Man will es einfach nicht glauben, wenn man mit ihm spricht: Anton Konrad feiert heute seinen 80. Geburtstag und ist geistig unfassbar fit. Wenn man mit ihm über die Bücher spricht, die er in den vergangenen 53 Jahren in seinem kleinen, aber feinen Weißenhorner Verlag veröffentlicht hat, dann merkt man: Dieser Mensch brennt immer noch für die Sache, scheint sich irgendwie an jedes Buch erinnern zu können, das im Anton H. Konrad Verlag erschienen ist. Und das sind jede Menge. Wie viele? „Wenn man seine ISBN Nummer pflegt, dann ist das ganz einfach: 580“, erklärt der Verleger, der sich auf regionale Kunstgeschichte, Heimatgeschichte, Klostermonographien und die Werke des Ursberger Religionsphilosophen Joseph Bernhart spezialisiert hat.

Auch wenn Konrad heute als Weißenhorner Institution gilt, geboren wurde er in Illertissen, wo er 1956 sein Abitur am Kolleg der Schulbrüder ablegte, obwohl seine Eltern schon 1950 nach Neu-Ulm gezogen waren. Doch Konrad wollte seine Schulkameraden nicht missen.

Seine Verlegerkarriere begann als Rettungsschwimmer: Die Wasserwacht Neu-Ulm betrieb am Roggenburger Weiher eine Rettungsstation, zu der auch Anton Konrad gehörte. Dem war der Wachdienst zu eintönig, und er erkundete das Kloster Roggenburg, war dort von Franz Martin Kuens Fresken fasziniert, recherchierte über den Maler in den Archiven des Klosters. Kuen war auch einer der Gründe, warum der junge Konrad nach seiner Lehre als Verlagsbuchhändler bei Kohlhammer in Stuttgart noch in München und Würzburg Kunstgeschichte studierte. Das Thema seiner Doktorarbeit: Franz Martin Kuen. Doch die wurde nie fertig, denn zwischenzeitlich hatte Konrad seinen Verlag gegründet. Und der ließ sich bestens an, etwa mit dem erfolgreichen Band „Ulm in alten Ansichten“ von Max Schefold und Helmut Pflüger.

Die Doktorarbeit von einst

Jetzt sitzt Konrad wieder an dieser Arbeit und ist froh darüber, dass seine Handschrift so leserlich ist. „Eine Doktorarbeit wird das allerdings nicht mehr“, sagt der Verleger, wohl aber eine Kuen-Monografie. Den kunsthistorischen Teil schreibt Matthias Kunze, der als Weißenhorner Museumsleiter in Konrads Fußstapfen getreten ist. Konrad wird das Werkverzeichnis und den biografischen Teil übernehmen. Und erscheinen wird das Ganze natürlich im Anton H. Konrad Verlag, dessen praktische Leitung vor zwei Jahren Konrads Sohn Christoph übernommen hat.

Eine mutige Entscheidung, sagt der Vater. Denn er weiß, wie sehr sich die Lage für kleine Verlage verändert hat. „Früher hatte jedes Universitätsinstitut eine Bibliothek. Alleine in München war damit der Absatz von mindestens sechs Exemplaren gesichert. Dann haben die Unis auf Fakultätsbibliotheken umgestellt, heute bestellen sie noch ein Exemplar für die Universitätsbibliothek.“ Wenn sich das Urheberrecht noch weiter verschlechtert, alles Gedruckte digitalisiert wird, dann habe die ganze Welt darauf Zugriff. Das sei das Ende kleiner Verlage. Aber nicht nur das, viele interessante Bücher würden dann gar nicht mehr entstehen.