2031 gültigen Erbbaurecht belegt ist, das die Stadt Neu-Ulm zu Zeiten der OB Beate Merk mit der Eigentümergemeinschaft abgeschlossen hat. Seinerzeit war in der Diskussion gewesen, dort eine Multifunktionshalle zu bauen. Der Erbbauvertrag bedeutet, dass Neu-Ulm jedes Jahr einen Pachtzins von fast 65.000 Euro für die 25.000 Quadratmeter große Wiese bezahlt. "Das ist das Bier der Neu-Ulmer. Eine Beteiligung an der Pacht kommt für mich nicht in Frage", sagte Stadtrat Timo Ried (FWG). Kämmerer Gunter Czisch: Das Thema sei Gegenstand von Gesprächen zwischen beiden Städten.

Ein Zweites: Bei aller anerkannten Notwendigkeit eines solchen touristischen Angebots, fragen sich viele Kommunalpolitiker, welcher Unternehmer bereit sein soll, solche Kalkulationen und Risiken einzugehen. Dies umso mehr, als "die Stellplätze ja auch nicht zu teuer werden dürfen", wie Helga Malischewski ( FWG) anmerkte. Andererseits fragt sie sich, ob überhaupt etwas verdient ist, wenn ein Stellplatz pro Nacht zwischen 10 und 15 Euro kosten soll, die der Ulmer Stadtverwaltung bisher vorschweben.

Nicht mal Mindeststandard

Wolfgang Dieterich, Chef der kommunalen Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH (UNT), berichtet seit Jahren von wachsendem Interesse am Städtetourismus. Er drückt sich in der Doppelstadt nicht nur in steigenden Übernachtungszahlen aus, sondern auch in verstärkter Nachfrage nach Stellplatzmöglichkeiten für Reisemobile. „Durch einen attraktiven Wohnmobilpark ließe sich das hohe Nachfragepotenzial an Touristen, die mit Wohnmobilen unterwegs sind, besser ausschöpfen“, wird Dieterich in der Drucksache für den Ulmer Gemeinderat und den Neu-Ulmer Stadtrat zitiert. Der Ulmer Wohnmobil-Stellplatz in der Friedrichsau (Parkplatz in der Wielandstraße) erfüllt nicht einmal Mindeststandards. Es gibt keine parzellierten Plätze für Reisemobile, keinen Stromanschluss, nur unzureichende Wasserver- und Abwasserentsorgung. Die Benutzung des Platzes ist kostenfrei, die Stadt erzielt daher keine Einnahmen. Wohnmobilisten müssen sich den Platz mit anderen Autofahrern teilen, die dort parken. Der Platz liegt in der Umweltzone, man kommt also nur mit grüner Plakette auf ihn, die aber so manches ältere Wohnmobil nicht hat. Trotz aller Unzulänglichkeiten nutzen jährlich nach UNT-Schätzungen 20 000 Gäste das Stellplatz-Angebot in der Au. Nach Hochrechnungen lassen sie beim örtlichen Handel, in der Gastronomie und in Freizeiteinrichtungen brutto rund 600 000 Euro liegen. Mit mehr Komfort für Wohnmobilisten wäre nach UNT-Einschätzungen eine deutlich höhere Wertschöpfung zu erzielen. Die hiesigen Touristiker arbeiten mit ihren oberschwäbischen Kollegen projektbezogen zusammen, unterstützt von den dortigen Reisemobilherstellern Hymer, Carthago und Dethleffs.

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