Essen & Trinken Ulmer Weinfest: Vielfältige Weine und viel zu Essen

Ulm / Christine Liebhardt, Hans-Uli Mayer, Edwin Ruschitzka 09.08.2018
Das Ulmer Weinfest hat Flair, die angebotenen Weine sind vielfältig und die Essensangebote von unterschiedlicher Qualität.

Das Weinfest auf dem südlichen Münsterplatz ist ein Magnet. Allabendlich treffen sich dort bei gutem Wetter Tausende auf ein Glas Wein – beziehungsweise auf eine Flasche. Sie essen und lassen den Tag unterm Münster gemütlich ausklingen. Drei Gastronomen organisieren das Weinfest: der Caterer Michael Speiser, Michael Freudenberg vom „Wilden Mann“  und Oliver Loser vom „Gasthaus zur Brezel“. Jeder steht für sein eigenes Thema, alle zusammen für die Idee: Weine gibt es offen oder flaschenweise. Drei Redaktionsmitglieder haben sich unter die Gäste begeben, selbst geschlemmt. Sie schildern ihre individuellen Eindrücke

Häppchen für Zwischendurch

Spanisch-italienisches Flair verspricht die Karte von Michael Speiser. Er hat 18 offene Weine und 21 nur in Flaschen im Angebot. Aus sentimentalen Gründen – die Autorin lebte als Studentin eine Zeit lang in Valencia – widmen wir uns erst einmal der auf den Namen dieser Stadt lautenden Käse-Selektion. Die Bestellung wird freundlich und ebenso hurtig aufgenommen wie gebracht: Viel ist nicht los am Montag, was das Sit-in im warmen Abendlicht umso gemütlicher macht. Das Tapas-Brettchen für knapp 11 Euro ist hübsch angerichtet, Manchego- und Ibericokäse sind geschmacklich aber kaum voneinander zu unterschieden und ebenso mild wie der Ziegenkäse. Die Hartkäsewürfel schmecken nach Emmentaler, der Kräuterdip lecker nach Knoblauch, die Oliven nach gar nichts.

Milde Aperitifs und vielfältige Weine

Angetan sind wir von den angenehm milden Aperitifs (je 5,20 Euro): Der Rosato Sprizz duftet nach Pflaume, die Kombination Prosecco-Basilikum im Basili Sprizz funktioniert hervorragend. Die Weine sind absolut in Ordnung, der Carrasvinas (5,40 Euro) überzeugt noch einen Ticken mehr als der etwas flachere Larrua (4,80 Euro). Schade ist, dass es die besseren Weine bei Speiser nur als ganze Flasche gibt. Und schade, um nicht zu sagen richtig ärgerlich ist auch, dass auf dem vegetarischen Flammkuchen (8,50 Euro) mehrere Stückchen Pancetta herumirren. Ganz abgesehen davon, dass eigentlich der Schafskäse-Flammkuchen bestellt war. Vielleicht kam das Essen deshalb so rasend schnell. Zum Schluss gibt’s noch ein Crêpe mit Kinderschokolade (4,50 Euro) – eine grandiose Idee, die leider in der Ausführung am zähen Teig scheitert. Etwas besser ist das Erdbeer-Tiramisu im Gläschen (4,90 Euro), das zwar wenig mit Tiramisu zu tun hat, als Dessert aber dank des frischen Fruchtmarks dennoch Anklang findet.

Großes Angebot

Edle Tropfen aus der Schatzkiste bietet der ungekrönte Weinkönig des Ulmer Weinfests an, Michael Freudenberg. In den letzten elf Jahren, seit es das Fest gibt, hat er sich nach eigenen Worten ein beachtliches Weinwissen angeeignet und eine ausgesprochene Vorliebe für deutsche Weißweine entwickelt. Entsprechend groß ist bei ihm die Karte, auf der 14 offene und 40 Flaschenweine stehen: mit einem Schwerpunkt bei deutschen Weißweinen. Achtel werden leider nicht ausgeschenkt. Zu seinen Favoriten gehört das Weingut von Emil Bauer aus der Pfalz, das seinen Weinen so ausgefallene Namen gibt wie „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ (27 Euro die Flasche), „Scheu aber Geil“ (27 Euro) oder „Sky and Sand“ (33 Euro). Einer von Freudenbergs Lieblingsweinen kommt aber vom Weingut Hensel und Schneider und heißt „Hensel und Gretel“ (33 Euro), auch aus der Pfalz.

