Stadt am Rand Wenn die Post putzt

Ulm / Chirin Kolb 11.09.2018

Es war eine reizende Idee, auf die Klappe am Einwurf des Briefkastens „nur Liebesbriefe“ zu schreiben. Wer will schon immer nur Rechnungen, Mahnungen, Werbung kriegen! Schade nur, dass irgendwer auch mehr oder weniger blöde Sprüche auf den gelben Kasten vor dem Mieterverein im Fischerviertel gekritzelt hat. Und auf seinen unscheinbaren grauen Nachbarn gleich auch noch. Der Mieterverein jedenfalls störte sich an den Schmierereien und bat die Post, einen Putztrupp zu schicken. Wohlgemerkt für beide Kästen, denn der graue wird ebenfalls von der Post genutzt, berichtet der Mietervereinsvorsitzende Martin Rivoir. Briefträger, so hat er beobachtet, lagern dort auf ihrer Runde ihre schwere Fracht zwischen.

Zwei Wochen später hatte die Post ganze Arbeit geleistet – allerdings nur halb. Rivoir entdeckte eines Morgens einen blitzsauberen, sattgelb strahlenden Briefkasten vor dem Haus in der Fischergasse. Nicht das kleinste Schnörkelchen deutete mehr auf die Schmierereien hin. Der Briefkasten war porentief rein. Auch der Schriftzug „nur Liebesbriefe“ an der Klappe war verschwunden. Irgendwie verständlich, schließlich will sich die Post sicher nicht das eigene Geschäft kaputt machen.

Der graue Kasten nebenan blieb jedoch ungeschrubbt und dreckig. Für den fühlte sich der Post-Putztrupp offenbar nicht zuständig. Schade, denn die Hässlichkeit sticht jetzt umso mehr ins Auge.

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