Verhandlung Wegen Kinderpornos in den Knast

Neu-Ulm / Bernd Rindle 17.07.2018

Seine pädophilen Neigungen wurden einem 33-jährigen Neu-Ulmer nun endgültig zum Verhängnis. Obwohl er einschlägig verurteilt war und unter Bewährung stand, hat er sich weiter Kinderpornos beschafft, weshalb er gestern zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Die Tragweite seines Handelns scheint dem Mann, der nach der Urteilsverkündung fast fluchtartig das Neu-Ulmer Amtsgericht verließ, erst während der Verhandlung klar geworden zu sein. Nach vorne gebeugt saß er wie ein Häuflein Elend da und brachte kaum ein Wort heraus, es flossen Tränen. Sein Geständnis übermittelte Verteidiger Ingo Hoffmann: „Alles trifft zu, es gibt nichts zu beschönigen, es war so.“

Demnach hatte der gelernte Kfz-Mechatroniker und Gas- und Wasserinstallateur nicht nur über 600 Dateien mit kinderpornografischen Fotos und Videos auf seinem Computer, sondern sich Material über eine Handy-Chatplattform beschafft und teils weitergegeben. In diesem Chatroom gab er sich auch als Jugendlicher aus und knüpfte Kontakte zu zwei zwölf- und dreizehnjährigen Jungen aus Bayern, mit denen er mehr als nur Gespräche führte und einen dazu aufforderte, ihm erotische Fotos zu schicken.

Keine sexuellen Handlungen

Die Kernfrage war, ob der Angeklagte, der bei seiner Mutter wohnt, nochmal Bewährung bekommt. Denn weder der Bewährungshelfer noch eine Psychotherapeutin konnten auf ihn einwirken. Dabei benötige sein Mandant dringend eine intensive Therapie, sagte Hoffmann: „Er muss seine pädophilen Neigungen in den Griff bekommen.“ Hoffmann betonte aber, dass es keine direkten sexuellen Handlungen gab.

Dass bisherige Versuche, inklusive eines Vorbeugungsprojekts der Uni Ulm, gescheitert waren, warf die Frage auf, ob die Therapie überhaupt angemessen war. Hoffman bemängelte die „lange Distanz zwischen den Sitzungen“ und bezweifelte, dass eine einzige Sitzung im Monat ausreichend sei. Er wunderte sich auch, dass die Bewährungshilfe nicht rechtzeitig interveniert habe: „Da muss mehr stattfinden.“

Richter Thorsten Tolkmitt hielt dagegen, dass sich auch der Angeklagte angesichts seiner „krankhaften Störung“ hätte mehr engagieren können. „Er hat die Angebote aus eigenem Antrieb nur begrenzt genutzt.“ Stattdessen habe er „weiterhin versucht, mit Jugendlichen in Kontakt zu treten“. Zwei Jahre Therapieversuche hätten nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung geführt. Es gebe nicht zuletzt keine positive Prognose für eine nochmalige Bewährung: „Die Erwartung eines straffreien Lebens sieht das Gericht nicht.“

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