Weltklasse-Saxophonist Jo Mikovic ist tot

Einer der Großen am Saxophon: Jo Mikovic.
Einer der Großen am Saxophon: Jo Mikovic. © Foto: Pierre La Qua
HELMUT PUSCH 26.02.2014
Im Alter von 73 Jahren ist Jovan "Jo" Mikovic gestorben. Lange Zeit war Ulm der Lebensmittelpunkt des Weltklasse-Saxophonisten - auch als Musiklehrer.

Natürlich kannte jeder jazzinteressierte Ulmer Jovan "Jo" Mikovic. Nur: Mikovic war keine lokale Berühmtheit. Er war ein weltweit renommierter Musiker, der seit mehr als 30 Jahren in Neu-Ulm lebte.

Geboren wurde Jovan Mikovic 1940 in Zajecar, einer serbischen Stadt nahe der bulgarischen Grenze. Sein Vater war Geiger, und auch der junge Jovan wollte Musiker werden, begann mit sechs Jahren Geige zu spielen - nur eines von vielen Instrumenten, die der Musiker im Laufe seines Lebens perfekt beherrschen sollte. Richtig studiert hat Jovan Mikovic aber Klarinette und Geige. Schon als 17-Jähriger war er am Belgrader Konservatorium, mit 21 hatte er sein Diplom, ging auf Tournee - blieb in Frankfurt hängen, "wegen des Flughafens", erklärte er einmal: "Als Musiker ist man ja ständig unterwegs."

Nur einmal, zu Beginn der 70er Jahre, kam Mikovic nicht nach Frankfurt zurück. Beim Newport-Jazzfestival hatte Mikovic mit internationalen Stars gejammt. Hammond-Legende Jimmy Smith wollte auf dem Flughafen Mikovics Rückflug-Ticket nach Frankfurt sehen. Mikovic reichte es ihm, Smith zerriss es und gab ihm eines nach New York: Mikovic war in der Band von Smith und ein Jahr lang in den USA auf Tournee. Dabei wurde aus Jovan auch Jo. "Denn so, wie Jimmy den Namen Jovan aussprach, bedeutete das auf Serbokroatisch "Banause", also wurde daraus Jo", erzählte Mikovic einmal.

Fast 20 Jahre lang war Mikovic weltweit unterwegs, machte unzählige Plattenaufnahmen, spielte Tourneen. Anfang der 80er Jahre war Schluss: "Eines morgens wachte ich auf und wusste einfach nicht mehr, wo ich mich gerade befand. So konnte das nicht weitergehen", sagte sich der Musiker. Und als er sich nach einer Alternative für das ständige Reisen umsah, begegnete er Kreso Pascuttini, der damals Kapellmeister am Ulmer Theater war und später die Ulmer Knabenmusik dirigierte. "Den kannte ich, weil er der Dirigent meines ersten Geigenkonzertes gewesen war", erinnerte sich Mikovic. Pascuttini machte Mikovic Ulm schmackhaft, schlug ihm vor, doch als Lehrer beim Jugendmusikwerk zu arbeiten. "Ich dachte mir, ich probiere es mal für sechs Monate." Daraus wurden 34 Jahre. Mikovic holte zwar immer wieder Stars wie Charly Antolini oder Dusko Goykovich an die Donau, spielte aber auch mit Ulmer Musikern gerne zusammen. "Große Namen waren ihm nie wichtig. Wichtig war immer nur die Musik", erzählt Mikovics Witwe Jindra.

Und weil das auch für seinen eigenen Namen galt, findet man auf den Platten, auf denen er mitspielte, auch jede Menge verschiedene Schreibweisen dieses Musikers: mal Joe mit, mal ohne E, mal Mikovic, mal Mikovich, mal Mikowich. Einmalig bleibt aber sein Ton im Gedächtnis seiner Fans.

Wie erst jetzt bekannt wurde, erlag Mikovic bereits am vergangenen Freitag einem Krebsleiden. Die Trauerfeier findet am Freitag, 14 Uhr, auf dem Neu-Ulmer Friedhof statt.

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