Ulm IHK-Studie: Weniger Passanten in der City

Blick in die Hirschstraße: Hier waren wegen der Baustellen weniger Shopping-Bummler unterwegs.
Blick in die Hirschstraße: Hier waren wegen der Baustellen weniger Shopping-Bummler unterwegs. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Frank König 11.10.2018
Eine neue IHK-Studie ermittelt einen Rückgang der Passanten um fast ein Viertel. Davon profitieren kleinere Städte in der Region.

Von der schlechteren Erreichbarkeit Ulms wegen der Baustellen profitieren in der Region Städte wie Biberach, Ehingen, Laichingen, Laupheim, Weißenhorn und Senden. Das ist das Fazit des dritten Handelskompendiums der IHK Ulm und Schwaben (Augsburg).  Demnach geht die Frequenz in der Ulmer City gegenüber 2013 um 24 Prozent zurück, während beispielsweise Illertissen um 44 Prozent zulegen konnte. So wurden in Ulm bei der Hirsch-Apotheke zuletzt 5207 Passanten statt 6835 im Spitzenwert gemessen. Auch Immobilien-Spezialist Jones Lang Lasalle hatte, wie berichtet, Frequenzverluste für die Innenstadt ermittelt.

Für die Kammer in Ulm sagte Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle, es würden zwar vielfach „Abgesänge“ auf die Innenstädte angestimmt, aber es handle sich um das Herz einer Kommune: „Hier schlägt der Puls der Stadt.“ Dazu brauche es nicht nur Gastronomie, sondern attraktive Läden. Vor allem Geschäfte ziehen aus Sicht des IHK-Handelsexperten Josef Röll die Stadtbummler an. Beide werteten eine Studie der Unternehmensberatung PWC als erfreulich, nach der nun 59 Prozent der Konsumenten im stationären Handel  kaufen, während es zuvor nur 46 Prozent waren.  Das könne eine Trendwende zu Lasten von Online-Shops bedeuten. Speziell in Ulm seien jedoch auch die fehlenden Parkplätze der alten Sedelhof-Tiefgarage vorerst Teil der mangelhaften Erreichbarkeit. In einer IHK-Standortumfrage im Bezirk des Regierungspräsidiums bilde Ulm-Mitte-Ost bei Parkplätzen das Schlusslicht.

Guter Branchenmix in Ulm

Erfreulich für die Einkaufsstadt Ulm bleiben gleichwohl die Werte für den Branchenmix mit dem regional höchsten Anteil an Mode, Schuhen und Sport sowie einer weiter geringen Leerstandsquote von vier Prozent. Regional muss Weißenhorn einen hohen Verlust bei der für Shoppingkunden wichtigen Modebranche hinnehmen. Die Leerstandsquote erreicht in Blaubeuren mit 17 Prozent den zweitschlechtesten Wert vor Riedlingen. Röll betrachtet freilich auch die Umwidmumg von Läden wie in Versicherungsbüros als verdeckte Leerstände. Er forderte mit Sälzle eine rasche Aufwertung der Fußgängerzone Bahnhof- und Hirschstraße: um einen nahtlosen Übergang zu den modernen Sedelhöfen zu schaffen. Sälzle nannte dem Zustand der Einkaufsmeile „deutlich verbesserungsfähig“, vor allem mit Blick auf den Bodenbelag. Dies würden auch Ulm-Besucher feststellen, wenn sie nach Eröffnung der Sedelhöfe 2020 durch das neue City-Tor gehen.

13 Prozent kaufen im Internet

Mit Blick auf den City-Dialog erwartet die IHK von der Kommunalpolitik Verbindlichkeit. Von der Möglichkeit zur Mitwirkung am Bahnhofsvorplatz sei praktisch nichts übriggeblieben.

Bei der Betrachtung der Region ging es auch um aufstrebende Städte wie Erbach und Langenau, in denen die Frequenz ebenfalls rückläufig war. Röll begründete dies bei Erbach damit, dass sich das Geschehen zunehmend in die Supermärkte am Ortsrand verlagere. Die Fortführung von Wollschacht sei ein Glücksfall. Langenau stelle kein echtes Problem dar. Für die IHK Schwaben machte Franziska Behrenz in Illertissen den Umbau des Marktplatzes mit Stellplätzen im Umfeld für den Aufschwung verantwortlich. Für Neu-Ulm gibt es keine neue Passantenzählung, aber eine hohe Leerstandsquote von 13 Prozent.

 Die Studie legt 13 Prozent als Anteil der Einkäufe im Internet zugrunde. Dies führt dazu, dass alle Städte mit einer so genannten Zentralitätskennziffer unter 113 einen Kaufkraftabfluss erleiden. Die Zentralität ist in Senden mit rund 300 am höchsten, Ulm bleibt mit 139 nach 148 auf Platz fünf über der kritischen Linie.

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536 Ladengeschäfte

Handel In der Ulmer Innenstadt gibt es nach Erkenntnissen des Handelskompendiums 536 Läden, der Filialisierungsgrad beträgt 24 Prozent. Dazu kommen 74 Restaurants sowie 75 Cafés und Bars plus 10 Spielhallen. Verkaufsfläche pro Einwohner: 2,66 Quadratmeter, bundesweit: 1,45 Quadratmeter. Verkaufsfläche in Senden pro Einwohner: 6,85 Quadratmeter.

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