Ulm Wenn das Morgengeläut verschläft

An den Betglocken liegt es nicht - weder an der kleinen noch an der großen (im Bild), dass sie zur falschen Uhrzeit läuten. Der Fehler liegt in der elektronischen Programmierung. Archivfoto
An den Betglocken liegt es nicht - weder an der kleinen noch an der großen (im Bild), dass sie zur falschen Uhrzeit läuten. Der Fehler liegt in der elektronischen Programmierung. Archivfoto
Ulm / VERENA SCHÜHLY 08.08.2012
Blitzeinschlag mit Folgen: Seit dem Unwetter Ende Juni ist die Glockenordnung im Münster in Unordnung. Das Morgengeläut ist zu spät.

Heidenblitz nochmal! Dieser Ausdruck des Erstaunens ist einigen Innenstadtbewohnern in den vergangenen Wochen in den Sinn gekommen. Besonders denjenigen, die sich bislang zeitlich am Morgengeläut des Münsters um 6.30 Uhr orientiert haben. Denn seit einiger Zeit fehlt diese Orientierungsmöglichkeit: Um halb sieben tönt kein Laut vom Münsterturm, stattdessen bimmelt es um halb acht.

Warum das so ist? Auf diese Frage wusste Münsterpfarrerin Tabea Frey am Montag nicht nur keine Antwort, sondern es war ihr und auch niemand anderem in der Münstergemeinde überhaupt aufgefallen. Also ist die Theologin gestern Morgen zeitig aufgestanden, um selbst bewusst zu lauschen. Und tatsächlich: Das Morgenläuten erklingt eine Stunde zu spät. Es verschläft sozusagen.

Als das Problem offenbar geworden war, dauerte die Ursachenforschung nicht lange: Bei dem gewaltigen Unwetter am 30. Juni waren nicht nur Teile des Dachs abgedeckt worden, sondern es hatte auch der Blitz eingeschlagen. "Er hatte die Glockenanlage getroffen und die Elektrik komplett außer Kraft gesetzt. Wir mussten das Geläut neu programmieren lassen", erklärt Tabea Frey. Dabei ist wohl der Fehler passiert. "Wir werden das natürlich in den nächsten Tagen reparieren lassen", verspricht die Münsterpfarrerin. Damit die Läuteordnung wieder stimmt. Die sieht vor, dass die kleine Betglocke um 6.30 Uhr drei Minuten zum Morgengebet läutet, die große Betglocke nach dem 12-Uhr-Stundenschlag zum Mittagsgebet und wiederum die Kleine zum Abendgebet - wobei hier eine zeitliche Verschiebung im Plan vorgesehen ist: im Sommer um 20 Uhr, im Winter um 19 Uhr.

Das mehrstimmige Geläut zu den Gottesdiensten, zu denen die neun Münsterglocken unterschiedlich eingesetzt werden, ist so kompliziert, dass es nicht eigens programmiert wurde. Der Mesner schaltet die Glocken per Hand von der Sakristei aus nach Plan an.

In diesem Jahr hat - trotz Blitzschutzanlage - schon dreimal der Blitz ins Münster eingeschlagen. "Dann gibt es meistens irgendwelche Schäden an der Elektrik oder an der Telefonanlage", berichtet Pfarrerin Frey. Heidenblitz nochmal!

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