Empfehlungen vom Chef und Personal

Wer auf der Karte nichts findet, kann sich an den Chef wenden, der seine Schatzkiste öffnet, in der nochmals 50 verschiedene Posten sind. Das Personal ist freundlich und umsichtig und in einem Fall auch so ehrlich, bei Rotweinen mangels Wissen keine Empfehlung aussprechen zu können. Zum Essen gibt es Flammkuchen mit verschiedenen Belägen. Der Teig ist dünn und kross, die Flammkuchen (8,90 Euro bis 12,90 Euro) kommen frisch aus dem Ofen und reichen bei kleinerem Appetit locker für zwei. Auch die „Leckereien“ genannte Vesperteller mit Wurst und Käse sind reichlich, den Winzerteller gibt es für 11,50 Euro, die Weinbergplatte für zwei Personen für 19,90 Euro.

Brezel-Wirt Oliver Loser ist an diesem Dienstagabend nicht anwesend. Dass einige dem Wetter misstrauen, zeigen die freien Plätze. In Losers Ecke wird Alpenländisches ausgeschenkt. Es sind Weine aus Deutschland, Österreich und aus Südtirol. Was die Zahl der offenen Weine betrifft, ist Loser Tabellenführer: 30 an der Zahl, alle auch in Flaschen. Ausschließlich Flaschenweine gibt es bei ihm nicht.

Essen? Ja, aber was?

Es ist 18.20 Uhr, die freundliche Bedienung nimmt die Bestellung auf: eine Portion Hirschedelgulasch mit Waldpilzen, Preiselbeeren und hausgemachten Riesensemmelknödel (11,90 Euro). Dazu würde eigentlich ein roter Spätburgunder, Lagrein oder Zweigelt passen. Aber der Gast will einen weißen Chardonnay aus der Südtiroler Weinkellerei Kurtasch (5,70 Euro), der laut Beschreibung trocken, frisch, fruchtig sein soll. Stimmt. Genau richtig temperiert, schmeckt auch er zum Gulasch.

Drei Minuten nach der Bestellung stehen Wein und Gulasch auf dem Tisch. Respekt, das geht fix! Der Knödel ist heiß und dampft beim Auseinanderreißen. Das Gulasch selbst ist eher lauwarm. Es schmeckt durchaus, aber beim Fleisch wechseln sich butterzarte und sehr kau-intensive Stücke ab. Sprich: Es ist zum Teil von Flachsen durchzogen und macht weniger Spaß. „Ist alles in Ordnung“, fragt die aufmerksame Bedienung. „Ja“, sagt der Gast, „nur das Fleisch ist zum Teil schon etwas zäh.“ Sie will es in der Küche melden.

Keine 20 Minuten später ist das Gulasch vertilgt, das Glas Wein ausgetrunken. Die Rechnung wird präsentiert. Und der neugierige Gast fragt nach: „Hat die Küche was zum zähen Fleisch gesagt.“ Die Bedienung stutzt und erinnert sich: „Ja“, sagt sie, „beim nächsten Mal wird’s besser sein.“ Und der Gast überlegt, ob er doch besser die Schlutzkrapfen (9,80 Euro) oder die Tiroler Käsespätzle (8,70 Euro) hätte bestellen sollen? Beim nächsten Mal.

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Das Ulmer Weinfest

Reservierungen Das Ulmer Weinfest auf dem südlichen Münsterplatz ist noch bis einschließlich 25. August geöffnet: Montag bis Freitag von 17 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 23 Uhr. Abends können bei gutem Wetter Reservierungen nützlich sein. Wirtshaus zur Brezel (0731) 14 08 90, Speiser Event (07308) 923 32 45 und Wilder Mann (0151) 52 87 89 59.

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