Weltweit einmalige Stücke

Ist von den afrikanischen Gewändern in Weickmanns Wunderkammer begeistert: die US-Historikerin Colleen Kriger. Foto: Hannes Mohr
Ist von den afrikanischen Gewändern in Weickmanns Wunderkammer begeistert: die US-Historikerin Colleen Kriger. Foto: Hannes Mohr
HANNES MOHR 05.10.2012
Weickmanns Wunderkammer ist nicht nur die Keimzelle des Ulmer Museums, sie ist auch eine wahre Schatzkammer. Eine US-Historikerin untersuchte dort jetzt eine Woche lang afrikanische Gewänder.

Professor Colleen Kriger ist begeistert. Für die US-amerikanische Historikerin sind die beiden afrikanischen Roben aus der Sammlung des Ulmer Patriziers Christoph Weickmann schlicht einmalig. "Diese Kleidungsstücke aus dem 17. Jahrhundert schließen eine wichtige, zeitliche Lücke in der kulturhistorischen Forschung über Afrika", sagt sie. Etwas Vergleichbares gebe es auf der ganzen Welt nicht noch einmal, ist sie sich sicher. Das ist auch der Grund, weshalb sie den weiten Weg von North Carolina bis nach Ulm auf sich genommen hat. Und ganz nebenbei: "Ulm ist eine wunderschöne Stadt."

So perfekt erhaltene Gewänder wie die Roben im Ulmer Museum, seien für ihre Forschung besonders wichtig. Oftmals blieben von archäologischen Ausgrabungen nur Fragmente von Kleidungsstücken übrig. "In Afrika haben die Menschen zu dieser Zeit nicht geschrieben, konnten also auch nicht ihre Geschichte schriftlich festhalten", sagt sie. Deshalb müsse sie die Geschichte aus den Gegenständen herauslesen. Eine schwierige Aufgabe - "und eine, die Spaß macht", sagt Colleen Kriger und lacht.

Eine Woche lang hat sie die beiden Roben genau unter die Lupe genommen. "Dabei bin ich auf jede Menge Details gestoßen, die mir bei der Betrachtung der bloßen Fotografien bisher verwährt geblieben waren." Das Besondere sei das Material: Baumwolle. Europäische Kleidung bestand damals aus Leinen und Schafswolle. Die Afrikaner haben im 17. Jahrhundert daraus schon edle Gewänder gezaubert. "Während Baumwolle durch die Sklaverei später in westlichen Ländern sehr günstig war, blieb sie in Afrika ein teures Gut", sagt Kriger, die an der Universität von North Carolina lehrt.

Im Ulmer Museum gibt es eine einfach und eine aufwendig gefertigte Robe. Die Aufwendige, hat Kriger bei ihrer Untersuchung herausgefunden, ist aus über 60 Einzelteilen genäht. Der Stoff ist mit einer besonderen Technik bearbeitet, damit er glänzt. Das macht ihn widerstandsfähig gegenüber Staub, Sand und Sonne - "die erste technische Outdoorbekleidung sozusagen". Der einstige Besitzer der Roben, Christoph Weickmann, überlieferte damals zwar, dass eine Robe einem König, die andere einem Krieger gehörte. Doch welche wem zugeordnet ist, sagte er nicht. Kriger konnte nun eine seit langem im Raum stehende Vermutung bestätigen. "Die aufwändigere Robe gehörte eindeutig einem König", sagt sie. Das habe sie anhand ihrer bisherigen Forschungen und den Merkmalen an diesem Gewand sehr deutlich zuordnen können.

Auch Esther Siegmund-Heineke vom Ulmer Museum unterstreicht den Wert der Roben. "Ungefähr zweimal im Jahr bekommen wir eine Reproduktionsanfrage von anderen Museen", sagt sie. Die Gewänder seien mittlerweile weltberühmt. "Doch so genau wie Professor Kriger hat sie noch kein Forscher untersucht", sagt Siegmund-Heineke.

Krigers Ergebnisse sollen nun in ein Buch über die Geschichte des Handels an der afrikanischen Küste einfließen. "Die Roben sind so besonders, dass ich zusätzlich darüber einen ausführlichen Artikel schreiben werde", sagt die amerikanische Historikerin.