Wenn der Cellist den Pianisten überflügelt

JÜRGEN KANOLD 08.06.2013
Das Zelt ist immer auch gerne Varieté-Bühne: Die beiden Musikclowns von "Duel" erfreuten das Publikum mit einem sehr komischen Crossover.

Erst schmachten die beiden Musiker Lionel Richies "Say You, Say Me", dann tanzt Laurent Cirade ziemlich verliebt umarmend mit seinem Cello über die Bühne, schon kreischt eine Geige in Windeln, die der Übles riechende Pianist Paul Staicu im Flügel entsorgt. Die Geige ist offensichtlich ein Kind des Cellos, wird von Cirade entsprechend traktiert und besitzt Cello-familiär unten auch einen Stachel, womit das Geschlecht des Instruments geklärt wäre: "O, its a boy!"

Da waren am Donnerstagabend im voll besetzten Ulmer Zelt zwei Komiker auf der Bühne, klassisch ausgebildet und auf der ganzen Klaviatur der musikalischen Unterhaltung spielend: vom groben Spaß bis zum Dada-Slapstick, laut, skurril, auch mit feinen Pointen. "Duel" heißen die Beiden. Der Franzose Laurent Cirade am Cello ist eine klotzig-naturwüchsige Hemingway-Persönlichkeit, kann fies zwinkern und auch rau und versoffen "My Funny Valentine" singen. Der Rumäne Paul Staicu an Klavier ist ein chaplineskes, schmächtiges Schlitzohr. Aber was heißt das schon: Staicu sägt auch gern mit am Cello, und Cirade greift in die Tasten - schließlich gehts bei diesem Duo nicht ums Duett, sondern ums Duell.

Ein schriller, schräger, auch ein origineller Wettkampf: wenn sie sich zum Beispiel mit dem Strauß-Walzer "An der schönen blauen Donau" am Flügel zu überflügeln versuchen, wenn die Akteure mit einer Hotel-Klingel taktgenau den musikalischen Fluss forcieren und schließlich mit Tröten den Gegner niederringen. Und da traten im Zelt auch nicht einfach zwei Kammermusiker an, die Chopin oder Mozart anhimmelten. Auf teils abstruse Art parodierten sie ebenso die Rock-und-Pop-Geschichte.

Sehr lustig, dieses "Duel"-Varieté. Der Hörgenuss allerdings blieb wegen mäßiger Elektro-Akustik begrenzt. So virtuos Cirade den Bogen raus hatte, Papa Cello tönte heiser säuselnd, als hätte er die Nacht durchzecht.