Nahverkehr Weniger Platz für Busse am Ulmer ZOB

Wie groß soll der ZOB künftig werden, wenn die Bauzäune weg sind? Das entscheidet der Gemeinderat im Herbst.
Wie groß soll der ZOB künftig werden, wenn die Bauzäune weg sind? Das entscheidet der Gemeinderat im Herbst. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Chirin Kolb 31.08.2018

Es war das kommunalpolitische Streitthema schlechthin im Herbst 2017, und nun, ein Jahr später, könnte die Auseinandersetzung erneut aufflammen. Die Ulmer Stadträte sollen in wenigen Wochen eine Entscheidung über den künftigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) treffen. Die scheinbare Ruhephase dazwischen wurde von der Stadtverwaltung für weitere Untersuchungen, Verkehrszählungen und Planungen genutzt. Das Ergebnis ist dasselbe wie vor einem Jahr: Die Stadt ist überzeugt, dass der ZOB verkleinert werden kann.

Die städtischen Verkehrsplaner gehen davon aus, dass künftig zehn Bussteige ausreichen, jeder 18 Meter lang – die IHK fordert mehr als doppelt so viele, aber kürzere. Die Zahl der Bus­steige sei nicht entscheidend für das Funktionieren des ZOB, sagt der städtische Verkehrsplaner Torsten Fisch. Der neuralgische Punkt liegt woanders: an der Ausfahrt, „das ist die Achillesferse“.

Auch für die Stadt sei klar: Der künftige ZOB müsse voll funktionsfähig sein. Für die Fahrgäste soll er möglichst viel Komfort und Sicherheit bieten. Dazu zähle, dass die Buslinien bestimmten Bussteigen zugeordnet sind und die Fahrgäste wissen, wo „ihre“ Linie abfährt. Zudem müssten die Wege vom und zum Bus sicher sein, dürften sich also Fußgänger und ein- oder ausfahrende Busse nicht in die Quere kommen.

Die Stadtverwaltung holte sich für die Konzeption des ZOB externen Sachverstand. Das Aalener Verkehrsplanungsbüro Brenner simulierte den künftigen Betriebsablauf. Als Grundlage gab die Stadt vor, dass jeder Bus fünf Minuten lang am Bussteig stehen bleiben kann: zum Aussteigen der Fahrgäste, Einsteigen und als Zeitpuffer. Das Ergebnis fasst Fisch so zusammen: „Es funktioniert.“ In fast der Hälfte aller Fälle blieben sogar Bussteige frei.

Allerdings gebe es problematische Phasen. Wenn zu den Spitzenzeiten des Schülerverkehrs morgens, mittags und abends viele Busse gleichzeitig den ZOB anfahren, wird es eng. Vor allem an der Zu- und Abfahrt. Die städtischen Verkehrsplaner wollen diese Probleme in den Griff kriegen. Fisch sagt aber auch: „Wir können die Infrastruktur nicht an den Spitzenzeiten bemessen.“ Das sei im Verkehr nicht möglich, denn sonst dürfte es nie Stau geben.

Ausfahrt Die Zufahrt müsse auf jeden Fall zweispurig sein, die Ausfahrt ebenfalls. Über Ampelschaltung und Verkehrsregelung soll am Flaschenhals Ausfahrt zudem sichergestellt werden, dass sich die Busse einerseits nicht in den ZOB zurück stauen, sich andererseits bei der Ausfahrt aber nicht mit dem Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße samt Straßenbahn ins Gehege kommen.

Fahrpläne Selbst zu Stoßzeiten müssten nicht so viele Busse gleichzeitig ankommen wie derzeit, meint Fisch. Fahrpläne könnten entzerrt werden. „Nach Blaustein fahren jetzt zum Teil drei Busse gleichzeitig am ZOB ab.“ Sie splitteten sich erst in Blaustein in drei Richtungen auf.

Linienführung Nicht jede Regionalbuslinie müsse zwangsläufig am ZOB enden. Fisch könnte sich vorstellen, dass gerade im Schülerverkehr mancher Bus seine Endhaltestelle am Ehinger Tor hat. Schüler, die auf den Kuhberg wollen, könnten dort in die Straßenbahn umsteigen.

Bahnverkehr Die Planer sind überzeugt davon, dass sich durch den Bahn-Haltepunkt Merklingen und die Regio-S-Bahn in Zukunft auch der regionale Busverkehr verändern wird. Dann würden weniger Busse am ZOB ankommen – trotz wachsender Einwohner- und damit auch Fahrgastzahlen.

Nachziehplätze Die städtischen Planer sehen vier so genannte Nachziehplätze vor für Busse, die auf ihre nächste Fahrt warten. Dauert die Pause allerdings länger als eine halbe Stunde, sollen die Busfahrer anderswo warten.

Entscheidung über ZOB im Herbst

Gemeinderat Die Stadträte werden sich im Herbst im zuständigen Ausschuss mit den Plänen für den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) befassen. Sie sollen dann zwar über Größe und Zufahrten entscheiden, nicht aber über einen von Baubürgermeister Tim von Winning gewünschten Neubau als südliche Begrenzung des Bahnhofplatzes. Zunächst geht es nur darum, den ZOB so zu dimensionieren, dass eine spätere Bebauung möglich ist.

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