Region / Von Franz Glogger

Die Zahl aller Verkehrsunfälle ist vergangenes Jahr im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm erstmals seit 2014 wieder zurückgegangen. Das berichtete Leiter Christian Nill am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zur Verkehrssicherheit in der Region.

Doch zufrieden ist der Polizeipräsident nicht, denn die Abnahme ist allein weniger Unfällen mit Sachschaden und Kleinstunfällen zu verdanken. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten dagegen stieg um fünf Prozent auf 3038. Hierbei trugen 4072 Menschen einen körperlichen Schaden davon, ebenfalls fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Allein zufriedenstellend ist der Rückgang der Zahl der Verkehrstoten, der nun schon seit Jahren anhält. Waren 2010 im Bereich des Polizeipräsidiums noch 52 Tote zu beklagen, starben vergangenes Jahr 41 Verkehrsteilnehmer. Besonders stark betroffen ist der Landkreis Biberach mit 18 Getöteten. Es folgen der Alb-Donau-Kreis mit acht, Göppingen mit sechs und Heidenheim mit zwei Toten. Im Stadtkreis Ulm gab es drei Verkehrsopfer und vier auf den Autobahnen A 8 und A 7.

Ursache der Unfälle

Die Ursachen in allen Details auszumachen sei aufgrund des „sehr komplexen“ Verkehrsaufkommens sehr schwierig. In einigen Bereichen sehen Nill und der Leiter der Verkehrspolizeidirektion Manfred Burger aber klare Tendenzen. Für den Polizeipräsidenten haben drei Dinge überhaupt keinen Platz im Straßenverkehr: Alkohol, Drogen und Eile.

Motorrad- und andere Zweiradfahrer

Burger legte sein Augenmerk auf die Zweiradfahrer, vom Biker mit 100 PS und mehr unterm Hintern bis zum Pedelec fahrenden Senior. Sorge bereitet ihm die Zunahme der tödlichen Unfälle von 10 auf 14. Einen besonders starken Anstieg gab es bei den Unfällen mit Pedelecs, die Anzahl stieg um ein Drittel auf 117 an. Als Ursache machten Burger und Nill eine Gemengelage aus. Sowohl der Anteil der Senioren als auch der der Pedelecs steigt, allgemein werde das Fahrrad als Verkehrsmittel neu entdeckt, und der vergangene warme Sommer lockte viele hinaus.

Die Folge: Wo mehr Zweiräder unterwegs sind, passieren mehr Unfälle. Für Burger ein Anlass an das Tragen eines Helms zu erinnern: „Zweiradfahrer haben keine Knautschzone.“

Senioren im Fokus

Speziell an die Pedelec fahrenden Senioren gerichtet ist die Mahnung, dass die schnelleren Fahrzeuge entsprechend Konzentration, Reflexe und einen sicheren Umgang mit der Technik erforderten. Alles Eigenschaften, die im Alter nachlassen. Da auch die von motorisierten Senioren verursachten Unfälle mehr werden, kündigte Nill an, dass die Polizei verstärkt ein Augenmerk auf die Verkehrstüchtigkeit legen wird: „Wir machen keine Jagd auf Senioren. Aber es ist wichtig, dass sie auch zum Fahren geeignet sind.“

Kontrolle: Gurt, Handy Alkohol und Drogen

Weitere Schwerpunkte des Polizeipräsidiums sind gezielte Überwachung an unfallträchtigen Strecken, der Start der Motorradsaison, Überwachung der Gurtpflicht, Handyverbot am Steuer und weiter Alkohol- und Drogenkontrollen. Dabei setzt die Polizei auf eine Mischung aus Information, Aufklärung und Sanktion. „Wir wollen die schweren und schwersten Ursachen drücken. Damit sich die Menschen in der Region auch im Straßenverkehr sicher fühlen“, sagte der Polizeipräsident.

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