Konzert Weltklasse-Tenor Daniel Behle im Interview

Ein Tenor von Weltformat: Daniel Behle.
Ein Tenor von Weltformat: Daniel Behle. © Foto: Marco Borggreve
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 14.03.2018

Gemeinsam mit Sophie Harmsen und dem Württembergischen Kammerorchester (WKO) musizieren Sie Mahlers „Lied von der Erde“. Es ist eine kleinere Besetzung – wie verändert das Ihre Interpretation?

Daniel Behle: Gute Kammerorchester-Fassungen lassen das kontrapunktische Material besser zum Vorschein kommen als die große Orchesterfassung, wo ja viel mit dem breiten Pinsel gearbeitet wird. Wir Sänger haben dann etwas Puffer nach oben und stehen nicht ständig mit dem Riesenapparat in Konkurrenz. Wir können farbenreicher singen.

Es ist eine von Mahlers persönlichsten Schöpfungen. Wie wichtig sind Ihnen Text und Verständlichkeit?

Ich singe nicht nur Oper, sondern auch viel Lied, und Text ist für mich immer sehr wichtig. Es sollte schon mehr sein als ein Schwelgen in wunderschöner Dur-Moll-­Tonalität. Gerade im Konzert, wo wir nur stehen und es keine Inszenierung gibt, erschafft man dann eine Szene über das Wort.

Das „Lied von der Erde“ ist ein summarisches Werk, von Abschieds-Thematik geprägt. Wie nähert man sich dem als 43-jähriger Sänger?

Wenn man schon das ein oder andere erlebt hat und auch schon mal Abschied genommen hat, dann hat man einen bestimmten Blick aufs Dasein – und aus dieser Perspektive heraus sollte man das dann singen. Der Text hat ja auch eine Lebe-den-Moment-Philosophie, und das passt auch für einen Mitte-40er (lacht).

Sie haben 2017 in Bayreuth und mit den Berliner Philharmonikern debütiert. Nun sind Sie in Ulm . . .

Nein, halt! Wir alle lieben Schubladen, aber  wir haben in Deutschland überall ein dermaßen hohes Niveau, dass das keinen Unterschied für mich macht – ich freue mich extrem auf den Abend!

Sie komponieren auch. Wie steht das in Beziehung zu Ihrem Gesang?

Wenn ich Lieder schreibe, etwa die Hafis-Lieder oder den Ringelnatz-Zyklus, schreibe ich mir die schon in die Kehle. Was mir das Komponieren fürs Singen bringt? Eine gewisse Arroganz gegenüber großen Komponisten, weil die auch mal Fehler machen. Manchmal sitzt man vor einer Oper und fragt sich: Wie soll man das singen? Dann erkennt man: Der hat’s vielleicht auch nicht gewusst (lacht).

Info Daniel Behle, Sophie Harmsen und das WKO gastieren morgen, Donnerstag, 19.30 Uhr, im Kornhaus.

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