Weihnachtsbaum, Adventskranz und Krippe - diese Weihnachtsbräuche kennt ihr mit Sicherheit. Doch könnt ihr auch mit Begriffen wie „Christbaumloben“, „Pfeffern“ und „Klöpfelnächte“ etwas anfangen? Wir haben die kuriosesten Weihnachtsbräuche für euch zusammengesucht und stellen sie euch in absteigendem Bekanntheitsgrad vor.

Heiliger Morgen

Der Heilige Morgen ist ein recht bekannter Brauch. Man trifft sich am Morgen des Heiligen Abends in teilnehmenden Lokalen mit Freunden, die man ein ganzes Jahr nicht gesehen hat. Dieses Wiedersehen wird mit einer angemessen Menge Alkohol begossen. Auch in Ulm, Göppingen, Esslingen und Reutlingen könnt ihr eure Bekannten aus der Heimat am Heiligen Morgen auf einen Umtrunk treffen.

Das Christbaumloben

Das Christbaumloben beginnt je nach Region am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag und kann bis zum 6. Januar praktiziert werden.

Dabei gehen in der Regel Gruppen durch die Nachbarschaft und bestaunen die geschmückten Weihnachtsbäume. Wichtig dabei: loben, loben, loben! Egal, ob der Baum nun wirklich schön ist oder nicht, jedes Merkmal wird mit übertriebener Begeisterung in den Himmel gelobt. Und wenn die Tanne etwas schief gewachsen oder mit nur wenigen Ästen bestückt ist, wird eben hervorgehoben, wie gut die neue Wohnwand dadurch zur Geltung gebracht wird. Als Belohnung serviert der Gastgeber einen Schnaps und zieht umgekehrt den Nutzen daraus, dass endlich Omas alter Himbeergeist von anno Dazumal wegkommt. Die guten Schnäpse werden bei solchen Anlässen nämlich eher nicht herausgeholt.

Das Christkindle-Ralassa

Am 24. Dezember versammelt sich alljährlich die Biberacher Gemeinde auf ihrem Marktplatz, um das traditionelle „Christkindle-Ralassa“ zu sehen, das sich bis ins Jahr 1820 zurückverfolgen lässt. Mehrere Kapellen spielen gemeinsam Weihnachtslieder, alle Lichter am Marktplatz werden gelöscht. Wenn das Lied „Stille Nacht“ erklingt, wird das Christkind, eine Arbeit des Bildhauers Georg Lesehr aus den Jahren 1959/1960, feierlich beleuchtet von den Gutermann’schen Häusern heruntergelassen und Mitglieder des Hospitalrats verteilen Lebkuchen.

Das Bärbele- und Klausentreiben

Dieser Brauch wird vor allem im Oberallgäu praktiziert. Das Bärbeletreiben findet am 4. Dezember statt, dem Namenstag der heiligen Barbara. Unverheiratete junge Frauen und Mädchen ziehen mit Masken und Besen durch die Straßen. Oft tragen sie dabei alte Schürzen und Kopftücher ihrer Großmütter oder Urgroßmütter. Durch den geräuschvollen Umzug vertreiben die Frauen die Geister und Dämonen der dunklen Jahreszeit.

Zwei Tage später sind dann beim Klausentreiben die ledigen Männer und die Buben dran. Verkleidet und vermummt mit Fellen, Hörnern und Ketten oder Glocken ziehen sie mit großem Radau durch den Ort und schlagen symbolisch die Schaulustigen am Straßenrand. Auch sie sollen die bösen Geister des Winters in die Flucht schlagen.

Beim Klausentreiben vermummen sich die unverheirateten jungen Männer und ziehen lärmend durch die Straßen.
© Foto: Volkmar Könneke

Die Klöpfelnächte

Der Brauch des Klöpfelns stammt aus dem Mittelalter und ist heidnischen Ursprungs. An den drei letzten Donnerstagen vor Weihnachten zogen die Klöpfer durch die Straßen und klopften an jedes Haus. Dem Aberglauben nach vertrieben sie damit Geister und Dämonen, zudem sollte das vorgetragene Klöpfellied ein gutes Jahr und eine gute Ernte für Haus und Hof bringen. Da die Klöpfer reich mit Essbarem beschenkt wurden, war die Ausübung des Brauchs den Armen des Dorfes vorbehalten. Als die Tradition im 18. Jahrhundert in allgemeine Bettelei ausartete, wurde sie schließlich verboten.

In Frauenklöstern wurde dem Brauch eine andere Bedeutung zugemessen: Das Klöpfeln sollte die nahende Geburt Jesu einläuten. Noch heute werden in verschiedenen Regionen Bräuche gepflegt, die an die Klöpfelnächte angelehnt sind, wie etwa das Klöcklsingen im Berchtesgadener Land, das Anklöpfln im Alpenraum und dem Aufsagen von Klöpfelversen im Chiemseer Umland.

Das traditionelle Anklöpfln wird im Alpenraum noch immer praktiziert.

Das Pfeffern

Die Tradition des Pfefferns stammt aus Oberfranken. Junge Männer laufen mit frisch geschnittenen Tannenzweigen oder Misteln durch das Dorf und „pfeffern“, also schlagen, damit jungen und unverheirateten Frauen die Beine. Das soll ihnen Glück und Fruchtbarkeit bringen. Dazu wird den Frauen die Frage „Schmeckt der Pfeffer gut?“ gestellt, woraufhin diese antworten: „Ja, es schmeckt gut, ja, es schmeckt gut.“ Je nach Region können diese Sprüche variieren.

Für den „Segen“ erhalten die Burschen Schnaps, Lebkuchen oder anderes Weihnachtsgebäck. In manchen Gegenden müssen jedoch ab 12 Uhr mittags die Tannenzweige ruhen. Wer bis dahin nicht gepfeffert wurde, genießt einen schlechten Ruf.